Nordosten : Jeder Fünfte von Armut bedroht

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Wohlfahrtsverbände: Deutschland sozial gespalten

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19. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Die Armut in Mecklenburg-Vorpommern hat nach Angaben des Paritätischen Gesamtverbandes zugenommen. Dem jüngsten Armutsbericht des sozialen Spitzenverbandes zufolge, der gestern in Berlin vorgestellt wurde, waren im vorigen Jahr im Nordosten 22,9 Prozent der Menschen arm oder von Armut bedroht. Im Jahr davor waren es 22,2 Prozent. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland hat.

Diese Schwelle betrug 2012 für einen Singlehaushalt 869 Euro. Für Familien mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren lag sie bei 1826 Euro. Im Vergleich der Bundesländer liegt der Nordosten auf Platz 15. Höher ist die Armutsquote dem Verband zufolge nur in Bremen mit 23,1 Prozent. Auf den ersten Plätzen liegen Baden-Württemberg und Bayern mit Armutsquoten von 11,1 beziehungsweise 11,2 Prozent. Dort sind die Einkommen deutlich höher als in Mecklenburg-Vorpommern, wo in den vergangenen Jahren die Bruttolöhne die niedrigsten in Deutschland waren. Im Bundesdurchschnitt betrug die Armutsquote dem Verband zufolge 15,2 Prozent, nach 15,1 Prozent im Jahr 2011.

Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider sprach von einem besorgniserregenden Anstieg. „Deutschland war noch nie so gespalten wie heute.“ Auch das Ausmaß der regionalen Zerrissenheit von Bundesland zu Bundesland wie zwischen Land und städtischen Ballungsgebieten habe eine neue Qualität erreicht.

Als Konsequenz von dem wachsenden Gefälle zwischen einzelnen Bundesländern und auch zwischen Land und Ballungszentren forderte Schneider „die gezielte finanzielle Förderung notleidender Kommunen sowie ein Paket von Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Erhalt der sozialen Infrastruktur vor Ort.“ Von der im Grundgesetz geforderten Gleichheit der Lebensverhältnisse in der Bundesrepublik könne keine Rede mehr sein, heißt es in dem Armutsbericht.

Im Ruhrgebiet – mit fünf Millionen Einwohnern das größte Ballungsgebiet Deutschlands – nahm laut Bericht die Armutsquote noch einmal zu und liegt demnach jetzt bei 19,2 Prozent. Hier zeige sich „eine völlig ungebremste Armutsentwicklung“, so die Autoren. „Ganze Regionen befinden sich in Abwärtsspiralen aus wachsender Armut und wegbrechender Wirtschaftskraft“, sagte Schneider. Nötig seien eine gezielte finanzielle Förderung und soziale Programme, um der Verödung entgegenzuwirken.

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