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Hagenower Soldaten in Afghanistan : Jede ruhige Nacht ist eine gute Nacht

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Etwa 400 Bundeswehrsoldaten des Panzergrenadierbataillons 401 in Hagenow sind derzeit in Afghanistan. Bis Dezember stellen sie den Leitverband des deutschen Isaf-Kontingents dar. Für uns berichten sie von ihrem Einsatz.

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erstellt am 05.Okt.2012 | 10:36 Uhr

Etwa 400 Bundeswehrsoldaten des Panzergrenadierbataillons 401 in Hagenow sind derzeit in Afghanistan. Für unsere Zeitung berichten sie von ihrem Einsatz.

Die TOC (Tactical Operations Center), das ist die Operationszentrale, die als Team, als Spinne im Netz 24/7 (24 Stunden, sieben Tage die Woche), den Herausforderungen und der möglichen Gefährdung im Einsatz gegenübersteht. Am Tag ist die TOC mit deutlich mehr Personal besetzt als in der Nacht. Die Rufbereitschaft aller ist gleichwohl zu jeder Zeit sichergestellt. Hier läuft alles zusammen, hier liegen alle Informationen hinsichtlich möglicher Feinde und der Bewegungen der Truppen, nicht nur der Bundeswehr, sondern auch der Amerikaner, Belgier, Niederländer und auch der Bewegungen der afghanischen Sicherheitskräfte vor. Dabei ist der Raum der gesamten Provinz Kunduz und Takhar abzudecken.

Bei Übergabe der Tagschicht an die Nachtschicht werden die Ereignisse der letzten 13 Stunden vorgetragen und noch offene Vorgänge so besprochen, dass das Personal der Schicht mit ruhigem Gewissen die Regenerationszeit bis zum nächsten Schichtwechsel nutzen kann. Denn diese Zeit ist knapp - für etwas Sport, mal einen Brief oder eine Karte schreiben, Internet nutzen; was nicht immer reibungslos funktioniert. Hierbei ist die Zeitverschiebung eine nicht unerhebliche Einschränkung. Will man gegen 21 Uhr skypen, ist es hier schon 23.30 Uhr. Da bleibt leider immer nur kurz Zeit für ein paar nette Worte. Und schon nach wenigen Stunden klingelt wieder der Wecker und die Tagschicht beginnt...

In der Regel wird nachts der folgende Tag vorbereitet. Wenn es ruhig bleibt, ist auch mal Zeit, einen Brief zu schreiben bzw. zu lesen oder die aktuellen Zeitungen durchzu scrollen, um zu wissen, was sonst zu Hause geschieht. Doch was ist schon ruhig… Es klingelt auch mal spät in der Nacht das Telefon oder die TOC wird direkt von Vorgesetzten oder Partnern aufgesucht. Die Kommunikation ist nicht selten auf Englisch, insbesondere am roten Telefon. Ein Blick auf die Karte, nochmals ein Telefonanruf: "Ist diese Leitung sicher?" klingt die Frage im Raum. "Sicher!" Zeitgleich weist der Schichtführer die umgangssprachlich genannte "Hindenburg", (PTDS - Predictive Threat Detection System, ähnelt dem Luftschiff) an, mit ihren Überwachungsmöglichkeiten zu unterstützen.

Keine Auffälligkeiten. Nach kurzem Verweilen werden alle Beteiligten ausführlich eingewiesen und alle Informationen werden elektronisch im sogenannten "actionboard" eingetragen und gespeichert. Meist folgt nochmals ein prüfender Blick auf Karte und Kamera mit Aufträgen für die weitere Nacht und wenig später ist es wieder ruhig in der TOC.

Routinemäßige Meldungen über Funk unterbrechen das eintönige Geräusch des Klimageräts. Es kann aber auch das Klingeln des Tetrapols ertönen, einem Fahrzeugfunkgerät: "Könnt ihr helfen?" Kurz vor der erneuten Schichtübergabe werden die Aufklärungsergebnisse in Verbindung mit den Ereignissen der Nacht nochmals zusammengetragen, um der wenig später erscheinenden Tagschicht und den sich abmeldenden Patrouillen die nötigen Informationen mit auf den Weg zu geben. Wieder werden sämtliche Passwörter abgeglichen und die Flap sheets geprüft (eine Liste, die sämtliche Daten der Patrouille zusammengefasst wiedergibt).

Dann neigt sich die im großen Ganzen ruhige Nacht dem Ende zu. Man nimmt seinen Helm vom Haken, blickt sich noch einmal um, bevor dann leise die Schiebetür der TOC von außen zugezogen wird. Auf dem Weg zur Unterkunft hofft man, dass es auch für die Tagschicht ein ruhiger und damit "ein guter Tag" wird. "Wenn nichts passiert, ist es ein Erfolg!" Geschützbesatzungen sagen, wenn sie schießen müssen, dann haben Kameraden irgendwo richtig Probleme. Das gleiche gilt für die Hubschrauber, wenn die starten und fliegen müssen, sind irgendwo Truppen in kritischen Situationen. Darum sind die ruhigen Tage und Nächte die guten.

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