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Defizite im Land : In MV fehlen Spezialärzte für Senioren

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gutachten weist auf Defizite bei der geriatrischen Versorgung hin

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2015 | 21:10 Uhr

Nachlassende Gedächtnisleistung, körperliche Schwäche, eingeschränkte Beweglichkeit, Schmerzen – mit steigendem Lebensalter treten nicht selten mehrere Krankheiten zeitgleich auf. Sie komplex zu behandeln, ist Aufgabe von speziell ausgebildeten Altersmedizinern, den Geriatern. Alte Menschen in Mecklenburg-Vorpommern haben einem Gutachten zufolge jedoch nur eingeschränkt die Möglichkeit, sich von solchen Spezialisten behandeln zu lassen. Lediglich in den Oberzentren und deren Umgebung sei eine gute Erreichbarkeit zu Geriatern gegeben, außerdem im Umfeld spezieller Reha-Kliniken, heißt es in einer Grundlagenexpertise zu Gesundheit und Pflege im Alter, die die Hamburger Beratungsfirma HGC GesundheitsConsult heute der Enquetekommission des Landtags „Älter werden in Mecklenburg-Vorpommern“ vorstellen wird.

War Mecklenburg-Vorpommern bei seiner Gründung noch das Bundesland mit der jüngsten Bevölkerung, hat sich das mittlerweile ins Gegenteil verkehrt: Nirgends sonst in Deutschland ist der Altersdurchschnitt so hoch wie hier. Das resultiert aus dem bis 2012 anhaltenden Geburtenrückgang, mehr noch aber aus der Abwanderung jüngerer Frauen und Männer in Regionen mit attraktiveren Arbeitsbedingungen, und nicht zuletzt aus der Zunahme der Lebenserwartung.

Eine Umkehr ist nicht in Sicht. Im Jahr 2030 werden 36,2 Prozent der Gesamtbevölkerung über 65 Jahre alt sein. Zum Vergleich: 2010 lag dieser Anteil noch bei 24,3 Prozent. Der Bedarf nach spezialisierter altersmedizinischer Versorgung wird also noch steigen. Parallel dazu werden im Land immer weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter leben, die die Versorgung Älterer und Pflegebedürftiger übernehmen können.

Schon jetzt ist dem Gutachten zufolge in weiten Teilen des Landes kein Geriater innerhalb von 25 Minuten erreichbar. In einem Großteil des Landkreises Ludwigslust-Parchim, entlang der Ostseeküste, im ehemaligen Landkreis Uecker-Randow und in Teilen des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte gibt es entsprechende Versorgungsprobleme.

HGC empfiehlt, ein Netz wohnortnaher Gemeinde-Gesundheitszentren aufzubauen, die entweder selbst eine geriatrische Praxis unterhalten oder mit einer solchen kooperieren. An einer Universität sollte ein Forschungsschwerpunkt Geriatrische Medizin eingerichtet und mit einer ausreichenden Zahl Professuren ausgestattet werden. Außerdem wird die Einrichtung einer Universitätsambulanz angeregt, die von allen Geriatern im Land als Anlaufstelle für ihre Patienten genutzt wird.

 

 

 

 

 

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