Zehn Jahre Haft für Mord : Im "Overkill" die Kehle durchtrennt

Landgericht Schwerin verurteilt 31-Jährigen wegen Mordes zu zehn Jahren Haft. Foto: dpa
Landgericht Schwerin verurteilt 31-Jährigen wegen Mordes zu zehn Jahren Haft. Foto: dpa

Mit einem Anglermesser hat Michael S. die Kehle der Frau durchtrennt. Spontan, ohne erkennbares Motiv. Am Dienstag ist der 31-Jährige dafür zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

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18. Mai 2011, 01:38 Uhr

Schwerin | Mit einem Anglermesser hat Michael S. die Kehle der Frau durchtrennt. Spontan, ohne erkennbares Motiv. Die 34-Jährige war sofort tot. Gestern ist der 31-Jährige dafür vom Schweriner Landgericht wegen Mordes zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Doch zunächst muss er in den Maßregelvollzug - eine psychiatrische Klinik, in der kranke Straftäter therapiert werden. Ein Gutachter hat ihm eine schwere Persönlichkeitsstörung bescheinigt, ohne die es wohl nicht zu der Tat gekommen wäre.

Eine Tat, die man nicht mit dem schüchtern wirkenden Mann in Einklang bringen mag, der mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank sitzt. Und die doch so brutal ist, dass einige Zuschauer während der detaillierten Urteilsbegründung geschockt den Saal verlassen. Michael S. und sein späteres Opfer Antje kannten sich, waren aber kein Paar. Und eigentlich mochten sie sich auch nicht sonderlich. Warum er sie an jenem Oktoberabend in ihrer Wohnung auf dem Dreesch aufsucht, wird nie richtig geklärt. Wohl aber, dass beide Zärtlichkeiten austauschen. Doch dann kommen S. offenbar Bedenken. Schließlich hat er ja eine Freundin. Er "flieht" in die Küche, doch kann er seinem "inneren Konflikt" - wie es der Gutachter ausdrückt - nicht entfliehen. Aber lösen kann er ihn auch nicht. Das hat der verschlossene Mann nie gelernt. So tritt er in seiner Wut einen Streit über Nebensächlichkeiten los. Der dann - "irgendwie", sagt der Richter - eskaliert. Der passionierte Angler zieht plötzlich das Messer aus dem Rucksack und schneidet der Frau, die ihm arglos gegenübersitzt, die Kehle durch. "Overkill" nennt der Gutachter die so unerklärliche Überreaktion.

Michael S. deckt Antje noch zu, bevor er ihre Wohnung verlässt. Doch er bekommt die Bilder nicht aus dem Kopf. Tage später stellt er sich der Polizei, wiederholt auch vor Gericht sein Geständnis. Doch erklären kann er die Tat nicht einmal sich selbst. "Dafür gibt es keine Entschuldigung", sagt er. Denn Antje wird nicht wieder lebendig.

Das Gericht geht von verminderter Schuldfähigkeit aus. Spontan habe er gehandelt. Wie auch 2001, als er seiner amtlichen Betreuerin aus nichtigem Anlass einen Spaten auf den Kopf schlug. Damals kamen Gutachter zu dem Schluss, dass er weder krank noch gefährlich ist. Erst der dritte Sachverständige sieht das anders. Der 31-Jährige, der schon als Kind Außenseiter war, an Lernschwäche litt und zu früh seine Mutter verlor, neige in Krisen zu Gewalt. Ohne Therapie sei er eine Gefahr für andere. Eine Therapie, die mindestens fünf Jahre dauere. Ob er irgendwann als geheilt entlassen wird oder doch noch ins Gefängnis muss, wird ein Gutachter entscheiden.

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