Im Kartoffelland sind die Knollen knapp

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12. Oktober 2009, 08:14 Uhr

Rostock | Im einstigen Kartoffelland MV werden immer weniger Knollen angebaut. In den vergangenen 20 Jahren verringerte sich die Anbaufläche von knapp 95 000 auf jetzt etwa 14 500 Hektar. Die Ursachen sind nach den Worten des Kartoffelzüchters Wolfgang Walter vielfältig. Der Geschäftsführer der Norika Nordring Kartoffelzucht- und Vermehrungs-GmbH Groß Lüsewitz (Kreis Bad Doberan) nannte die kurze Vegetationszeit im Verhältnis zu anderen Bundesländern, Probleme mit der Bewässerung und hohe Kosten für Aufbereitung und Lagerung. "Es ist in einem Großbetrieb leichter, Raps und Weizen anzubauen", sagte er.

Die klimatischen Voraussetzungen in MV sind nach seinen Worten für den Anbau von Saatkartoffeln sehr gut. Die Küstennähe bewirke im Frühjahr eine langsame Erwärmung der Böden, und über die Ostsee würden keine Krankheitserreger wie Läuse herangeweht. "Deshalb haben wir in maritimen Lagen immer bessere Bedingungen", sagte der Züchter. In den so genannten Gesundlagen für den Vermehrungsanbau seien die Produzenten von Speise-, Stärke- oder Industriekartoffeln aber verpflichtet, besonders hochwertiges, gesundes und damit teures Pflanzgut einzusetzen. Die Vegetationszeit sei jedoch vier Wochen kürzer als etwa in Niedersachsen. "Das macht in manchen Jahren bis zu zehn Tonnen weniger Ertrag je Hektar aus." Trotz des Gewässerreichtums in MV fehlen Beregnungsanlagen. "Es gibt eine Menge Schwierigkeiten, überhaupt an Wasser zu kommen", sagte Walter. "Wir brauchen eine Entbürokratisierung der Wasserzugangsrechte", forderte er.

Für die Saatkartoffelproduktion hat MV seine Bedeutung behalten. Nach Niedersachsen mit 6000 Hektar habe das Land mit 3900 Hektar bundesweit die zweitgrößte Anbaufläche. Alle sieben deutschen Züchterhäuser seien vertreten. Norika als einheimisches Unternehmen baue Vermehrungskartoffeln auf mehr als 1000 Hektar an. Darunter seien bei den Speisekartoffeln die noch aus der DDR bekannte, mehlig kochende Sorte Adretta, die festkochende Salomé und die mittlerweile weit verbreitete Gala.

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