Heute ist Weltkindertag

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20. September 2012, 09:33 Uhr

Kinderschutzverbände fordern mehr Freiräume für die Jüngsten. Gut 38,5 Stunden pro Woche arbeiten Kinder und Jugendliche im Schnitt in der oder für die Schule, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Unicef-Umfrage zum heutigen Weltkindertag hervorgeht. Mit zunehmendem Alter steigt die Arbeitsbelastung - in den Klassen 9 bis 13 bis zur 45-Stunden-Woche. Der Weltkindertag 2012 steht darum unter dem Motto "Kinder brauchen Zeit!" Bei der Altersgruppe bis einschließlich sechs Jahren liegt laut der Umfrage vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen der Zeitaufwand für die Schule bei rund 31 Wochenstunden, bei den Sieben- bis Zwölfjährigen sind es mehr als 37 Stunden. Ab 13 Jahre arbeiten die Jugendlichen fast 44 Wochenstunden in der oder für die Schule.

Die Kinderschutzorganisation World Vision warnte vor starker Erschöpfung. "Zeit zur Erholung und Freiraum zum Spielen sind wichtig für das Wohlbefinden von Kindern und fördern ihre Entwicklung besser als manches strukturierte Lernprogramm", sagte Andrea Müller de Merino, Bildungsreferentin des Kinderhilfswerks. "Beim scheinbaren Nichtstun passiert in Wirklichkeit viel".

An der Unicef-Umfrage via Internet beteiligten sich seit Juni rund 2000 Mädchen und Jungen. In einem Wochenplan hatten sie ihren Tagesablauf von 7 bis 22 Uhr beschrieben. Nach den schulischen Verpflichtungen verbringen Kinder die meiste Zeit mit der Familie (18 Stunden pro Woche) und Faulenzen oder Musikhören (gut 15 Stunden). Danach folgen Computerspiele und Fernsehen (fast 14 Stunden). Letzteres ist vor allem bei Jungen beliebt. Mehr als 17 Stunden pro Woche sitzen sie nach eigener Einschätzung vor der Konsole, dem PC oder dem Fernseher. Bei Mädchen sind es rund zehn Stunden. Die Initiative "Schau hin! Was Deine Kinder machen." ermahnte Eltern, Kindern zu einem klar begrenzten, sinnvollen Medienkonsum zu verhelfen.

Der Unicef-Umfrage zufolge kommen bei beiden Geschlechtern und in allen Altersgruppen Hobbys wie Sport im Verein, Musik machen, Haustiere oder Nebenjobs zu kurz. Diese nehmen rund acht Stunden pro Woche ein.

Arche-Gründer Bernd Siggelkow forderte, Kinder aus bildungsfernen Familien stärker individuell zu fördern. Das deutsche Bildungssystem benachteilige diese Kinder dramatisch. Der Initiator des christlichen Kinder- und Jugendhilfswerks Arche stellte zum Weltkindertag in Berlin sein neues Buch "Deutschlands verlorene Kinder" vor. Kinder aus armen, bildungsfernen Familien können von Hobbys oft nur träumen, stellte Siggelkow fest. Ihnen fehle es zu Hause oft an jeglicher Unterstützung, um schulische Probleme zu bewältigen. Die Forderungen von Pastor Siggelkow und seinem Co-Autor Wolfgang Büscher an ein sozialeres Bildungssystem lauten deshalb: Kleinere Klassen, mehr Lehrer, doppelt so viele Sozialarbeiter. "Wir brauchen eine Kita-Pflicht schon für Zweijährige und Ganztagsschulen, an denen sich die Kinder wohlfühlen", sagte Siggelkow.

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