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Geburtshilfe : Hebammen immer mehr in Bedrängnis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nur noch acht Hausgeburtshelferinnen in MV / Treffen im Gesundheitsministerium

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2015 | 21:06 Uhr

Wenn sich Elterninitiativen heute im Bundesgesundheitsministerium für die berufliche Zukunft der Hebammen und eine flächendeckende Geburtshilfe in Deutschland einsetzen, ist auch die Schwerinerin Michaela Skott dabei. Dass die Parlamentarische Staatssekretärin Ingrid Fischbach (CDU) bereit sei, die Eltern anzuhören, sei „ein positives Signal“, so Skott, die zur Initiative Hebammenunterstützung gehört.

Die Aktivistinnen fordern die freie Wahl des Geburtsortes. Denn sie beobachten einen „besorgniserregenden Trend zur Konzentration von Entbindungsstationen“. Exemplarisch sei die Situation auf Sylt, wo die Geburtsstation vor einem Jahr schloss – und Hochschwangere nun zwei Wochen vor dem Geburtstermin die Insel verlassen und kostenlos in der Nähe einer Klinik auf dem Festland untergebracht werden. Ähnliches fürchtet Skott auch für MV, wo gerade jüngst wieder ein Gutachten die Konzentration auf wenige große Krankenhäuser empfohlen hatte.

Unverändert gebe es auch keine Lösung für die Haftpflichtversicherung der Hebammen, so Skott: Ab Juli 2015 gibt es nur noch Versicherungsschutz für Mitglieder des Deutschen Hebammenverbandes – und auch den nur noch für ein Jahr. Eine Folge: In Mecklenburg-Vorpommern bieten Skott zufolge nur noch acht Hebammen Hausgeburtshilfe an, gerade hätten wieder zwei die Segel gestrichen. Wegen der Unwägbarkeit der Haftpflichtversicherung gebe es auch immer weniger Beleghebammen.

Das Schweriner Sozialministerium nimmt die Sorgen der Eltern ernst, bezeichnet die Versorgung durch Hebammen in MV aber als gut. Ihre Zahl sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, so Ministeriumssprecher Christian Moeller. Gab es im Jahr 2000 im Land 174 Hebammen waren es fünf Jahre später 224, nach weiteren fünf Jahren 286 und 2013 sogar 325. „Ähnlich verhält es sich mit den freiberuflich hauptberuflich tätigen Hebammen“, so Moeller. „ Ihre Zahl ist seit dem Jahr 2000 von 118 auf 202 im Jahr 2013 gestiegen.“

Grünen-Gesundheitsexpertin Silke Gajek fürchtet indess, dass sich künftig immer mehr Hebammen auch aus Vor- und Nachsorge zurückziehen werden. Vor allem auf dem Lande, wo sich Kurse nicht lohnten, könnten sie nicht kostendeckend arbeiten. „Das Wunder der Geburt ist zum Wirtschaftsfaktor verkommen“, kritisiert Skott und fordert einen kompletten Systemwechsel.

 

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