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Ermittlungsverfahren eingestellt : Guttenbergs Persilschein für den Neuanfang?

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Erst die gute Nachricht von der Staatsanwaltschaft, dann das Eingeständnis von Fehlern. Karl-Theodor zu Guttenberg in der Rolle des reuigen einsichtigen Sünders weist aber den Täuschungsversuch weiter zurück.

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erstellt am 23.Nov.2011 | 08:37 Uhr

Berlin | Erst die gute Nachricht von der Staatsanwaltschaft, dann das Eingeständnis von Fehlern. Karl-Theodor zu Guttenberg in der Rolle des reuigen einsichtigen Sünders weist aber den Täuschungsversuch weiter zurück. Pünktlich vor der Veröffentlichung seines neuen Buches "Vorerst gescheitert" stellten die Ermittler im fränkischen Hof gestern das Verfahren wegen den Verdachts auf Verletzung des Urheberrechts ein. Der CSU-Politiker muss 20 000 Euro an die Kinderkrebshilfe zahlen, damit ist das Verfahren endgültig eingestellt. Zu Guttenberg habe der Geldauflage bereits zugestimmt und überwiesen, hieß es. Er wolle sich zu dem Verfahren nicht äußern, erklärte eine Sprecherin seines Bürgerbüros in Kulmbach. Zu Guttenberg selbst, der nach seinem Rückzug aus der Politik wegen der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit bis auf Weiteres in die USA übergesiedelt ist, meldet sich jetzt im Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" zu Wort. Der Beitrag ist ein Vorabdruck und Auszug seines Interviews mit Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Seine Doktorarbeit sei "die denkbar größte Dummheit meines Lebens", ein "ungeheuerlicher Fehler", den er "von Herzen" bedauere. Den Vorwurf, jemand anderes habe Teile der Arbeit für ihn geschrieben, weist zu Guttenberg zurück. Er habe auch niemanden vorsätzlich getäuscht. "Wenn ich die Absicht gehabt hätte, zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump und dumm angestellt, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist." Es sei kein Betrug gewesen.

Kehrt er zurück? Mit Sicherheit werde er wieder nach Deutschland kommen, kündigt zu Guttenberg an. Auch werde er "ein politischer Kopf" bleiben. "Ob eine Rückkehr mit einem politischen Engagement welcher Art auch immer verbunden sein wird, ist heute gänzlich offen", will sich der 39-jährige Jurist und frühere Verteidigungs- und Wirtschaftsminister noch nicht festlegen. "Dass ich ein politischer Mensch, ein Zoon politikon, bleibe, steht außer Frage", so zu Guttenberg.

CSU-Chef Horst Seehofer rollt ihm schon einmal den weiß-blauen Teppich aus: "Er gehört zu uns, wir wollen ihn ", sagte er. Zu Guttenberg sei nach wie vor "willkommen", ob und wie er allerdings zurückkehren werde, sei offen und müsse er selbst entscheiden, so Bayerns Ministerpräsident. Die Einstellung der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen - der Persilschein für den Freiherrn für ein Comeback - ob nun in München oder Berlin? Auch in der CSU rätselt man über zu Guttenbergs Zukunftspläne. Dass er sowohl in seinem früheren Wahlkreis Kulmbach als auch in Berlin weiter Büros unterhält, gilt bei seinen früheren Kollegen als eindeutiges Zeichen dafür, dass er seine Rückkehr in die Politik plant, womöglich bereits 2013 zur Landtagswahl in Bayern oder zur Bundestagswahl. "Die Entscheidung darüber liegt bei ihm", schließt Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) das Comeback nicht aus.

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