Landwirtschaft MV : „Gutes Essen“ als Politikum

Herzhaft in den ökologisch angebauten Apfel beißen: Landesvorsitzende der Grünen in MV, Claudia Müller, setzt sich mit ihrer Partei für die Abkehr von der industriellen Landwirtschaft ein.
Herzhaft in den ökologisch angebauten Apfel beißen: Landesvorsitzende der Grünen in MV, Claudia Müller, setzt sich mit ihrer Partei für die Abkehr von der industriellen Landwirtschaft ein.

Ländliche Räume stärken: Grüne plädieren auf Landesparteitag für ökologische Landwirtschaft in MV

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23. März 2015, 08:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern erziele Höchsterträge in der Landwirtschaft, die Wertschöpfung sei aber gering – etwa nur halb so hoch wie in Niedersachsen, so Claudia Schulz vom Landesvorstand der Grünen. Der Grund: Das Land produziere vor allem billige Massenwaren im Übermaß, aber wenig arbeitsintensive und hochpreisige Produkte wie Obst und Gemüse. Obwohl MV rund acht Prozent der Agrarflächen in Deutschland bewirtschafte, erzeuge es nur ein Prozent des Gemüses. Mehr als 50 Prozent der Bio-Produkte müssten eingeführt werden. Das soll sich ändern. In dem Antrag „Gutes Essen von hier für hier“ fordern die Grünen eine ökologischere Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Auf dem Landesparteitag am Sonnabend in Parchim-Dargelütz sprachen sich 65 Delegierte dafür aus, Lebensmittel nachhaltig, tiergemäß und transparent zu erzeugen.

Die derzeitige industrielle Produktion wirtschafte weitgehend losgelöst von der Region und exportorientiert auf Kosten von Anwohnern und Umwelt, kritisierte die Partei. Ökologisch erzeugte und in der Region vermarktete Lebensmittel hingegen könnten die Wirtschaft im ländlichen Raum stärken. Dafür seien jedoch wesentliche Veränderungen in der Landwirtschaftspolitik notwendig, sagte Landeschef Andreas Katz. So fordern die Grünen eine artgerechte und umweltverträgliche Tierhaltung. Diese umfasst auch die Einführung eines landesweiten Tierschutzplans, ein Klagerecht für Tierschutzverbände sowie bessere Kontrollen und striktere Ahndungen von Verstößen. „Schwarze Schafe kommen zu lasch weg“, so Claudia Schulz. Die Delegierten plädierten am Sonnabend zudem dafür, dass Landesflächen nur unter Berücksichtigung besserer Mindeststandards, wie Auslauf für Schweine, und bevorzugt an kleinflächige Neugründungen und Bio-Betriebe verpachtet werden.

Bei der Neuausrichtung der Landwirtschaft in MV setzt die Partei auf Zusammenarbeit mit den Landwirten. „Eine ökologische Landwirtschaft kann nur mit den Bauern gelingen, nicht gegen sie. Auch wollen wir niemandem etwas verbieten, sondern Bauern wie Verbrauchern neue Möglichkeiten eröffnen. Dialog statt Konfrontation ist der richtige Weg“, resümierte Landesvorsitzende Claudia Müller.

In der Kita- und Schulverpflegung machen sich die Grünen ebenfalls für verbindliche Standards stark. So setzen sie sich in einem Antrag dafür ein, dass unter anderem nur Firmen einen Verpflegungsauftrag in öffentlichen Einrichtungen erhalten, die nach ökologischen Kriterien sowie mit regionalen und saisonalen Zutaten kochen. In der Diskussion sprachen sich zudem mehrere Redner dafür aus, in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen für Kinder wenigstens einmal wöchentlich ganz auf Fleisch zu verzichten oder täglich ein vegetarisches Wahlessen anzubieten. Auch veganes Essen sei zu bevorzugen, da es Konflikte mit den Ernährungsgewohnheiten von Kindern aus anderen Kulturen vermeide.

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