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P+S-Werft : Großfähren gehen an Scandlines

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der ursprüngliche Interessent bekommt Zuschlag für die zwei Passagierschiffe der insolventen P+S-Werft. Entscheidend war der Kaufpreis.

Die Großfähren auf der insolventen P+S-Werft in Stralsund gehen an die deutsch-dänische Reederei Scandlines. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann erteilte gestern in Abstimmung mit den Sicherungsgläubigern den Zuschlag an die zu Scandlines gehörende Scandferries Chartering A/S. Scandlines habe das höchste Gebot abgegeben, begründete Brinkmann die Entscheidung.

Scandlines kauft die bislang nicht fertiggestellten Fähren nach dpa-Informationen für 31,6 Millionen Euro und damit zu einem deutlich niedrigeren Preis als die ursprünglich veranschlagten 184 Millionen Euro. Der Kaufvertrag soll nächste Woche unterzeichnet werden und steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Scandlines-Aufsichtsrates.

Neben der Reederei, die 2010 die Fähren in Auftrag gegeben hatte und nach der Werften-Insolvenz im Jahr 2012 wegen Baumängeln an den Schiffen vom Vertrag zurücktrat, hatten die Nordic Yards in Wismar und Rostock ein Angebot abgegeben. Das Nordic-Angebot lag nach Angaben der Werft bei 30,5 Millionen Euro und war zudem verbunden mit einem Kaufangebot für die insolvente Volkswerft.

Nordic-Geschäftsführer Jürgen Wollny ließ gestern offen, ob es nach dem Verkauf der Fähren an einen anderen Bieter ein separates Angebot für die Werft geben wird. Die Situation ohne Fähren müsse neu bewertet werden, sagte Wollny. Nordic will die Stralsunder Volkswerft als strategischen Standort für Offshore-Projekte im Wind-, Öl- und Gasbereich erwerben und bietet dafür drei Millionen Euro.

Scandlines will die 169 Meter langen Fähren auf einer anderen Werft – möglicherweise in Hamburg oder Bremerhaven – umbauen lassen. „Wir freuen uns sehr“, sagte Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen über den Zuschlag. Nun seien erhebliche Umbaumaßnahmen erforderlich. Die neuen Fähren liegen mit 700 Tonnen über dem Optimal- und 200 Tonnen über dem Toleranzgewicht – damit könnten sie den Hafen Gedser bei Flachwasser nicht anlaufen. Zum Kaufpaket gehören auch das Baumaterial und die Bauzeichnungen. Land, Bund und Banken sind Sicherungsgläubiger der Fähren.

Auf welcher Werft der Umbau geschehen solle, sei noch nicht entschieden. „Wir hoffen aber, dass wir Ende 2014 bereits die erste Fähre auf der Strecke Rostock-Gedser einsetzen können“, sagte die Scandlines-Sprecherin. Die neuen Fähren sollen die veralteten Vorgänger „Kronprins Frederik“ und „Prins Joachim“ ersetzen.

Das Land hofft, dass sich Scandlines für einen Umbau auf einer hiesigen Werft entscheidet. „Wir möchten die Arbeit im Land halten“, sagte ein Sprecher des MV-Wirtschaftsministeriums.


Schiffbauer protestieren gegen befürchtete Filetierung der Werft


In Stralsund demonstrierten gestern rund 250 wütende Schiffbauer. Sie befürchten eine Zerschlagung des Schiffbaustandortes. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hatte am Donnerstag für die Landesregierung einen Bericht zum Stand der Verhandlungen über den Verkauf der insolventen Werft abgegeben. Als Interessenten für die Volkswerft werden Nordic Yards und die Windkraftinvestmentfirma New Global Wind gehandelt. Darüber hinaus stünden Interessenten aus der nicht maritimen Industrie für den Kauf von Flächen aus der insolventen Volkswerft bereit.

Es habe eine Absprache gegeben, dass die Werft als Ganzes erhalten bleiben solle – entweder als Industriestandort oder als Schiffbaustandort, sagte der Belegschaftssprecher und frühere Betriebsrat, Jürgen Kräplin. Jetzt sei zu befürchten, dass der Betrieb „filetiert“ werde. Die Ankündigung von Mitgliedern der Regierungsfraktionen, sich vom Schiffbau verabschieden zu wollen, treibe die Menschen weg, sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte von Vorpommern, Guido Fröschke.

Die Gewerkschaft forderte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) auf, die Rettung der Volkswerft zur Chefsache zu machen. „Anderthalb Jahre nach der Insolvenz stehen wir vor dem denkbar schlechtesten Ergebnis“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken. Die Ankündigung einer Zerschlagung sei „unverantwortlich“.

Regierungssprecher Andreas Timm wies die Befürchtungen zurück. „Es ist am Donnerstag im Landtag nicht die Zerschlagung angekündigt worden.“ Ziel der Landesregierung sei es, eine bestmögliche Lösung zu finden, die möglichst viele Arbeitsplätze sichere. Potenziale gibt es nach Angaben der Landtagsfraktionschefs von SPD und CDU für Firmen im Bereich der Metallverarbeitung. „Dass solche Lösungen zukunftsfähig sind, beweisen die wachsenden und sich vermehrenden Industrieunternehmen am Standort Rostock“, erklärten Norbert Nieszery (SPD) und Vincent Kokert (CDU) in einer gemeinsamen Erklärung.

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