Medizin MV : Gesundheitsstudie droht Probandenmangel

Mitarbeiterin Alexandra Smitkiewicz verfolgt die MRT-Untersuchung eines Probanden an Bildschirmen.
Mitarbeiterin Alexandra Smitkiewicz verfolgt die MRT-Untersuchung eines Probanden an Bildschirmen.

Bundesweit sollen 200 000 Menschen im Alter von 20 bis 69 Jahren untersucht werden. Im Nordosten läuft die sogenannte Kohorte noch etwas schleppend an.

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18. November 2015, 16:26 Uhr

Die Organisatoren der bundesweiten Gesundheitsstudie „Nationale Kohorte“ müssen sich in Mecklenburg-Vorpommern beeilen, wenn sie geplante Teilnehmerzahl von 20 000 erreichen wollen. Innerhalb eines Jahres ließen sich 2000 Frauen und Männer in Neubrandenburg und Neustrelitz für die Studie untersuchen, sagte Leiter Henry Völzke gestern in Neubrandenburg. Das seien rund 26 Prozent aller Angeschriebenen, was bundesweit aber ein guter Durchschnittswert sei.

Mit der „Kohorte“ sollen neue Erkenntnisse gewonnen werden, was Menschen krank macht und wie sie sich vor Krankheiten schützen können. Nach Angaben der Universitätsmedizin Greifswald liegt der Schwerpunkt dabei auf Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes, Demenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen.

Nun werde zusätzliches Personal eingestellt und ein Studienzentrum 2016 von Neustrelitz nach Waren verlegt. „Dadurch soll die Zahl der Probanden von jetzt täglich 20 Teilnehmern auf 40 verdoppelt werden“, erklärte die Leiterin des Studienzentrums Neubrandenburg Sabine Schipf. „Uns fehlen vor allem Teilnehmer in der Altersgruppe der 25- bis 45-Jährigen und da vor allem junge Frauen“, erklärte Völzke. Das habe mit der Abwanderung in der 1990er Jahren zu tun.

Für die Studie sollen bundesweit 200 000 Menschen im Alter von 20 bis 69 Jahren untersucht werden. Auch ihre Ernährungs- und Lebensweisen sollen einfließen. „Die Ergebnisse sind dann Grundlage von vorbeugenden Programmen der Länder und des Bundes“, sagte Völzke. Nach 2018 werden die Probanden noch auf jeden Fall fünf Jahre begleitet. Die Studie wird bis 2023 finanziert. Die Mediziner hoffen, dass sie danach noch 20 Jahre fortgesetzt wird, um möglichst langfristige Ergebnisse zu gewinnen. Geldgeber der Studie sind Bund, Land und die Helmholtz-Stiftung.

Hintergrund:
Die „Nationale Kohorte“ hat es sich zum Ziel gesetzt, Ursachen von Volkskrankheiten wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Demenzerkrankungen und Infektionskrankheiten aufzuklären, Risikofaktoren zu erkennen und Wege einer wirksamen Vorbeugung aufzuzeigen. Auch Möglichkeiten der Früherkennung von Krankheiten sollen identifiziert werden. Langfristig versprechen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Studie Antworten auf folgende zentrale Fragen:
- Wie entstehen diese Krankheiten?
- Gibt es Faktoren, die ihre Entstehung begünstigen?
- Welche Rolle spielen zum Beispiel unsere Gene, die Umwelteinflüsse, denen wir ausgesetzt sind, oder aber unser Lebensstil?
- Welche Rolle spielen dabei soziale Faktoren?
- Können wir uns vor diesen Krankheiten schützen?
- Wie können diese Krankheiten frühzeitig erkannt werden?

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