Geschichte als echtes Seh-Stück

<fettakgl>Der Landungstrupp der längst versenkten 'Emden' </fettakgl>schlägt sich mit einem maroden Segelschiff bis nach Sumatra und von dort weiter Riuchtung Heimat durch - eine Odysee über 13  000 Kilometer .  <foto>Hardy Brackmann/Berengar Pfahl Film</foto>
1 von 6
Der Landungstrupp der längst versenkten "Emden" schlägt sich mit einem maroden Segelschiff bis nach Sumatra und von dort weiter Riuchtung Heimat durch - eine Odysee über 13 000 Kilometer . Hardy Brackmann/Berengar Pfahl Film

svz.de von
23. Januar 2013, 09:47 Uhr

Schwerin | Tropenhelm ab zum Gebet! Die drei Offiziere (dargestellt von Sebastian Blomberg, Ken Duken und Jan Henrik Stahlberg) sehen, wie vor den Kokos-Inseln ihr Schiff, der Kreuzer "Emden" im feindlichen Granatfeuer sinkt. Nun ist guter Rat teuer: Deutschland ist rund 13 000 Kilometer entfernt, die feindliche britische Marine beherrscht die See und auf der Insel gibt es nur einen halbvergammelten Dreimast-Segler, die "Ayesha". Den aber kapert der Erste Offizier der Emden, Hellmuth von Mücke (Blomberg), der das Landungskommando befehligte, und macht sich mit seiner kleinen Truppe auf den Weg - bis in die Heimat. Nach tausenden Meilen auf See, einer Reise mit einem deutschen Dampfer bis zur arabischen Halbinsel und einem Marsch durch die zwischen Türken und Briten umkämpfte arabische Wüste werden Kapitänleutnant Mücke und fast alle seine Männer schließlich heimkehren - und werden zu gefeierten Helden.

Die Geschichte der abenteuerlichen Reise erzählt der Filmemacher Berengar Pfahl nun in "Die Männer der Emden". Der Kinofilm ist auch in MV gedreht worden und kommt am 31. Januar in die Kinos. Schon am 30. Januar können unsere Leser den Streifen sehen, in Pfahls persönlicher, 144 Minuten langer Schnittfassung. Regisseur, Team und viele Schauspieler werden dabei sein. Und: Der Eintritt zu dieser einmaligen Premiere ist gratis - einfach den Coupon unten in einer unserer Geschäftsstellen gegen Eintrittskarten eintauschen.

Ein Hurra-Epos hat Berengar Pfahl aus dem Stoff aber nicht gemacht, obwohl es natürlich nicht zu vermeiden war, dass die Reichskriegsflagge über blauer See und sonnenglühender Wüste flattert. "Mit dem Begriff ,Helden’ habe ich Schwierigkeiten. Aber der Begriff Helden und Heldentum, falsche Helden und falsches Heldentum spielt in dem Film natürlich eine große Rolle", sagt der Regisseur, der den Film auch produzierte und mit am Drehbuch schrieb. Bis auf Hellmuth von Mücke tragen die Figuren fiktive Namen. Die Quellenlage sei zu dürftig gewesen, sagt Pfahl. Zwei Jahre hat er von der ersten Idee bis zum ersten Drehtag gebraucht. Vor allem faszinierte den Filmemacher die Geschichte der versprengten Truppe, die zusammenhalten muss und sich in die Heimat durchschlägt. Pfahl: "Es ist eine Geschichte, die ich so noch nie erzählt habe und die große Bilder für die große Leinwand braucht." Für Bilder braucht ein Film Drehorte - einer davon war Mecklenburg-Vorpommern. Rügen übernahm sozusagen die Rolle der damaligen deutschen Kolonie Tsingtao in China, von wo der Kreuzer "Emden" 1914 zur Kaperfahrt im Indischen Ozean aufbrach.

Die wirtschaftliche Filmförderung MV unterstützte die Produktion - finanziell und logistisch. Torsten Jahn, Geschäftsführer der FilmLand MV gGmbH, sieht es als Bestätigung der Arbeit seines Team, wenn große Produktionen wie die "Emden" nach MV kommen: "Authentisch, unverbraucht, offen: Dies sind nur drei der Attribute, die das Filmland Mecklenburg-Vorpommern treffend beschreiben. Film ist Wirtschafts- und Werbefaktor für das Land zugleich", sagt Jahn. "Es ist cool, wenn man schon von Anfang an in die Recherchen für einen Film eingebunden ist und dann am Ende so ein riesiges Projekt dabei herauskomm", erläutert Antje Naß von der filmlocation MV, dem Drehortservice innerhalb der FilmLand. Das Büro soll erster Ansprechpartner für Produzenten, Regisseure und Drehteams sein, die es nach MV zieht. Auch für "Die Männer der Emden" stellte die filmlocation MV die Kontakte im Land her.

Detlev Bonnekoh gehörte dazu. Mit seiner Rostocker Agentur "Nordlicht-Cast" sorgte er für Komparsen, Kleindarsteller, Schneider, Drehorte, Pferde, Kutschen, Rikschas, Orchester - es war viel und gar nicht so einfach. 500 Komparsen für drei Drehtage brauchte Berengar Pfahl. Es gab verschiedene Sonderwünsche, erinnert sich Bonnekoh: "Einige Komparsen sollten möglichst aristokratisch aussehen." Klar - schließlich spielten die Szenen in Tsingtao zur Kaiserzeit. Aber das Rügen musste für den Dreh auch zu China werden. Bonnekoh sorgte für das Lokalkolorit. "Das hieß: So viele asiatisch aussehende Komparsen wie möglich. Specials nennen wir solche Leute. Finden Sie die hier mal", sagt Bonnekoh. Denn für Produktionen in MV vermittelt er grundsätzlich nur Menschen aus MV. In seiner mehr als 3000 Komparsen und Darsteller umfassenden Kartei wurde Bonnekoh auch diesmal fündig. Einfach sei die Abstimmung mit dem "Männer der Emden"-Produktionsteam nicht gewesen, erinnert der Rostocker sich: "Berengar Pfahl drehte nämlich gerade in Tunesien, da konnten wir immer nur nachts per Internet kommunizieren."

Insgesamt eine Woche arbeitete das Team schließlich im Seebad Sellin, im Fischersdorf Vitt und in Binz auf Rügen. Daraus wurden die Szenen vor dem Auslaufen der Emden aus Tsingtao.

"Unsere Emden" und "Kreuzer Emden", so hießen die ziemlich hurrapatriotischen Verfilmungen 1926 und 1932. Berengar Pfahl will den Blick mehr auf "Die Männer der Emden" lenken. Aber es tauchen auch Frauen auf - die Autoren haben eine Liebesgeschichte ins Drehbuch geschrieben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen