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Rechtsextremismus : Gemeinsame Feindbilder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Männlichkeit, Kampf, Gewalt und Inszenierungen: Rechtsextremisten sind über die Grenzen der Nationalstaaten hinweg ideologisch verbunden

von
erstellt am 29.Apr.2014 | 21:22 Uhr

Rechtsextremisten sehen sich selbst meist als Nationalisten. Allerdings sind sie durch gemeinsame Feindbilder über die Grenzen der Nationalstaaten hinweg miteinander ideologisch verbunden, so der Antisemitismusforscher Klaus Holz. Das könnte im Europa-Parlament nach der Wahl am 25. Mai verschiedene rechtsextreme Gruppierungen zusammenführen.

Die verbindenden Feindbilder seien der Antikommunismus, der Antisemitismus und aktuell die Feindschaft gegenüber Sinti und Roma. Gegenüber dem NDR-Reporter Felix Pankok nannte Holz, der zugleich Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland ist, den Rassismus als weitere gemeinsame ideologische Idee vieler Rechtsextremer in Europa. Der Rassismus sei letztlich gerichtet auf die „Weltdominanz“ der „weißen Rasse“, und nicht an Nationalstaaten gebunden, so Holz.

Neben den ideologischen Gemeinsamkeiten gibt es laut Holz auf einer anderen Ebene eine weitere „fundamentale Gemeinsamkeit“ unter den Rechtsextremisten in Europa. Die habe zu tun mit Männlichkeit, Kampf, Gewalt und Inszenierungen. Holz: „Das spielen die untereinander und bedienen die auch untereinander. Von daher ist es kein Zufall, wenn die pommerschen Neonazis einen Teil ihres Prestiges darauf gründen, dass sie in Ungarn gefeiert werden.“

Wenn es nur um eine „enge Neonazi-Szene“ ginge, so Holz, „dann wäre das Problem geringer“. Die Rechtsextremen besetzten jedoch bestimmte Themen, die in der breiten Bevölkerung Anklang finden, „radikal und extremistisch“. Das aktuelle Beispiel sei die Verleumdung aus Rumänien zugewanderter Sinti und Roma als „Sozialschmarotzer“. Die „eigentliche gesellschaftliche Brisanz“ liege darin, dass solche Angriffe von Kreisen außerhalb der rechtsextremen Szene unterstützt werden.

Die ungarische Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky wies auf die Bedeutung der rechtsextremen Szene in Ungarn für die deutschen Rechtsextremisten hin. „Ich lese immer wieder in verschiedenen Internet-Foren, wie euphorisch sich deutsche Rechtsextremisten äußern, dass sie ihre völkische Ideologie in Ungarn ausleben können.“ Marsovszky bedauerte, dass sich in Ungarn „die großen christlichen Kirchen“ nicht von den völkischen Ideen der Rechtsextremisten distanzierten. Zum Teil würde sogar dieses Gedankengut in Predigten unterstützt. Auch segneten manche Pfarrer Versammlungen von Rechtsextremisten.

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