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Meisterin aus Bad Doberan findet Lösung für Klangproblem : Geigen made in Mecklenburg

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Der Idealform einer Viola, der größeren Schwester der Violine, ist Geigenbaumeisterin Christine Steidler näher gekommen. Die asymmetrische Bratsche ist das Ergebnis ihrer Diplomarbeit und ihr Meisterwerk zugleich.

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erstellt am 30.Jun.2011 | 06:55 Uhr

Bad Doberan | Der Idealform einer Viola, der größeren Schwester der Violine, ist Geigenbaumeisterin Christine Steidler aus Bad Doberan mit ihrem Meisterstück näher gekommen. "Bratschen werden tiefer als Geigen gespielt, sind aber zu klein für ihren Tonumfang", erklärt die Handwerkerin das ureigene Problem des Streichinstruments.

"Der Viola fehlt einfach die Länge für die perfekte Schallausbreitung." Wäre sie aber größer, ließe sie sich kaum mehr auf der Schulter aufliegend spielen. Steidler fand einen baulichen Kompromiss, die asymmetrische Bratsche. Noch immer feilt sie an ihrer Neuentwicklung von 2005 herum. "Das Instrument ist noch nicht serienreif", erklärt die 31-Jährige.

"Nach der Goldenen-Schnitt-Konstruktion und akustischen Gesetzmäßigkeiten habe ich eine asymmetrische Viola entworfen, die gut zu spielen und angenehm fürs Auge ist und dennoch die nötige Länge für einen vollen Klang besitzt", beschreibt die junge Handwerkerin ihre Innovation. Geschickt schneidet sie derweil einen hölzernen Steg auf und passt diesen einer gebrauchten Geige an, die sie gerade restauriert. Mit Neubauten und Reparaturen hat sich die Geigenbauerin im Norden bereits einen Namen gemacht. Ihre Kunden sind Musiker jeden Alters, Profis und Laien aus Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus.

Selbst spielt sie seit dem siebten Lebensjahr Geige, später kam die größere Bratsche hinzu. Die Ausbildung zur Geigenbauerin in Klingenthal (Vogtland) beendete Steidler 2001 mit der Gesellenprüfung in Markneukirchen. Im selben Jahr kam sie im praktischen Leistungswettbewerb der deutschen Handwerksjugend auf den ersten Platz. Bis 2005 studierte Steidler an der Westsächsischen Hochschule Musikinstrumentenbau und absolvierte parallel dazu die Meisterschule.

Die asymmetrische Bratsche ist das Ergebnis ihrer Diplomarbeit und ihr Meisterwerk zugleich. "Keine Erfindung, nur eine neue Konstruktion nach der Auswertung vieler Versuche europäischer Instrumentenbauer vergangener Jahrhunderte", sagt sie bescheiden. Auch beim Material setze sie auf Altbewährtes, betont sie. Jahrzehntelang abgelagerter Bergahorn, Fichte aus dem Hochgebirge, hartes Ebenholz für Griffbretter und Wirbel, mitunter auch edler Palisander oder gar Buchsbaum - wegen der schöneren Optik und dem exklusiven Klang verschiedener Hölzer.

2006 eröffnete Christine Steidler ihre Werkstatt zunächst in Klingenthal. Persönliche Gründe führten die junge Frau ein Jahr darauf aus dem Vogtland an die Ostsee. "Hier gibt es erst wenige Instrumentenbauer", beschreibt sie ihre Marktchancen. Laut den Handwerkskammern arbeiten in MV 28 Werkstätten, davon sieben Geigenbauer. Im Juli 2010 schließlich startete sie im historischen Alexandrinenhof von Doberan. Gut 20 neue Instrumente stammen neben ungezählten Reparaturen aus Steidlers Händen.

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