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34-Jähriger steht wegen brutaler Überfälle in Rostock vor Gericht : Gehstock um die Ohren gehauen

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Der Mann läuft vor dem Warnowpark - einer belebten Einkaufspassage in Rostock Lütten Klein - auf und ab. Als eine alte Dame mit Stock langsam an ihm vorbei Richtung Haltestelle geht, folgt er ihr bis in die Straßenbahn.

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erstellt am 13.Jul.2011 | 07:55 Uhr

Rostock | Der Mann läuft vor dem Warnowpark - einer belebten Einkaufspassage in Rostock Lütten Klein - auf und ab. Als eine alte Dame mit Stock langsam an ihm vorbei Richtung Haltestelle geht, folgt er ihr bis in die Straßenbahn.Und ahnt nicht, dass er selbst beobachtet wird. Im Rostocker Nordwesten hatten sich seit Dezember 2010 die Raubüberfälle auf ältere Frauen gehäuft. Zwischen 64 und 81 Jahre waren die Opfer alt. Der Täter entriss ihnen so brutal ihre Taschen, dass die Rentnerinnen Platzwunden und Prellungen davontrugen. Die Polizei, die der Sache ein Ende setzen wollte, schickte mehrere Beamte in Zivil auf die Straße.

An diesem Januartag haben ein junger Polizist und seine Kollegin den Mann vor der Passage im Visier. Sie folgen der Straßenbahn zu Fuß. Die alte Dame steigt aus, der Mann ebenfalls. Vor ihrer Haustür greift er sie von hinten an, sie stürzt, er entreißt ihr die Tasche und flieht, wird aber etwa 100 Meter weiter von den Zivilbeamten überwältigt und festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Mit diesem Tag hörte laut Staatsanwalt die Überfall-Serie auf. Gestern sah die 80-jährige Zeugin dem 34-jährigen Mann das erste Mal ins Gesicht. Der türkische Staatsbürger Nurretin L. muss sich im Landgericht Rostock wegen fünffachen Raubes und Körperverletzung verantworten. Den Überfall auf Lydia S. gibt er zu,die anderen Vorwürfe bestreitet er. Geld soll er erbeutet haben, Handys, ein Messer, Ausweise, Monatsfahr karten. Einige der Gegenstände habe er einem"Araber" abgekauft, lässt er seinen Anwalt erklären. Nurretin L. schaut auf den Boden, als Lydia S. in den Zeugenstand tritt. Die 80-Jährige stützt sich auf ihren Stock und lässt sich vorsichtig auf dem Stuhl nieder. Mit fester Stimme schildert sie den Überfall. Wie der Täter von hinten an ihrer Tasche zerrt, die sie mit aller Kraft festhält. Wie sie ihm mit dem Gehstock "zwei um die Ohren"haut, dann aber zu Boden stürzt und er ihr ins Gesicht tritt. Bevor er mit der Tasche davonrennt - der Polizei in die Arme.

"1000-mal Entschuldigung", sagt er gestern zu ihr. Sie unterbricht ihn. Sie habe es auch nicht leicht gehabt, als alleinerziehende Mutter mit einem Sohn, der zu früh verstarb. Aber auf die Idee, anderen etwas zu stehlen, sei sie nie gekommen. "Das kann man nicht verzeihen", sagt sie. Da ist es ganz still im Saal.

Vier der Rentnerinnen werden am 1. Prozesstag gehört. Kluge Frauen, couragiert - aber doch noch immer beeindruckt von den brutalen Überfällen. Keine hatte das Gesicht des Täters gesehen. Jetzt will das Gericht den "Araber" finden und vorladen. Das Urteil ist bislang für nächste Woche geplant.

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