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Gastwirt als Brandstifter

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erstellt am 27.Jan.2010 | 06:31 Uhr

Wismar | Zuerst galt er als Opfer der rechten Szene. Doch gestern wurde der aus Pakistan stammende Gastwirt als Täter verurteilt - wegen Brandstiftung und versuchten Betruges zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Er hat nach Überzeugung des Gerichts sein Lokal in Karow bei Wismar im Herbst 2008 in Brand gesteckt, um Geld von der Versicherung zu kassieren. Mit Hakenkreuzschmierereien habe er versucht, den Verdacht auf Rechtsextremisten zu lenken.

Was prompt gelang, äußerte sich doch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) umgehend bestürzt über den vermeintlichen ausländerfeindlichen Anschlag. Ein Grund für das Gericht, mit der Strafe sieben Monate über die Forderung des Staatsanwaltes hinaus zu gehen. "Richtig perfide" sei das gewesen, befand Kai Jacobsen, Vorsitzender des Schöffengerichts in Wismar. "Sie sind nie Opfer von Neonazis geworden." Mit "gesellschaftsfeindlicher krimineller Energie" habe der 42-Jährige "dem Ansehen Deutschlands" geschadet. Wegen Fluchtgefahr lässt er den Mann noch im Saal festnehmen.

Das Lokal habe sich einfach nicht rentiert, schätzt das Gericht ein. Der Gastwirt, inzwischen deutscher Staatsbürger, sei auf zusätzliche staatliche Unterstützung angewiesen gewesen. Dem Hauseigentümer zufolge war er mit der Miete im Rückstand. Laut Gericht wurden bei einer Hausdurchsuchung 12 000 Euro in bar gefunden. Woher das Geld kommt, ist unklar. Laut Gericht wollte der Angeklagte für das verkohlte Inventar 40 000 Euro von der Versicherung kassieren. Doch als die Ermittler feststellten, dass der Einbruch nur vorgetäuscht war, geriet der Familienvater selbst in Verdacht. Das Geld wurde nicht gezahlt. "Sie dachten, die doofen Deutschen würden gleich die Nazis jagen und gar nicht so genau ermitteln", sagte ein offensichtlich erboster Richter, der mehrfach rechtsextreme Straftäter verurteilt hat. Aus Sicht des Staatsanwaltes sprechen alle Indizien gegen den Angeklagten.

Der Verteidiger hält seinen Mandanten, der die Vorwürfe bestreitet, keineswegs für überführt. Er will das Urteil anfechten.

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