Gastronomen buhlen um Lehrlinge

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27. August 2009, 11:00 Uhr

 Schwerin | Thomas Schmid gibt nicht auf. "Wir wollen doch unsere Karte nicht reduzieren oder Leistungen runterschrauben", sagt der Chef vom "Forsthaus Damerow" auf der Insel Usedom. Obwohl das neue Ausbildungsjahr in der Branche bereits am 1. August begann, sind in dem Vier-Sterne-Komplex noch 13 Lehrstellen unbesetzt. "Die schaffen wir wohl kaum mehr zu vergeben", befürchtet Schmid.

Der Geburtenknick nach der Wende hat den Ausbildungsmarkt erfasst und trifft vor allem das strukturbestimmende Hotel- und Gastgewerbe, einen Wachstumskern im Tourismusland.    Allein die Bundesagentur für Arbeit, die längst nicht den gesamten Lehrstellenmarkt abbildet, registrierte Ende Juli noch 3175 nicht besetzte Stellen im Land, wie Horst Schmitt, Sprecher der Regionaldirektion Nord in Kiel, sagte. Nachwuchs gesucht werde vor allem bei Köchen (403 offene Stellen), Restaurant- und Hotelfachleuten (316 und 236 offene Stellen).

Die Probleme sind vielfältig, sagt Schmitt. Zum einen wählen viele junge Leute nur unter zehn klassischen von über 380 Ausbildungsberufen. Zum anderen sinken die Leistungen der ohnehin wenigen Schulabgänger. Etwa jeder Zehnte verlässt die Schule ganz ohne Abschluss. Die 63-jährige Hannelore Dolinga vom Rostocker Restaurant "Stilbruch" versucht es trotzdem. Selbst "Vierer" hätte sie schon zu einem guten Lehrabschluss gebracht, sagt sie. Ihr Rezept? "Sich kümmern". "Familienersatz" sei der Ausbildungsbetrieb für etliche Jungen und Mädchen. "Ich gehe mit ihnen mitunter recht hart ins Geschäft und gucke mir sogar ihre Schulsachen an.

"Wir stellen uns auf die Bewerber ein", sagt Stephan Giersberg, Direktor des "Aquamarin" in Kühlungsborn. Leistungsschwächere bilde er jetzt erst zwei Jahre lang zur "Fachkraft im Gastgewerbe" aus - ein mögliches Sprungbrett zum späteren Facharbeiter. Elfrun Scheller vom "Hotel Am Ring" in Neubrandenburg beschäftigt im Schnitt 25 Azubis und sucht noch fünf für dieses Lehrjahr. "Unbestritten ist, dass der Job hart ist", räumt sie ein.    

"Die Berufe der Branche haben ein Imageproblem", erklärt Schmitt von der Arbeitsagentur. Vorhandene Karrierechancen im Hotel- und Gastgewerbe seien den meisten unbekannt. Der Usedomer Thomas Schmid hält dagegen: Die Löhne würden steigen, weil keine Arbeitskräfte mehr zu finden seien.    Viele Arbeitgeber unterstützen ihre Lehrlinge auch finanziell, da Eltern dies oft nicht mehr leisten könnten. Hotelchef Schmid bietet sogar gratis Unterkunft am Arbeitsort. Er schwört auf eigene Lehrlinge: "Ausbildung bringt viel mehr als sie kostet, nämlich den perfekten Nachwuchs."

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