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Zusammenlegung von Landesmarketing und Tourismusverband? : Fusionspläne in der Staatskanzlei?

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Wird die Projektgruppe Landesmarketing und der Tourismusverband des Landes fusioniert? Mit der Vertragsverlängerung von Peter Kranz wird diese Entwicklung immer wahrscheinlicher.

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2011 | 08:22 Uhr

Schwerin | Wird die in der Staatskanzlei ansässige Projektgruppe Landesmarketing und der Tourismusverband des Landes fusioniert? Mit der Vertragsverlängerung von Landesmarketingchef Peter Kranz um weitere zwei Jahre wird diese Entwicklung immer wahrscheinlicher, berichten Insider. Ohnehin wird schon lange kolportiert, dass der doppelte Konstrukt von Landesmarketing-Gruppe und Tourismusverband künstlich vom einstigen Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD) geschaffen wurde. Der habe den Tourismusverband, dessen Chef Bernd Fischer einst eine CDU-Nähe nachgesagt wurde, platzieren und die Erfolgsbranche Tourismus näher an das damals SPD-geführte Wirtschaftsministerium binden wollen.

Inzwischen ist das Landesmarketing in der Staatskanzlei von SPD-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Erwin Sellering angesiedelt. Staatskanzlei-Chef Reinhard Meyer (SPD), einst Wirtschaftsstaatssekretär unter Ebnet, schweigt zu den Plänen. Meyer wolle sich dazu nicht äußern, so ein Sprecher. Aber im Landtag werden Stimmen laut, die die Fusion fordern. "Außendarstellung und Werbung für Mecklenburg-Vorpommern müssen aus einem Guss sein. Die Strategien in den unterschiedlichen Bereichen sollten konsequent unter dem Dach des Landesmarketings angesiedelt werden", fordert Helmut Holter, Fraktionschef der Links-Partei. Holter weiß, wovon er spricht, schließlich war er selbst acht Jahre lang Minister und für die Landesplanung verantwortlich. Weiter sagte er: "Verschiedene Konzepte müssen ineinander greifen, so etwa die Vorhaben des Landestourismusverbandes und der Masterplan Gesundheitswirtschaft. Neben einem einheitlichen Erscheinungsbild ist es wichtig, dass die Marke MV parteiunabhängig gefördert und gestärkt werden muss. Verschiedene Zuständigkeiten sind nicht förderlich."

Das Land könnte mit einer Bündelung der Marketingaktivitäten seinen Werbeetat im Tourismus quasi verdoppeln. Bislang hat die Projektgruppe in der Staatskanzlei einen Jahresetat von zwei Millionen Euro für die Kampagne "MV tut gut" und für ein Projekt "Studieren mit Meerwert". Der Tourismusverband hat für Messeauftritte und seine Kampagne "Sanft, aufregend, schön" knapp drei Millionen Euro plus Projektgelder. Aber Tourismus-Präsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) wehrt sich - noch: "Eine Vereinigung der Strukturen des Tourismusverbandes und des Landesmarketings steht nicht zur Debatte. Die Zuständigkeiten sind geklärt, wobei der Tourismusverband das touristische Marketing und Image verantwortet. Einsparpotenzial sehe ich nicht, da es keine Überschneidungen gibt. Warum sollte man ein Erfolgsmodell ändern?"

Landesmarketing-Chef Peter Kranz findet den Gedanken hingegen gar nicht so abwegig: "Es macht immer Sinn, die Aktivitäten im Marketing im Land zu bündeln. Das machen wir übrigens schon mit Kooperationen wie bei der Werbeoffensive in Österreich in diesem Frühjahr." Eine institutionelle Zusammenführung, wie sie Helmut Holter fordert, ist aber für Kranz "kein Thema".

Der Tourismusverband, dessen Geschäftsführer Bernd Fischer zu Fusionsplänen nichts sagen will, hat hingegen gerade bei der Präsentation des Mecklenburg-Vorpommern-Gartens auf Österreichs Ausstellung "Garten Tulln" bei Wien weniger gute Erfahrung mit Kooperationen gemacht. Die Touristiker organisierten den Auftritt und zahlten die Zeche - Kranz und sein siebenköpfiges Team präsentierten sich an der Seite von Präsidentin Bretschneider werbeträchtig. Ein grandioser Auftritt - für die Staatskanzlei.

Jetzt will der Tourismusverband eine neue Marken- und Kommunikations strategie entwickeln. Kranz und seine Projektgruppe sind mit von der Partie. "Da wird messerscharf darauf geachtet, dass keine Konkurrenz zum Slogan ,MV tut gut`entsteht. Alles muss abgenickt werden", so ein Insider. Das klingt nach Krach hinter den Kulissen. Dass die Touristiker keine Freunde von "MV tut gut" sind, ist ein offenes Geheimnis. Gestern tagte der Beirat für das neue Konzept ein weiteres Mal.

Politisch will sich an dem Fusions thema vor der Wahl niemand die Finger verbrennen. CDU-Fraktionssprecher Wolfram Axthelm sagt: "Es gibt immer mal wieder Ideen, etwas zu bündeln. In unserem Wahlprogramm steht davon nichts." Die FDP lehnt das Vorhaben ab: "Wettbewerb um eine Sache ist immer gut. Am Ende müssen sich Landestourismusverband und Landesmarketin-Gruppe aber einig sein, dass sie mit einer Stimme für Mecklenburg-Vorpommern sprechen", so Gino Leonard. Ist das Nein der FDP das beste Indiz?

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