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Geldgeber für das Grand Hotel Heiligendamm fordern Schadensersatz : Fundus-Anleger ziehen vor Gericht

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Ärger um das Grand Hotel Heiligendamm: Auf Banken und Sparkassen, die bis 2001 den zur Finanzierung der Nobelherberge aufgelegten Fundus-Fonds 34 vertrieben haben, kommen eventuell Millionen-Forderungen zu.

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erstellt am 19.Jul.2011 | 07:56 Uhr

Schwerin | Neuer Ärger um das Grand Hotel Heiligendamm: Auf Banken und Sparkassen, die bis 2001 den zur Finanzierung der Nobelherberge aufgelegten Fundus-Fonds 34 vertrieben haben, kommen möglicherweise Millionen-Forderungen zu. Enttäuschte Anleger wollen gegen Kreditinstitute auf Schadensersatz klagen. Mehr als zehn Geldgeber gingen inzwischen gegen die Institute vor, teilte der renommierte Anlegeranwalt Jens Graf aus Düsseldorf gestern mit, der die Investoren vertritt. "Etliche weitere" bereiteten entsprechende Klagen vor. Erst Ende Juni seien im Auftrag eines Anlegers Schadensersatzforderungen gegenüber der Sparkasse Westmünsterland in Ahaus auf den Weg gebracht worden, teilte die Graf-Kanzlei mit. Der Geldgeber sehe sich angesichts der unbefriedigenden Fondsentwicklung geschädigt. Insgesamt vertrete die Kanzlei mittlerweile mehrere hundert Anleger, die in verschiedene Fundus-Fonds investiert hatten, sagte Graf. Ein Sparkassensprecher sagte gestern, entsprechende Forderungen lägen der Sparkasse noch nicht vor.

Die Fundus-Gruppe des Immobilienentwicklers Anno August Jagdfelds hatte für die Sanierung des Grand Hotels von rund 2000 Anlegern 127 Millionen Euro eingesammelt. Zugesagte Ausschüttungen blieben aber aus, nachdem das Hotel Millionen-Verluste einfuhr und erst 2010 etwa 400 000 Euro Gewinn machte. Die Anleger fühlen sich verladen. Erst im Frühjahr war ein Kapitalschnitt erfolgt und die eingezahlten 127 Millionen Euro auf 12,7 Millionen Euro herabgesetzt worden - 90 Prozent Verlust.

Jetzt fordern sie von den Fondsverkäufern Schadensersatz. Dabei war der Vertrieb offenbar immer wieder nach der gleichen Masche erfolgt. Anleger seien nicht auf die Risiken hingewiesen worden, sagte Graf. Statt ihren Kunden unvoreingenommen die Fundus-Fonds vorzustellen, hätten die Institute fragwürdige umsatzabhängige Provisionen kassiert und seien dadurch in einen Interessenkonflikt geraten, so Graf: "Die haben Schmiergeld kassiert." Zudem seien die Fonds-Produkte nur unzureichend überprüft worden. Beispielsweise habe man einem über 70-jährigen Anleger die Fonds als Steuersparmodell verkauft, kritisierte Graf die Verkaufspraxis. Statt Beratung hätten Vertriebsziele im Vordergrund gestanden - zu Lasten der Anleger. Graf: "Die Kreditinstitute nutzten das Vertrauen der Kunden aus, um sie nach allen Regeln der Kunst über den Leisten zu ziehen." Den Investoren habe man manchen Fundus-Fonds als "Zubrot für die Altersversorgung verkauft" und eine hohe Rendite prognostiziert - versprochene Ausschüttungen blieben oft aus.

Die Zeit drängt: Nach einer Gesetzesänderung verlieren Anleger für Investments bis 2001 oder früher Ende 2011 die Schadensersatzansprüche, sagte Graf. "Danach ist das Geld futsch."


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