Forschung in MV : Förderung nur für „Flaggschiffe“

Unter Leitung von Prof. Gustav Steinhoff wird am Rostocker Referenz - und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie an neuen Behandlungsmöglichkeiten für Herzinfarktpatienten geforscht.
Unter Leitung von Prof. Gustav Steinhoff wird am Rostocker Referenz - und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie an neuen Behandlungsmöglichkeiten für Herzinfarktpatienten geforscht.

MV setzt bei der Unterstützung von Forschungseinrichtungen neue Schwerpunkte: Bis 2020 fließen 33,5 Millionen Euro

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29. April 2015, 07:45 Uhr

Die Optimierung von Stammzellen für den therapeutischen Einsatz, Managementstrategien für Großdieselmotoren, die Anpassung von Nutzfischen an regionale Aquakulturbedingungen oder die Entwicklung reibungsmindernder Hybridbeschichtungen – das alles sind Forschungsprojekte aus Mecklenburg-Vorpommern, die im Zeitraum 2007 bis 2013 vom Land mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert worden sind. Insgesamt standen in der letzten Förderperiode 28 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Geld sei gut angelegt, betonte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) gestern in Schwerin. Trotzdem will er künftig den Schwerpunkt der Forschungsförderung verändern. Statt bisher „100 verschiedener, durchaus auch kleinerer Projekte“ an Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen sollen in Zukunft nur noch „fünf plus minus x“ Flaggschiffe im Land mit ESF-Mitteln gefördert werden, so Brodkorb. Bis 2020 stünden dafür 28,5 Millionen Euro sowie für Großgeräte weitere fünf Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung.

Die Auswahl der geförderten Projekte soll streng wissenschaftsbasiert erfolgen, betont der Minister. Denn langfristiges Ziel sei es, mit der Forschung im Land zu fast allen anderen Bundesländern aufzuschließen, die für ihre Spitzenforschung an „Elite-Universitäten“ bereits im Rahmen der Exzellenzinitiative der Bundesregierung gefördert werden. Das wiederum erfordere schon jetzt, die Förderkriterien im Land denen des Bundesprogramms anzugleichen, so Brodkorb: „Bislang lag der Fokus auf anwendungsorientierter Forschung. Das heißt, Forschungsvorhaben kamen zum Zug, deren Ergebnisse in der Medizin oder Wirtschaft verwendbar waren. Künftig steht jedoch die Qualifikation der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Vordergrund.“ Für kleinere Forschungsvorhaben gebe es unverändert eine Reihe weiterer Fördertöpfe, so Brodkorb. Zudem würde den Hochschulen aus den Bafög-Millionen zusätzliches Geld zur Verfügung stehen, dass sie selbstverständlich auch in die Forschung investieren könnten.

Das neue Landesprogramm soll „mutmaßlich noch in diesem Jahr“ auf den Weg gebracht werden, erklärte der Minister. Dann sei zwar schon ein Teil der neuen EU-Förderperiode vorbei, Forschern hier im Land ginge dennoch kein Geld verloren, weil die Mittel auch noch zwei Jahre über den Förderzeitraum hinaus verwendet werden dürften.

Bei Praktikern stoßen Brodkorbs Pläne offenbar auf Zustimmung. „Forschungsförderung ist sehr schwierig in einem Land, das auch wissenschaftlich sehr dünn besiedelt ist“, erklärt der international anerkannte Stammzellforscher Prof. Dr. Gustav Steinhoff aus Rostock. Die Bildung von „Know-How-Clustern“ – also Netzwerken für Innovationen – sei deshalb hierzulande besonders wichtig.

Ein Team unter Steinhoffs Leitung, das erforschte, wie Herzinfarktpatienten mit körpereigenen Stammzellen geholfen werden kann, war im letzten Förderzeitraum mit 680 000 Euro unterstützt worden. „Das Projekt wurde insbesondere durch junge Nachwuchswissenschaftler durchgeführt“, betont der Herzchirurg, der sich insofern auch nach den neuen Kriterien Chancen auf eine Förderung ausrechnen dürfte. Schließlich sei regenerative Medizin „das Forschungsgebiet des 21. Jahrhunderts“, so der Mediziner.

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