Retzow : Flippiges aus Filz ist wieder angesagt

Marion Lala aus der Drei-Frauen-Werkstatt liebt die Farbenflut moderner Kreationen. Foto: Jens Büttner
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Marion Lala aus der Drei-Frauen-Werkstatt liebt die Farbenflut moderner Kreationen. Foto: Jens Büttner

In der Filzmanufaktur Retzow südlich von Plau am See entstehen Schals und Hüte, Schmuck und Stulpen, Taschen und vieles mehr. Chefin Claudia Stark beliefert mit den kunstvollen Unikaten ganz Norddeutschland.

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04. Mai 2013, 12:44 Uhr

Pure Maulbeerseide voller Farbe und Glanz packt Marion Lala auf eine Schicht bunter Merinowolle-Fasern. Ein wirrer Mix, den sie nun mit fliegenden Händen im seifigen Schaumbad knetet.

Weiche Schals und Hüte, Schmuck und Stulpen, flippige Taschen oder fröhliche Frühlingsblumen entstehen in der Filzmanufaktur Retzow südlich von Plau am See. Atelierchefin Claudia Stark beliefert mit den kunstvollen Unikaten Boutiquen und Galerien in ganz Norddeutschland, wie sie erzählt.

"Filz ist wieder hip", betont die gelernte Sozialarbeiterin. Seit ein paar Jahren macht sie ihre Drei-Frauen-Werkstatt in der Seenplatte auch für Touristen zugänglich. Urlauber, darunter viele Familien, erlernten in Kursen das älteste textile Handwerk der Welt und könnten sich ihr Souvenir selbst zusammenfilzen, erklärt sie.

Mitarbeiterin Marion Lala, die in ihrem ersten Beruf als Agrotechnikerin keinen Job mehr fand und über eine Beschäftigungsgesellschaft zum Kunsthandwerk kam, liebt vor allem die Farbenflut moderner Filzkreationen, wie sie sagt.

In Mecklenburg-Vorpommern haben etliche freischaffende Künstler in den vergangenen Jahren das "Filzen" entdeckt, wie eine Sprecherin der Handwerkskammer Schwerin sagt. Eine kleine, aber feine Szene habe sich auf den Dörfern gebildet. Viele der rund ein Dutzend Filzwerkstätten seien für Besucher geöffnet, kunsthandwerkliche Seminare lockten vor allem bei trübem Wetter immer mehr Gäste an, schätzt die Sprecherin ein.

Die Kreativität von Laien, vor allem von Kindern und Jugendlichen, will Handwerkerin Amalie Schick in ihren zwei Ateliers in der mecklenburgischen Einöde herauslocken, wie die Autodidaktin aus Neu Wendorf bei Sanitz (Landkreis Rostock) erzählt. Kurse gebe sie im Dorfhaus Lüchow bei Altkalen sowie in Schulen und Kindergärten der Region. "Für Textilkünstler gibt es noch viel Platz im Norden."

Amalie Schick versucht, mit ihren Naturprodukten ihrem Namen Ehre zu machen. Filz müsse weg vom Großmutter-Image und solle schon gar nicht "öko" aussehen, sagt sie. Gefragt seien Vielfalt und Farbe, out seien braune, beige oder weiß-wollene Gewänder. Vor allem alltagstauglich müsse moderne Filz-Kleidung sein. Insofern entdeckten immer mehr junge Leute das uralte Textil für sich, meint Schick.

Filz kommt heute vielseitiger denn je daher. "Tierisches" produziert Susanne Wetzel in ihrer Filzwerkstatt "Viecheria" in Qualitz bei Bützow (Landkreis Rostock). Blaue Elefanten, Löwen mit roten Zottelmähnen oder lustige Puppen werden in einem Stück gefilzt - die schnellste Art der Kuscheltier-Produktion, wie die Handwerkerin meint.

Farbenfrohe, unkonventionelle Festtagsgarderobe fertigt Martina Weiß in Heidekaten bei Wismar. Weil sie nicht nähen könne, filze sie Kleidung nahtlos aus feiner Wolle, Seide und Spitzen zusammen, teilt die studierte Maschinenbau-Ingenieurin mit. Sogar edle Hochzeitskleider in kräftigen Rottönen seien so schon entstanden.

Katharina Garlipp aus Karow findet Filz auch für Wohnräume schick. Sie modelliert abstrakte Gemälde aus einheimischer Wolle von Schwarzkopf- und anderen Schafen. Auf den zweiten Blick offenbaren ihre plastischen Filzbilder sogar Höhen und Tiefen einer norddeutschen Landschaft.

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