Verpflichtung ignoriert : Firmen mauern bei Jobs für Behinderte

85 Prozent der Unternehmen im Land erfüllen ihre Pflichtquote nicht und zahlen lieber

Karin.jpg von
30. März 2015, 21:08 Uhr

Das Gros der Unternehmen im Land kommt seiner gesetzlichen Verpflichtung zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen nicht nach: Von 3000 Betrieben im Land, die Schwerbehinderte beschäftigen müssen, erreichten im vergangenen Jahr 2532 die vorgeschriebene Quote nicht. Das sind nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock 84,4 Prozent. Lediglich 15,6 Prozent der öffentlichen und privaten Arbeitgeber erfüllten die Pflichtquote von fünf Prozent.

Eine Folge: Ende Februar waren in MV 5313 Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet, das waren 5,2 Prozent aller Arbeitslosen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ging die Zahl zwar um total 99 bzw. 1,8 Prozent zurück. Vor dem Hintergrund, dass die Arbeitslosigkeit insgesamt innerhalb dieses einen Jahres um neun Prozent zurückgegangen ist, sei dies aber „ein enttäuschender Wert“, so die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann.

„Es sollte selbstverständlich sein, Schwerbehinderte einzustellen“, appelliert sie. Sie müssten eine Chance bekommen, um zu zeigen, dass sie wertvolle Arbeitskräfte sind. Eine Probebeschäftigung biete die Möglichkeit zu sehen, ob der Mitarbeiter ins Unternehmen passe, so die Agenturchefin. „Schwerbehinderung darf kein grundsätzliches Einstellungshemmnis sein.“ In Mecklenburg-Vorpommern hätten 80 Prozent der Arbeitslosen mit Behinderung eine Berufsausbildung, so Haupt-Koopmann. Arbeitgeber würden dieses Potenzial vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels noch viel zu wenig berücksichtigen.

Bis zum heutigen 31. März müssen Arbeitgeber der Arbeitsagentur für 2015 melden, ob und wie viele schwerbehinderte Menschen sie beschäftigen. Gesetzlich gefordert ist, dass in Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen mindestens fünf Prozent mit Schwerbehinderten zu besetzen sind. Wer diese Quote nicht erfüllt, muss eine Ausgleichsabgabe zahlen. Viele Firmen kaufen sich offenbar von vornherein dadurch frei.

2014 sind nach Angaben des Lagus von Unternehmen im Land 6,1 Millionen Euro Ausgleichsabgabe gezahlt worden. Das Geld fließt u. a. in den behindertengerechten Umbau vorhandener bzw. die Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze für Behinderte, in Arbeitsassistenz und Berufsbegleitung. Allein 2014 wurden laut Lagus 1147 Anträge auf solche begleitenden Hilfen gestellt.

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