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Finden Sie das Männergemüse!

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erstellt am 22.Feb.2013 | 09:00 Uhr

Brokkoli, Tomaten und Möhren scheinen viele Männer trotz aller Mahnungen zu gesunder Ernährung lieber zu meiden. Also fragt die Ernährungsmedizinerin Ute Gola: "Was ist Männergemüse?". Es müsste sich doch etwas Gesundes finden lassen, zu dem sich Männer nicht zwingen müssen. "Ich hätte spontan gesagt: Gyros", sagt der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas. Er verweist damit auf eine zentrale Erkenntnis aus einer neuen Studie im Auftrag seiner Kasse: Bei Männern schlagen sich Lust auf Leckeres, fehlende Muße zum Essen und eingefahrene Ernährungsgewohnheiten in weit größerem Maß in ungesunder Ernährung nieder als bei Frauen.

So essen viele Bundesbürger mehr Fleisch und Wurst als empfohlen. Doch während nur vier von zehn Frauen täglich Wurst oder Fleisch zu sich nehmen, sind es sechs von zehn Männern. Mehrmals in der Woche zu Fastfood greifen auch überwiegend Männer. Gar nicht zu gesunder Ernährung im Job kommen laut der Befragung 24 Prozent der Frauen - und 36 Prozent der Männer. Insgesamt sagen drei von vier Frauen, dass sie sich vorwiegend gesund ernähren - aber nur jeder zweite Mann.

Männer beschäftigen sich auch viel weniger damit. 80 Prozent der Frauen kochen zu Hause - bei den Männern sind es gerade 35 Prozent. Zwei von fünf Männern geben zu, gar nicht oder nur ein wenig kochen zu können. Ebenso viele meinen, sie hätten keine Zeit zum Kochen. Damit geht laut Ess-Expertin Gola einher, dass Männer in Beziehungen im Schnitt ausgewogener essen als wenn sie Single sind. "Es kann doch nicht sein, dass Männer immer eine Frau brauchen, um sich gesund zu ernähren", sagt sie.

Die Idee, mit speziellem Männergemüse gegenzusteuern, habe sich in Kursen und Programmen bereits als erfolgreich erwiesen. Gemeint sind etwa Sauerkraut, Rotkohl oder Linsen - also Gemüse, das wegen traditioneller Gerichte an Rippchen oder Würstchen erinnert.

Auch Frauen essen keineswegs durch die Bank gesund - viele geben an, es nicht zu schaffen. So kommt auch jede vierte Arbeitnehmerin bei der Arbeit nicht zu gesunder Ernährung. Insgesamt sagen vier von zehn Befragten: Das Angebot in Kantine oder Umfeld ihres Unternehmens macht gesunde Ernährung schwer.

Essen auf dem Weg, Fertiggerichte zu Hause, Imbisse zum Sattmachen - wie weit haben sich die Bundesbürger von gutem Essen mit ausreichend Zeit entfernt? Wie viele Menschen zu fleischhaltigen Fertiggerichten greifen, zeigt aus Sicht von Befürwortern bewusster Ernährung der Pferdefleisch-Skandal. Gola will Menschen ermuntern, sich neu mit den Nahrungsmitteln zu beschäftigen. "Es ist eine Kompetenz, die wir seit Jahrhunderten haben." Doch gibt es nicht nur fragwürdiges Essverhalten: Viele entdecken auch gute Ernährung als ein Lebensthema, zumindest phasenweise. So sei das bei älteren Besuchern von Fitnessstudios aufgefallen, sagt Gola. Und der Befund der Studie, dass die Mahlzeiten für jeden Zweiten zur Nebensache verkommen sei, bedeutet auch: Die Hälfte achtet darauf. Eine Wissenschaft mit Kalorienzählen und der Vermeidung jeglicher Essenssünden sollte man nicht daraus machen, findet Baas. Der Kassenchef sagt: "Ernähre dich einfach vernünftig."

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