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Patientenberatung : Finanzspritze für die Landeskrebsgesellschaft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

60 000 Euro vom Land sollen Aufbau einer Geschäftsstelle ermöglichen. Beratungsstellen in der Fläche fehlen.

svz.de von
erstellt am 30.Dez.2015 | 08:00 Uhr

Bin ich nach einer Krebserkrankung schwerbehindert, und wenn ja: Wer ist dann mein Ansprechpartner? Welche Hilfsmittel stehen Krebskranken zu? Und gibt es Sozialleistungen, die helfen, die krankheitsbedingten Mehrkosten zu stemmen? Fragen über Fragen, die sich allein 2014 Schätzungen zufolge 11 340 Kinder, Frauen und Männer in Mecklenburg-Vorpommern stellten, bei denen Krebs neu diagnostiziert wurde.

Doch außerhalb der vier an großen Kliniken angesiedelten onkologischen Zentren ist es nicht leicht, gebündelt Antworten auf diese und andere Fragen im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung zu bekommen. „Die Infrastruktur hier im Land ist unzureichend“, weiß auch der Vorsitzende der ehrenamtlich arbeitenden Landeskrebsgesellschaft, der Rostocker Prof. Ernst Klar. In ganz MV gebe es lediglich zwei Beratungsstellen, die sich auf die Betreuung Krebskranker spezialisiert haben. Beide seien, wie das auch zu DDR-Zeiten üblich war, an Gesundheitsämtern angesiedelt – in Pasewalk und in Rostock. Allerdings würden in diesen Beratungsstellen auch andere Hilfebedürftige betreut, so Klar. In Rostock könnten so trotz großen Engagements der beiden Sozialpädagoginnen pro Jahr gerade 40 Krebskranke unterstützt werden.

In allen anderen Bundesländern unterhalten die Landeskrebsgesellschaften Geschäftststellen, die die Beratung und Betreuung Krebskranker koordinieren. Die Kosten für die Grundausstattung sei dort Ländersache, so Klar. Sachsen zum Beispiel hätte – bereits im Jahre 2002 – 400 000 Euro dafür bereitgestellt. „Wir kämen aber auch mit weniger zurecht…“ Mit dem Sozialministerium verhandele er seit Monaten über eine Anschubfinanzierung und sei auf offene Ohren gestoßen. Doch nicht von dort, sondern aus der CDU-Landtagsfraktion kam jetzt das erlösende Signal: Auf ihre Initiative hin seien im Doppelhaushalt für 2016/17 insgesamt 60 000 Euro eingestellt worden, mit denen die Krebsgesellschaft eine Geschäftsstelle errichten könne, erklärte Fraktionsvorsitzender Vincent Kokert.

Klar betont, dass es der Krebsgesellschaft im neuen Jahr darum gehen wird, Strukturen zu schaffen, die eine breite, flächendeckende Versorgung bei Krebserkrankungen garantieren. Für die Beratung würde er sehr gerne wieder alle Gesundheitsämter im Land gewinnen. Er sei aber auch offen für den Vorschlag aus dem Sozialministerium, sich an andere, bereits bestehende Beratungsstellen „anzudocken“. Hier müsste die Geschäftsstelle ebenso aktiv werden wie bei der Gewinnung zusätzlicher Psychoonkologen. Wartezeiten auf einen Termin von mehr als einem halben Jahr seien für Krebspatienten unzumutbar. „Es gibt im Land aber 68 neue Niederlassungsmöglichkeiten für Psychologen“, so der Mediziner. Bewerber darauf sollten motiviert werden, sich für die Betreuung von Krebskranken weiterzubilden.

Vor allem aber müsse die Geschäftsstelle über Projektfinanzierungen weitere Mittel einwerben, so Klar. Denn wenn sie erst einmal aufgebaut werde, müsse auch ihr dauerhafter Betrieb gewährleistet werden.

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