Feuerteufel zündete Speicher an

110 Feuerwehrleute versuchten vergeblich, den Speicher in Grevesmühlen im   November 2007 zu retten. Karl-Ernst Schmidt
110 Feuerwehrleute versuchten vergeblich, den Speicher in Grevesmühlen im November 2007 zu retten. Karl-Ernst Schmidt

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24. Juli 2009, 08:40 Uhr

Grevesmühlen | Der historische Getreidespeicher in Grevesmühlen brannte lichterloh. Die Flammen fraßen sich rasend schnell durch alle fünf Stockwerke. Das denkmalgeschützte, über 100 Jahre alte Gebäude in Bahnhofsnähe war nicht mehr zu retten. Für die Löscharbeiten musste der Bahnverkehr stundenlang lahmgelegt werden.

Bald stand fest: In jener Nacht im November 2007 waren Feuerteufel am Werk. Das als Lager genutzte Haus brannte bis auf die Grundmauern nieder. Den Sachschaden schätzen Experten auf 800 000 Euro. Es dauerte eine Weile, bis die Polizei vier mutmaßliche Täter dingfest machte. Gestern begann vor dem Amtsgericht Wismar der Prozess gegen drei von ihnen - Hannes*, Peter* und Thomas*.

Das Verfahren gegen den vierten, dem noch mehr Straftaten zur Last gelegt werden, wurde abgetrennt. Einer der Jungen hatte einem Kumpel von der Tat erzählt, der wiederum die Ermittler auf die Spur der vier heute 17- bis 20-Jährigen brachte. Was den Beginn des Geschehens angeht, sind sich die drei Angeklagten einig. Sie seien in das Lagerhaus eingebrochen, weil sie dort Werkzeug für Peters kaputtes Fahrrad vermuteten. Stattdessen hätten sie ganz oben ein Stromaggregat gefunden, dass sie - warum auch immer - stehlen wollten. Weil das Gerät zu schwer gewesen sei, hätten sie es durch eine Luke fallen lassen. Als sie ein Feuerzeug entzündeten, weil es stockfinster war, loderte plötzlich eine Stichflamme auf, die aber von allein wieder ausging. Wo raufhin die vier verschwanden. Hannes ging nach Hause. Die anderen drei aber kehrten laut Staatsanwalt zurück.

Sie fanden, so heißt es in der Anklage, im Erdgeschoss einen Riesen-Plüschteddy, zündeten ihn an und warfen ihn auf umher liegende Pappkartons. Dann verschwanden sie. Das Lager ging in Flammen auf. Er habe nur daneben gestanden, versichert Peter. Thomas und der vierte im Bunde hätten den Teddy angezündet. Stimmt nicht, sagt Thomas, er selbst sei beim zweiten Mal gar nicht mehr dabei gewesen.

"Einer lügt", fasst der Vorsitzende Richter Martin Meermann zusammen. Thomas weist auf Peter: "Das ist ein kleiner Giftzwerg", der ihn aus Rachsucht falsch beschuldige. Doch Peter schüttelt energisch den Kopf. Für beide steht eine Menge auf dem Spiel. Peter, der 17-Jährige, sitzt schon wegen einer anderen Sache in Haft. Und Thomas, 18 Jahre, stand zur Tatzeit unter Bewährung. Nur Hannes ist nicht vorbestraft. Sein Verfahren stellte das Gericht gestern ein. Wenn er 400 Euro an einen Jugendklub zahlt, wird seine Akte geschlossen. Die anderen beiden warnt der Richter: "Wer von ihnen lügt, der kriegt die volle Breitseite". Das Gericht will noch Zeugen hören, darunter auch den vierten Angeklagten. Das Urteil wird im August erwartet.

*Name geändert

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