Angriff auf Flüchtlinge? : Feuer in Wohnhaus gelegt

Nach dem Brand in dem Woldegker Mietshaus ermitteln Polizei und Staatsschutz.
Nach dem Brand in dem Woldegker Mietshaus ermitteln Polizei und Staatsschutz.

Brandstiftung in Woldegker Gebäude mit Flüchtlingen. Urheberschaft noch unklar. Motive bislang ein Rätsel

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24. November 2015, 21:00 Uhr

„Zuerst fiel der Fernseher aus, dann blieb der Strom weg, und Licht ging aus“, schildert David Mischok seine Erinnerung an die Brandnacht in einem vierstöckigen Haus in der Kleinstadt Woldegk nahe Brandenburg. In Panik sei er drei Etagen durch den verqualmten Flur nach draußen gelaufen. Die darüber wohnende Familie aus der Ukraine wurde per Drehleiter vom Balkon gerettet. Insgesamt leben in dem Haus 35 Bewohner, darunter zehn Flüchtlinge aus Syrien und der Ukraine.

„Es wird wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung ermittelt“, sagt Polizeisprecherin Carolin Radloff. Das Feuer blieb auf den Keller beschränkt. Wer den Brand gelegt hat, ist noch unklar. Im Keller, der drei Zugänge hat, sind verkohlte Holzlatten eines Türverschlags und zusammengeschmolzene Abwasserleitungen zu sehen.„Da muss einer einen Lappen angezündet haben“, sagt Ordnungsamtsleiter Manfred Balzer.

Wenige Meter weiter wurde ein altes Sofa im Keller angesteckt. „38 Menschen, darunter die 35 Bewohner, mussten aus den zwei Aufgängen flüchten“, sagt Balzer, der am Abend selbst die Rettung miterlebte.

Ein Rentner und eine 14-Jährige aus Woldegk wurden leicht verletzt. Die zehn Flüchtlinge – eine Gruppe syrischer Männer sowie eine Familie aus der Ukraine – blieben unverletzt. Sie hoffen, bald wieder in die Wohnungen zu können.

Woldegks Bürgermeister Ernst-Jürgen Lode ist erschrocken über den Vorfall. In dem 3000-Einwohner-Ort leben 88 Flüchtlinge, die alle dezentral untergebracht sind. Damit reduziert die örtliche Wohnungsgesellschaft ihren Leerstand. Die mit 16 Einwohner pro Quadratkilometer dünn besiedelte Region kämpft seit Jahren mit Einwohnerrückgang.

„Wir sind bisher zufrieden, die Flüchtlinge sind in der Bevölkerung eigentlich akzeptiert“, sagt Lode. Aber „die Bevölkerung“ müsse ja nicht der Verursacher sein. „Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das mit Ausländern zu tun hat“, sagt die 76-jährige Ursula Zschimmel. Sie hatte den Einsatz gesehen und kennt einige Flüchtlinge in der Stadt. Eine Familie aus Ägypten komme auch immer zum Gottesdienst in die Kirche.

Tatsächlich ist Woldegk, das 30 Kilometer östlich von Neubrandenburg liegt, nicht als ausländerfeindlich bekannt. Mehrere Vereine, die Kirche und die Schule kümmern sich um die Flüchtlinge.

Auch Sebastian Schulz, der über den Syrern wohnt, hat keine negativen Erfahrungen. „Ich hab noch bei den Syrern geklopft und dann sind alle schnell aus dem Flur raus“, sagt der junge Mann. Er wohnt jetzt bei seiner Schwester. Das Gros der Betroffenen kam bei Verwandten unter. Zwölf der Bewohner zogen in ein Hotel, wo sie erstmal noch bleiben können.

Den einzigen Zusammenhang könne er mit einem Feuer vor etwa zehn Tagen sehen, als zwei Autos in der Nähe in Brand gesetzt wurden, sagt Balzer. Der Fall wurde bisher noch nicht aufgeklärt. Die achtköpfige Ermittlergruppe – zu der auch der Staatsschutz gehört – prüft nun aber einen Zusammenhang.


Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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