Festessen im Labortest

Ihr entgeht nichts: Chemielaborantin Heike Thurow bereitet eine Probe von Mandeln für die Untersuchung auf Schimmelpilzgifte vor.ddp
Ihr entgeht nichts: Chemielaborantin Heike Thurow bereitet eine Probe von Mandeln für die Untersuchung auf Schimmelpilzgifte vor.ddp

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07. Dezember 2009, 07:14 Uhr

Rostock | Lebensmittelkontrolleurin Cornelia Trapp hält eine Tüte Mandeln prüfend ins Licht. Eine Frau aus Güstrow habe bei einem Discounter eine solche Packung Mandeln gekauft und zu Hause festgestellt, dass sie ranzig schmeckten, sagt Trapp. Ob das ein Einzelfall ist oder womöglich die gesamte Charge verdorben, dem will die Abteilungsleiterin im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LaLLF) in Rostock nun auf den Grund gehen.

Für 9000 Lebensmittelproben im Jahr ist Cornelia Trapp zuständig. Die meisten Proben sind geplant, solche hier nach Verbraucherhinweisen sind eher die Ausnahme. In der Vorweihnachtszeit nähmen sie ohnehin verstärkt Backzutaten, wie Nüsse und Zimt unter die Lupe, erklärt Trapp. Kakao, Rosinen, auch Mehl und Zucker würden analysiert.

Die geschroteten Mandeln liegen mittlerweile bei Heike Thurow auf dem Tisch. Sie füllt ein paar Gramm mit einem speziellen Hornlöffel in ein Laborgefäß. "Horn reagiert absolut neutral. So können wir mögliche unerwünschte Reaktionen, die beispielsweise ein Metalllöffel auslösen könnte, ausschließen", erklärt die Laborantin. Anschließend wird der Probe ein Extraktionsmittel zugegeben, danach durchläuft es mehrere Spezialgeräte. Die eingeforderten Angaben über Inhaltsstoffe werden zumeist direkt auf angeschlossene Bildschirme übertragen.

Helmar Tardel, Chef der Abteilung Rückstandsanalytik, interessiert im Fall der beanstandeten Mandeln vor allem, welche Toxine womöglich und wenn ja in welcher Konzentration vorhanden sind. "Die Erfahrung lehrt, wenn Mandeln nicht ausreichend trocken gelagert wurden, bilden sich an feuchten Stellen nesterartig Schimmelpilze, die dann wiederum Giftstoffe bilden. Für das menschliche Auge bleibt das zumeist unerkannt", sagt Tardel. Der automatische Probengeber zeigt in diesem Fall aber keine erhöhten Werte an.

"Der ranzige Geschmack, von dem die Kundin gesprochen hat, kann auch durch ungeeignete Lagerung zu Hause zustande gekommen sein", mutmaßt der Experte.

Auf dem Tische der Kontrolleure liegen derzeit auch Citrusfrüchte, Eier, Backmischungen, Konfitüren und Zimt. Cumarin in Zimt hatte in den letzten Jahren für Aufsehen gesorgt. Der Aroma- und Duftstoff, der auch in Waldmeister vorkommt, kann bei erhöhter Konzentration die Leber schädigen. "Zuletzt vorgenommene Untersuchungen haben jedoch bereits gezeigt, dass die Hersteller auf unsere Hinweise reagieren, den Cumarin-Gehalt in Lebensmitteln deutlich gesenkt haben", sagt Trapp.

Von den Proben, die von den 100 Experten im Rostocker Landesamt jährlich untersucht werden, müssen durchschnittlich 12 bis 15 Prozent beanstandet werden. Gesundheitsgefährdende Risiken werden dabei allerdings nur selten bilanziert. Zumeist handelt es sich um leicht verderbliche Ware wie Wurst, Fleisch, Pilze und Milcherzeugnisse, bei denen die mikrobiologischen Untersuchungen auf eine beginnende Verderblichkeit hinweisen, wie Helmar Trapp sagt. Oft sei auch die unzureichende Kennzeichnung, die ungenaue Angabe von Inhaltsstoffen zu bemängeln.

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