Verteilung der Bafög-Millionen : Fast am Rand der Studierbarkeit

Bereits im November demonstrierten Greifswalder Studierende für eine bessere Finanzausstattung der Universitäten und Hochschulen.
Bereits im November demonstrierten Greifswalder Studierende für eine bessere Finanzausstattung der Universitäten und Hochschulen.

Studenten wollen Bafög-Millionen vor allem in mehr Lehrkräfte und Wohnheimplätze sowie in einen „Zukunftspakt Lehramt“ investieren

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04. März 2015, 07:40 Uhr

Viel Geld weckt viele Begehrlichkeiten. Weil der Bund seit diesem Jahr die Kosten für die Ausbildungsbeihilfe von Schülern und Studenten (Bafög) voll übernimmt, stehen dem Land knapp 23 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Über ihre Verteilung, insbesondere über die für den Hochschulbereich vorgesehenen 19,2 Millionen Euro, wird noch gestritten. Gestern stellten in Schwerin Vertreter der Studierenden der Universitäten und Hochschulen im Land ihre Positionen zur Verteilung der Bafög-Millionen vor – und setzten damit zum Teil gänzlich andere Akzente als Hochschulleitungen, Bildungsministerium und der Landesrechnungshof (LRH).

„Wir fordern einen Zukunftspakt Lehramt für Mecklenburg-Vorpommern“, nannte Milos Rodatos, Sprecher der Landeskonferenz der Studierendenschaften (LKS), eines der studentischen Ziele. „Unser Vorschlag ist, vier der Bafög-Millionen in die Lehramtsausbildung zu investieren“, konkretisierte er. Je 1,5 Millionen Euro sollten an jede Universität gehen und eine Million in die Ausbildung von Berufsschullehrern fließen. Die Universität Greifswald könne so beispielsweise die Ausbildungsgänge für Mathe- und Sozialkundelehrer wiedereröffnen, so Rodatos, eventuell auch noch den für Biologielehrer. In Rostock sollte das Geld vorrangig in die Qualität der Lehramtsausbildung investiert werden.

Einen weiteren Schwerpunkt sehen die Studierenden im Ausbau der sozialen Infrastruktur. Eine der Bafög-Millionen müsste in die Schaffung neuer Wohnheimplätze fließen, fordern sie. Denn während im Durchschnitt der neuen Bundesländer 12,94 Prozent aller Studierenden ein Wohnheimplatz angeboten werden kann, stehen in Rostock nur für 11,2 und in Greifswald sogar nur für 8,72 Prozent der Studierenden Plätze zur Verfügung. „Hier muss die Landesregierung aktiv werden, ansonsten droht der Verlust von möglichen Studienanfängern“, betont die LKS.

Er drohe auch wegen anhaltender Unterfinanzierung und daraus folgender schlechter Personalausstattung. Aktuell seien allein an den Universitäten mehr als 100 Stellen nicht besetzt, so Martin Warning, Studierendenvertreter der Universität Rostock. „Wir kommen in Teilen an den Rand der Studierbarkeit.“ Denn fehlende Lehrkräfte führten unter anderem dazu, dass Abschlüsse nicht rechtzeitig erreicht und so aufbauende Masterstudiengänge nicht angetreten werden könnten. Zudem müssten Studierende befürchten, aus der Bafög-Förderung herauszufallen, wenn sie zu lange keinen Abschluss schafften . Dass den Hochschulen genügend Geld zur Verfügung steht, wie der LRH in einem Prüfbericht konstatierte, sei falsch. Die Studierenden fordern deshalb eine gegenüber den Plänen des LRH um mindestens ein Prozent höhere Personalausstattung – Mehrkosten: 2,6 Millionen Euro.

Zu einer öffentlichen Anhörung zu den Hochschulfinanzen am Donnerstag im Landtag seien die LKS und Vertreter der Studierenden an den (Fach-)Hochschulen nicht eingeladen, kritisierte Rodatos. 50 bis 70 Studierende würden aber dennoch ihren Forderungen vor dem Schweriner Schloss Nachdruck verleihen.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wurde nicht zur Anhörung eingeladen, so GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner. Dabei sei auch ihr wichtig, auf eine ausreichende Personalausstattung an den Hochschulen zu dringen. Und: „Wir erwarten, dass das Land den unerträglichen Zustand befristeter Arbeitsverhältnisse unter prekärer Bezahlung für einen Großteil der Lehrenden beendet.“ Lehrbeauftragte bekämen nur eine sehr geringe Vergütung, Vor - und Nachbereitungszeit würde dabei nicht berücksichtigt, Sozialabgaben und Reisekosten in vielen Fällen nicht bezahlt. „Mancher Lehrauftrag wird sogar unvergütet vergeben“, kritisiert Lindner. Das müsse ein Ende haben.

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