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Höhere Eltern-Beiträge trotz angekündigter Entlastungen : Falsche Versprechen bei Kita-Kosten

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Die Entlastung der Eltern bei den Kita-Beiträgen ist ein beliebtes Wahlkampf-Thema in Mecklenburg-Vorpommern. SPD und CDU überbieten sich derzeit mit neuen Versprechen.

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erstellt am 20.Jul.2011 | 07:19 Uhr

Schwerin | Die Entlastung der Eltern bei den Kita-Beiträgen ist ein beliebtes Wahlkampf-Thema in Mecklenburg-Vorpommern. SPD und CDU überbieten sich derzeit mit neuen Versprechen. Während die CDU vorhat, die Betreuungskosten neben dem Vorschuljahr auch im vorletzten Kindergartenjahr zu reduzieren, will die SPD sogar 40 Millionen Euro zusätzlich für die Kitas zur Verfügung stellen, damit die Krippenkosten um rund 100 Euro gesenkt werden können. Über derartige Ankündigungen können sich Eltern wie Jirka Petr aus Wendelstorf bei Schwerin allerdings schon lange nicht mehr freuen. Denn die Realität sieht anders aus, wie der zweifache Familienvater weiß.

Auch in der laufenden Legislaturperiode gab es ein Versprechen: Die Beiträge für alle Eltern sollten zumindest stabil gehalten werden. Fünf Millionen Euro zusätzlich hat das Land mit dem neuen Kita-Gesetz dafür in das Finanzierungssystem gepumpt. Bei der Familie von Jirka Petr ist davon jedoch nichts angekommen. Im Gegenteil: Sie muss ab kommendem Monat tiefer in die Tasche greifen. Die Beiträge für die Kita "Kleine Dorfgeister" in der Gemeinde Dalberg-Wendelstorf erhöhen sich. "Das passt mit den breit getretenen Ankündigungen aus der Politik nicht zusammen", meint das Elternratsmitglied.

Nach Angaben von Kita-Leiterin Jeanine Kindel müssen die Eltern von August an für einen Ganztagsplatz im Kindergarten 125 Euro statt bisher 119,68 Euro bezahlen. Dass die Steigerung noch verhältnismäßig moderat ausfalle, sei der Gemeinde zu verdanken. Sie habe ihren eigenen Anteil zur Finanzierung der kommunalen Einrichtung überproportional erhöht, damit die Eltern nicht 132 Euro bezahlen müssen.

Warum die Kosten steigen, kann Jeanine Kindel einfach erklären: "Die Ausgaben für Verpflegung, Energie und Wasser sind gestiegen", sagt die Leiterin. Auch der neue Betreuungsschlüssel schlage zu Buche. Demnach soll eine Erzieherin nicht mehr für 18, sondern für 17 Kinder zuständig sein. Darüber hi naus habe sich die Vorbereitungszeit der Erzieherinnen von zweieinhalb auf vier Stunden pro Woche erhöht. Wichtige Verbesserungen, die jedoch bezahlt werden müssen. Das zuständige Jugendamt des Kreises habe die Kosten neu berechnet, sein eigener Finanzierungsanteil sei aber gleich geblieben. Die Kita sei deshalb froh, dass sie von der Gemeinde so viel Unterstützung erfahre, sagt Jeanine Kindel.

Dalberg-Wendelstorf ist nicht die einzige Gemeinde im Land, in der die Eltern von Kita-Kindern mehr statt weniger bezahlen müssen. Auch in einigen anderen Kommunen wie beispielsweise in der Landeshauptstadt steigen die Beiträge (wir berichteten). Generell haben sich nach Angaben des Statistischen Amtes die Entgelte für Kitas in Mecklenburg-Vorpommern im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 18,9 Prozent erhöht. Die Wohlfahrtsverbände kritisieren schon seit längerem, dass die Aufstockung der Landesmittel wegen der gestiegenen Kinderzahlen nicht ausreiche.

Die Reaktion der Landesregierung ist bekannt: Die Höhe der Elternbeiträge unterliege Faktoren, die nicht durch das Land beeinflusst werden könnten, wie Tarifsteigerungen oder Betriebskosten, hieß es seitens des Sozialministeriums, als die ersten Beitragssteigerungen in diesem Jahr veröffentlicht wurden. Das Land liefere nur die gesetzlichen Rahmenbedingungen und habe immerhin 22,1 Millionen Euro zusätzlich für die Kitas zur Verfügung gestellt. Davon seien fünf Millionen Euro für den Ausgleich der steigenden Inanspruchnahme der Einrichtungen vorgesehen.

Für Jirka Petr sind Argumente wie diese jedoch nur schwer mit den alten und neuen Wahlversprechen der Parteien in Einklang zu bringen. "Die Eltern von Kita-Kindern sollen finanziell entlastet werden" - diesen Satz kann der Familienvater bald nicht mehr hören.


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