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Betrug : Fack ju Göhte auf Mecklenburgisch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Falsche Pädagogin stand jahrelang vor Klassen. Nun kommt die Frau wegen Betruges und Urkundenfälschung vor Gericht

Mehr als sechs Millionen Kinobesucher schauten sich Ende vorigen Jahres die deutsche Komödie „Fack ju Göhte“ an, in der der Kleinkriminelle Zeki Müller zum Aushilfslehrer wird und auf ganzer Linie überzeugt. Diese Erfolgsgeschichte ist Fiktion. Die Realität sieht kaum anders aus – und spielt im Norden.

Eine falsche Lehrerin, Maud M., Jahrgang 1965, stand jahrelang vor Schulklassen und unterrichtete in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein Deutsch und Kunst, zuletzt in Lübstorf und Bad Kleinen am Schweriner See. „Sie hat nach heutigen Maßstäben nicht die erforderliche Qualifikation.“ Davon ist Michael Bimler von der Kieler Staatsanwaltschaft überzeugt. Eine Anklage wird vorbereitet. Schon in Kürze soll die Frau vor Gericht stehen, sie muss sich wegen Urkundenfälschung und Betruges verantworten.

In Schleswig-Holstein flog der Schwindel schon vor einem Jahr auf: Im Februar 2013 wurde der Frau der Beamtenstatus entzogen. Ihre Lehrer-Karriere in Schleswig-Holstein war beendet. In dem Zusammenhang hatte das Kieler Bildungsministerium erklärt, dass die Frau 1990 ein Diplom-Lehrerstudium in der DDR für die Fächer Deutsch und Staatsbürgerkunde absolviert hatte. Aus Staatsbürgerkunde soll sie Sozialkunde gemacht haben.

Kurzerhand kehrte die Lehrerin aus Berufung nach MV zurück. Von März bis August war sie an der Werner-Lindemann-Schule in Lübstorf tätig. Zeitweise unterrichtete sie auch für ein paar Stunden in der Woche an der Schule im benachbarten Bad Kleinen. Das bestätigt Henning Lipski, Sprecher des Schweriner Kultusministeriums. Dass mit der Frau etwas nicht stimmt, sei in den Bewerbungsunterlagen nicht zu erkennen gewesen. „Im polizeilichen Führungszeugnis gab es keine Einträge“, so Lipski. Als jedoch die Kieler Staatsanwaltschaft im Sommer bei den Bildungsbehörden in Schwerin nachfragte und Akten anforderte, kam auch hierzulande der Stein ins Rollen – zumindest hinter den Kulissen.

Die Frau wurde vor die Wahl gestellt: fristlose Kündigung oder Aufhebungsvertrag. Und wieder wählte die Frau den Aufhebungsvertrag, wie schon zuvor in Mölln. Damit blieb ihre Personalakte sauber. Denn schon in Schleswig-Holstein wurden die Daten, die zur Aberkennung des Beamtenstatus geführt hatten, aus Datenschutzgründen nicht in der Akte vermerkt, so Bildungssprecher Lipski.

Dabei hätte die Anstellung von Maud M. an der Lübstorfer Schule vermieden werden können. Nach Informationen unserer Zeitung hatte eine Mitarbeiterin des Personalreferats im Kieler Bildungsministerium bereits Anfang 2013 im Rahmen ihrer Ermittlungen in Schwerin nachgefragt, da Maud M. vor ihrer Zeit in Schleswig-Holstein an einer Schule in Wolgast gelehrt hatte. „Die Kollegin versuchte, in Schwerin zu recherchieren“, bestätigt Patricia Zimnik vom Kieler Kultusministerium. Inzwischen ist auch hier bekannt, dass die Frau bereits Mitte der 90er-Jahre am Gymnasium in Wolgast unterrichtet hatte, bevor sie nach Brandenburg und 2008 nach Schleswig-Holstein ging.

Während ihrer kurzen Unterrichtszeit in Lübstorf fiel die Frau durch ein gesundes Selbstbewusstsein auf. Als im Frühjahr noch kein Nachfolger für den ausscheidenden Schulleiter in Sicht war, brachte sie sich ins Gespräch. Dazu ist es aber nicht gekommen. Stattdessen folgte Anfang August das Aus an der wohl letzten Lehrerstation. „Uns wurde gesagt, sie verlässt den Schuldienst aus persönlichen Gründen“, erinnert sich Jana Bethge, die Vorsitzende der Elternvertretung in Lübstorf. Damals wurde viel gemunkelt, doch keine Vermutung ging in die Richtung, die sich jetzt abzeichnet. „Mich jedenfalls haben die ersten Meldungen total überrascht“, so Jana Bethge. Sie fragte sofort in der Schule nach und wartet nun darauf, dass die Eltern offiziell informiert werden. Das soll heute erfolgen.

 

 

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erstellt am 08.Jan.2014 | 21:00 Uhr

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