Milchviehhaltung : Export hilft Milchbauern

Eine „Europa-Kuh“ wirbt am Rande des Milchbauerntages in Karow für einen fairen Milchpreis .
Eine „Europa-Kuh“ wirbt am Rande des Milchbauerntages in Karow für einen fairen Milchpreis .

Agrarminister Till Backhaus warnt die Bauern davor, ihre Preisforderungen zu überziehen

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26. Februar 2014, 11:46 Uhr

Der weltweite Export kurbelt die Milchviehhaltung und -Erzeugung in Mecklenburg-Vorpommern stark an. „Im Nordosten werden derzeit 180 000 Milchkühe gehalten, das sind 22 000 Kühe mehr als 2009“, sagte Landesargrarminister Till Backhaus (SPD) gestern auf dem Milchbauerntag in Karow (Kreis Ludwigslust-Parchim). Viele Betriebe investierten wieder.

Die Käseproduktion sei 2013 um 3,1 Prozent, die Konsummilchherstellung um 16 und die Butterfertigung um 18 Prozent gestiegen. Alle Prognosen wiesen zudem darauf hin, dass die weltweite Nachfrage weiter wachse, erklärte Backhaus. „Die Nachfrage steigt schneller, als das Angebot“, sagte Harald von Witzke vom Lehrstuhl Welternährung der Humboldt-Universität Berlin.

Forderungen des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) nach Auflösung großer Molkereigenossenschaften, wies Backhaus zurück.

Zielscheibe der Kritik müsse der Einzelhandel sein, der weiter „Preisdumping auf Kosten der Landwirte“ betreibe. In Deutschland sei der Absatz von Milchprodukten nach Preissteigerungen 2013 zurückgegangen. „Ich warne davor, weiter an der Preisschraube zu drehen“, erklärte Backhaus mit Blick auf den derzeitigen Milchpreis von etwa 40 Cent pro Liter Milch. „Der Verbraucher reagiert und am Preis scheiden sich die Geister, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“, sagte Backhaus.

Zuvor hatte der Vorstandsvorsitzende der Milcherzeugergemeinschaft Milch Board, Peter Guhl, die Abschaffung der „Andienpflicht für Mitglieder in Molkereigenossenschaften“ gefordert. Diese Regelung verpflichte die Mitglieder von Molkereigenossenschaften, ihre Milch dort anzuliefern, statt sie frei in Erzeugergemeinschaften wie dem Milch Board vermarkten zu können. Der BDM setze vor allem mit Blick auf den Wegfall der Milchquoten von April 2015 an auf solche Erzeugergemeinschaften.

Laut BDM sind 70 Prozent aller deutschen Milchbauern Mitglieder von Molkereien, in Mecklenburg-Vorpommern 60 Prozent. „Durch zweijährige Kündigungsfristen und Unklarheiten, was aus ihren Genossenschaftsanteilen wird, ist den Mitgliedern ein Verlassen dieser Firmen kaum möglich“, sagte Guhl. Tatsächlich hätten die Mitglieder bei den bundesweit 196 Molkereien, die global agierten, kaum noch Einfluss auf die Milchpreise.


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