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Betrieb in Lubmin empfiehlt sich als "operativer Begleiter" : EWN steigen in den Ausstieg ein

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Für die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) in Lubmin eröffnen sich durch die Stilllegung der deutschen Atomkraftwerke neue Perspektiven.

svz.de von
erstellt am 19.Jul.2011 | 07:57 Uhr

Lubmin | Für die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) in Lubmin eröffnen sich durch die Stilllegung der deutschen Atomkraftwerke neue Perspektiven. Der Atomausstieg verbessere die Erfolgsaussichten bei Aufträgen aus der privaten Atomwirtschaft, sagte der Vorsitzende der EWN-Geschäftsführung, Henry Cordes, gestern. Es gebe Anfragen zur Zusammenarbeit und auch Versuche, erfahrene Mitarbeiter abzuwerben, etwa Ingenieure, Strahlenschutzwerker und Fachkräfte im genehmigungstechnischen Bereich.

Die EWN, die das Zwischenlager in Lubmin betreiben, übernehmen Cordes zufolge das Endlagermanagement für den schwach- und mittelradioaktiven Abfall von öffentlichen Einrichtungen. "Wir werden die Prozesse von öffentlicher Seite leiten, um die Einlagerung der schwach- und mittelradioaktiven Materialien in den Schacht Konrad zu koordinieren", sagte er. Die EWN als Entsorgungsdienstleister des Bundes erarbeiteten derzeit zusammen mit der privaten Atomwirtschaft, dem Betreiber von Schacht Konrad und dem Bundesamt für Strahlenschutz ein Einlagerungskonzept für das unterirdische Endlager in Niedersachsen. In dem Konzept werde exakt kalkuliert, welche Mengen wie und wann eingeliefert werden sollen. Die EWN sind mit 25 Prozent an der Betreibergesellschaft von Schacht Konrad beteiligt.

290 000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Abfall seien für das Endlager vorgesehen. Davon gehörten 110 000 Kubikmeter der öffentlichen Hand, allein 80 000 dem Bund. Noch steht nicht fest, ob das Endlager wie geplant 2015 in Betrieb gehen kann. "Wir brauchen Klarheit, wann das Endlager Schacht Konrad geöffnet wird", forderte Cordes. Mit der Öffnung des Endlagers wäre den Bewohnern in Vorpommern auch leichter vermittelbar, dass Atommüll in größeren Mengen aus Lubmin abtransportiert werde. Grüne und Linke werfen den EWN vor, das Zwischenlager in Lubmin zu einem faktischen Endlager ausbauen zu wollen.

"Wir wissen, was wann zu tun ist"

Nach Auffassung des EWN-Managers werden der zeitliche Rahmen und die konkreten praktischen Konsequenzen, die sich aus dem Atomausstieg ergeben, noch weitgehend unterschätzt. "Wir stehen in Deutschland vor einem sehr langwierigen, sicherheitstechnisch und administrativ anspruchsvollen Prozess." Der Rückbau aller AKW werde über das Jahr 2050 hinaus andauern. Unklar sei dann immer noch die sichere Endlagerung der Kernbrennstoffe. "Man darf sich keiner Illusion hingegeben, dass mit dem Atomausstiegsbeschluss die Welt sofort von heute auf morgen anders aussähe", sagte Cordes.

Der Bundesbetrieb EWN könne als "operativer Begleiter" beim Rückbau von Kraftwerken helfen, sagte er und verwies auf das von seinen Mitarbeitern über Jahre erworbene Wissen im Genehmigungs- und Strahlenschutzmanagement. Schließlich hätten die EWN das Atomerbe der DDR erfolgreich abgewickelt. "Wir wissen, was wann zu tun ist, wo man welche behördlichen Zustimmungen braucht und wie die Unterlagen auszusehen haben". Der Bund sei darauf angewiesen, dass seine Behörden professionell agierten. Der EWN-Manager warnte davor, den Kompetenzerhalt allein der privaten Atomwirtschaft zu überlassen.

Die EWN sind mit ihren rund 830 Mitarbeitern und 30 Auszubildenden in Lubmin der größte Arbeitgeber. "Das Unternehmen generiert allein in Lubmin eine Brutto-Lohnsumme von rund 60 Millionen Euro im Jahr." Die Vermarktung des früheren AKW-Standortes wollen die EWN nach und nach in die Hände Dritter, etwa der Regionalverbände, legen. "Die Standortvermarktung ist nicht Kernaufgabe des Bundes", sagte Cordes. Er wünsche sich für Lubmin "dringend einen Anker-Investor", möglichst ein Energieunternehmen als Betreiber eines Gaskraftwerkes.


MEINUNG Nein zum Ausbau der Zwischenlagerung

Die SPD hat die angekündigte Orientierung der Energiewerke Nord (EWN) auf Rückbauprojekte in Deutschland begrüßt. Nach Ansicht des SPD-Kreisvorsitzenden von Südvorpommern, Ulf Dembski, könne sich hieraus ein wirtschaftlicher Anschub für die Region entwickeln. Hart zeigte sich Dembski hingegen bei der Einlagerung von Atommüll im Zwischenlager Nord. Der Ausbau der Zwischenlagerung bringe die Region nicht voran. Unterdess zeigt sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) optimistisch, dass durch das Interesse des russischen Gaskonzerns Gazprom an einer engeren Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen bei der Stromerzeugung auch den Standort Lubmin wieder mehr in den Blickpunkt rückt. „Ich sehe das Interesse von Gazprom sehr positiv. Davon kann auch Mecklenburg-Vorpommern profitieren.“


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