Impfbereitschaft in MV : Eulen nach Schwerin tragen?

Ein kleiner Piks rettet Leben.
Ein kleiner Piks rettet Leben.

Die CDU will heute im Landtag über die Verbesserung der Impfbereitschaft diskutieren – dabei ist sie nirgends so hoch wie in MV

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11. März 2015, 08:00 Uhr

Einen guten Monat nach der Bundespolitik erreicht das Thema nun auch Schwerin. „Impfbereitschaft verbessern – Impfpflicht schützt die Gesundheit und rettet Leben“ lautet das Thema der aktuellen Stunde, mit der die antragsberechtigte CDU heute die Landtagssitzung eröffnen will. „Unser Ziel ist es, die Impfbereitschaft grundsätzlich zu verbessern. Wir haben momentan zu große Impflücken in unserem Land“, begründete CDU-Fraktionschef Vincent Kokert die Themenwahl. Die Impflücken ließen sich nur schließen, wenn Eltern, Ärzte, Kitas und Schulen zusammenarbeiteten und wenn verstärkt auf die Gefahren eines fehlenden Impfschutzes hingewiesen würden, erklärte Kokert, der auch eine Impfpflicht, vor allem für Kinder in Tagesstätten, nicht ausschließen will.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte die Impfpflicht angesichts der seit Monaten in Berlin grassierenden Masernepedemie im vergangenen Monat als Erster ins Gespräch gebracht. Mehr als 600 Masern-Fälle wurden in der Bundeshauptstadt in diesem Jahr bereits registriert, ein ungeimpftes Kleinkind verstarb dort an der Krankheit.

Zwar hat es auch hierzulande in diesem Jahr so viele gemeldete Masernfälle gegeben wie seit zehn Jahre nicht mehr: Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes (Lagus) wurden 2015 bislang zehn Masernfälle registriert. Dabei handelte es sich dem Lagus zufolge ausschließlich um ungeimpfte Personen. Mehrere von ihnen erkrankten in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Horst bzw. nach dem Aufenthalt dort.

Doch 2013 und 2014 gab es im Land lediglich einen einzigen Masern-Fall. 2012 wurde überhaupt keine Masernerkrankung registriert. Und das aus gutem Grund: Lediglich in Brandenburg gibt es eine ähnlich hohe Durchimpfungsrate wie hier: „Bei den Einschülern in Mecklenburg-Vorpommern konnten im Schuljahr 2013/14 95,7 Prozent die von der WHO für die Masern-Elimination geforderten zwei Masern-Impfungen nachweisen“, so Lagus-Sprecherin Anja Neutzling. „Die Masern gelten als hochansteckend. Bei hohen Durchimpfungsraten von 95 Prozent kann erreicht werden, dass sich die Erreger nicht oder nur noch schwer in der Bevölkerung ausbreiten. Man spricht von einem Kollektivschutz oder einer Herdenimmunität“, ergänzt sie.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin sind auch bei Erwachsenen die Durchimpfungsraten in Ostdeutschland deutlich höher als im Westen der Republik. Je nach Altersgruppe trennen mehr als 20 Prozent die Regionen – nicht nur bei Masern, sondern auch bei anderen Grundimmunisierungen. Auffällig dabei: Auch in den letzten zehn Jahren, also lange nach der DDR-Ära, ließen sich hier deutlich mehr Erwachsene impfen.

Für Kinder gibt es in MV ein seit Jahren bewährtes Erinnerungssystem, das Vorsorgeuntersuchungen und damit auch Impftermine koordiniert: Ärzte und Krankenhäuser, die eine Kindervorsorgeuntersuchung durchführen, melden diese der entsprechenden Servicestelle beim Lagus. Allein im Jahr 2013 gingen dort rund 96 000 Teilnahmemeldungen ein. Die Servicestelle gleicht sie mit den Daten der Einwohnermeldeämter ab. Ergibt sich dabei, dass ein Kind eine Untersuchung nicht wahrgenommen hat, erhalten die Eltern ein freundliches Erinnerungsschreiben. Bleibt dies folgenlos, ist die Servicestelle verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt zu informieren, das sich dann mit den Eltern in Verbindung setzt.

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