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Es kann nur einen geben...

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erstellt am 12.Jul.2011 | 09:20 Uhr

Hogwart | Nun ist sie also zu Ende. Diese nicht enden wollende Mega-Saga aus dem Pennäler-Kosmos der Zauberschule Hogwarts. In der Harry Potter und seine treuen Freunde Hermine und Ron gemeinsam mit einer kaum noch zu überblickende Personage an Zauberern und Hexen, kleinen, großen und sehr sehr großen, guten, bösen und sehr sehr bösen, in acht Filmen und zehn Jahren ihren magischen Kindergeburtstag feierten. Der Folge für Folge immer düsterer wurde, dass es kaum noch auszuhalten war. Vor allem im vorletzten Teil, dem ersten Teil von "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes", der die Entscheidungsschlacht zwischen dem Dunklen Lord Voldemort und dem kleinen Zauberlehrling mit der runden Brille und der geheimnisvollen Blitznarbe als elegische, langweilige Ruhe vor dem Sturm zelebrierte.

Diese Schlacht nun wird im zweiten und letzten Teil der "Heiligtümer des Todes" geschlagen, und zwar so grandios, so atemlos spannend, emotional dicht an den Figuren und mit allen filmtechnischen Raffinessen, dass die oft betulichen ersten Filme der bespiellosen Kinoserie von der ersten Sekunde an vergessen sind. Damals, 2001 und 2002, mussten sich "Der Stein der Weisen" und "Die Kammer des Schreckens" mit dem "Herrn der Ringe" messen lassen, die zur selben Zeit in den Kinos liefen. Dieser Wettbewerb Frodo gegen Harry sah den Hobbit noch haushoch überlegen. Nun peitschen Regisseur David Yates und sein Team die Handlung alle zehn Minuten auf Spannungsgipfel, die jeder für sich anderen Filmen als großes Finale gereicht hätten.

Showdown zwischen Harry und Lord Voldemort

Doch dieser Showdown, der zwischen Harry Potter und Erzfeind Voldemort, muss warten. Vorerst müssen Harry und seine Freunde die letzten Horkruxe finden, jene kleinen, geheimnisvollen Gegenstände, in denen Voldemort Teile seiner Seele versteckt. Auf diesem Weg brechen die drei Helden in die Kobold-Bank Gringotts ein und rasen wie weiland Indiana Jones in einer halsbrecherischen Achterbahnfahrt durch Katakomben, ertrinken beinahe in einem Tresor voller Goldmünzen und Schätze, die sich fortwährend klonen, reiten auf einem feuerspeienden Albinodrachen durch die Nacht, fliehen vor alles vernichtenden Feuerwalzen im letzten Moment noch einmal auf ihren Zauberbesen, bekommen es mit Riesenspinnen und Totessern zu tun, um schließlich dorthin zurückzukehren, wo vor zehn Jahren alles begann - nach Hogwarts.

Dort hat nach dem Tod des großen Zauberers Dumledore der undurchsichtige Professor Snape ein diktatorisches Regime aufgezogen. Und Voldemort, der immer mehr wie ein waidwundes Tier um sich beißt, greift mit seinem Heer von Totessern Hogwarts an, um Harry zu töten. Und Harry begreift nach und nach, was auch er zu tun hat. Denn die Prophezeiung aus Teil 5 ("Der Orden des Phönix") muss sich nun erfüllen: "Keiner kann leben, während der andere überlebt."

War der Film bis hierhin schon spannend, nimmt er nun erst so richtig Fahrt auf und wird großes Action- und Ausstattungskino, das niemanden unberührt lassen wird, der von einem Kino dieser Art berührt wird. Rasant geschnittene, wie Schlachtengemälde ausgeleuchtete Szenen und effektvolle Bilder, etwa ein quallenartiger Schutzschirm über Hogwarts, wechseln sich ab mit Dialogen, Rückblenden und Traumsequenzen, in denen nach und nach die letzten Geheimnisse um Harrys Schicksal gelüftet werden. Hier wird einmal mehr deutlich, wie dramaturgisch raffiniert Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling die vielen Handlungsstränge entwickelt und schließlich zusammengeführt hat.

Abgesehen vom filmischen Spektakel, erstmals in 3D, zaubert in den kleineren, nahezu theatralischen Szenen wieder die erste Garde englischer Schauspieler, die sich für diese, nun ja, Kinderfilme nicht zu schade war. Und damit ist nicht Daniel Radcliffe als Harry Potter gemeint, dessen oft maskenhafte Mimik auch im achten Film noch immer darüber zu staunen scheint, diese Rolle bekommen zu haben, die einmal als Ikone für ein ganzes Filmjahrzehnt stehen wird. Immerhin wird Millionär Radcliffe sein Leben lang Harry Potter bleiben. Segen und Fluch?

Alan Rickman als Professor Severus Snape dagegen gehört vor allem dieser Film. Nicht nur, weil sein Geheimnis endlich gelüftet wird. Dieses an Shakes-peare-Texten geschulte, kunstvolle Sprechen, jede Pause, jedes Flüstern unterstreichen seine unheimliche schauspielerische Präsenz. Im Übrigen tauchen im "Raum der Wünsche" Requisiten und zum Schluss viele Figuren der vorangegangenen Folgen noch einmal auf. Also genau hinsehen!

Und sonst? Harry stirbt natürlich - nicht. Oder doch? Jedenfalls stehen die drei Freunde in einer Schlusszene vor dem zerstörten Hogwarts irgendwie verloren nebeneinander. Ein magischer Moment. Für die drei Figuren. Für die drei Schauspieler. Und man selbst ist mit ihnen ja auch älter geworden. Zehn Jahre älter.

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