"Erwartungen übertroffen"

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05. Juli 2010, 08:08 Uhr

Schwerin | Bildungsminister Henry Tesch (CDU) hat der Selbstständigen Schule in Mecklenburg-Vorpommern ein gutes Zeugnis ausgestellt. "Meine Erwartungen wurden übertroffen", sagte er gestern zum Ende des Schuljahres, das für die 514 allgemeinbildenden Schulen als "Selbstständige" begonnen hatte. "Die erste Schuljahresbilanz zeigt: Die Selbstständige Schule ist der Schlüssel für eine bessere individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler, für mehr Bildungsgerechtigkeit, für mehr Freiraum für Schulleiter und Lehrkräfte", schätzte er ein und lobte, dass die Schulen "mit ihrer neuen Freiheit verantwortungsvoll umgehen".

Eine glatte Eins also vom Minister für die Selbstständige Schule, die seit 2007 vorbereitet und 2009 ins Schulgesetz geschrieben worden war. Unter anderem erhalten dadurch Schulen Stunden und finanzielle Mittel nach der Zahl ihrer Schüler, kreieren eigene Lehrpläne und Schulprogramme und sind verpflichtet, individuelle Förderpläne für die Schüler zu erarbeiten.

Die Werbung für das neue System hatte sich das Ministerium eine halbe Million Euro kosten lassen. Nach Auskunft von Henry Tesch wurden 529 Fortbildungen angeboten und von mehr als 9200 Lehrern wahrgenommen. Hinzu kam ein Unterstützungssystem aus Unterrichtsberatern, Fortbildungskoordinatoren, Tutoren für Sonderpädagogik und Forscherteams, das rund 5,6 Millionen Euro kostete.

Entsprechend gut - zwischen Eins und Drei auf der Schulnoten-Skala - fallen denn auch die Bewertungen der Praktiker für die Einführung der Selbstständigkeit aus. Das Ministerium stellte die Ergebnisse einer Umfrage unter Schulleitern vor: Demnach fühlten sich 73 Prozent gut vorbereitet, mehr als 90 Prozent gaben an, mit den neuen Regelungen ausreichend bekannt zu sein und gut 80 Prozent wissen die Unterstützungsangebote zu schätzen.

Weniger positiv indes - mit Noten zwischen Drei und Sechs - schneidet die Selbstständige Schule bislang hinsichtlich ihres praktischen Erfolgs ab: Zwar spürten 75 Prozent der Befragten mehr Freiräume für die Unterrichtsentwicklung, doch nur 58 Prozent konnten die Entwicklungsprozesse der Schule besser steuern. Lediglich ein Viertel sah mehr Freiräume für die Personalentwicklung gegeben. Für Henry Tesch jedoch "eine hohe Zahl, mit der ich angesichts des engen Lehrerpersonalkonzepts nicht gerechnet hätte".

Der Minister erwartet, dass der schrittweise Ausstieg aus dem Lehrerpersonalkonzept in den kommenden Jahren die Personalsituation vereinfachen und darüber hinaus auch beim leidigen Thema Unterrichtsausfall wirken wird. Für diese Dauerbaustelle erhalten die Selbstständigen Schulen ab kommenden Schuljahr ein Budget für Vertretungsunterricht. Spielraum für zusätzliche Stunden, wie von der Lehrerschaft immer wieder gefordert, um Schulkonzepte umsetzen und Schüler verstärkt zu fördern, sieht Henry Tesch derzeit aber nicht. "Der Haushalt ist gedeckelt." Für den kommenden Haushalt formulierte er das Ziel, mehr Geld für Grund- und Ganztagsschulen vorzusehen.

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