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Mit der Ostseepipeline wird MV zum Energietransitland : Endspurt für die Gastrasse - erster Strang fertig

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Unglaublich, was in einem Jahr am Lubminer Ufer entstand. Wo noch 2009 Kiefernwald stand, erstreckt sich heute ein 13 Hektar großes Industrieareal mit mächtigen Rohrleitungssträngen.

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erstellt am 02.Jul.2011 | 10:08 Uhr

Lubmin | Die stählerne Plattform über dem 100 Tonnen schweren Kugelventil bietet einen optimalen Rundblick. Etwa 250 Meter von jener Stelle entfernt, an der die beiden Zwillingsleitungen der neuen Ostseepipeline aus dem Greifswalder Bodden ans Festland steigen, schaut Bauleiter Thorsten Gallus über "seine" Baustelle. Fast unglaublich, was binnen eines Jahres hier am Lubminer Ufer entstand. Wo noch 2009 lichter Kiefernwald stand, erstreckt sich heute ein 13 Hektar großes Industrieareal mit mächtigen Rohrleitungssträngen, die an eine Raffinerie erinnern könnten.

Schon in wenigen Monaten soll hier das erste Erdgas aus Ostsibirien ankommen und über die neue, 470 Kilometer lange Ostseepipelineanbindungsleitung (OPAL) nach Süden weitergeleitet werden. Noch ist der erste Leistungsstrang am Ufer mit einer Schleuse verschlossen, noch sind Arbeiter dabei, die blanken Schweißnähte mit einem Sandstrahl zu säubern und dann mit mausgrauer Farbe zu konservieren. Doch der Countdown für die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts der 7,4 Milliarden Euro kostenden Ostseepipeline läuft.

Gallus Blick streift zum Südbereich der Nord Stream-Baustelle, über das im Rohbau fertige Kesselhaus, die fertiggestellte Molchschleuse für spätere Wartungsarbeiten und schließlich hinüber zu 15 gigantischen, in der Sonnen glänzenden silbernen Wassertanks, jeder mit einem Volumen von 760 Kubikmetern. Sie haben einen Teil des Wassers aufgenommen, mit dem der 600 Kilometer lange Leitungsabschnitt von der schwedischen Insel Gotland zur deutschen Küste geflutet wurde. "Danach wurde das Wasser in der Pipeline komprimiert und so der letzte der drei Trassenabschnitte einem Drucktest unterzogen", erklärt Nord Stream-Sprecher Steffen Ebert.

Vor wenigen Tagen erst hatten Experten des norwegischen Spezialschiffs "Skandi Arctic" im Finnischen Meerbusen und vor der schwedischen Insel Gotland die auf dem Meeresboden liegenden Leitungsenden in 80 beziehungsweise 110 Metern Tiefe miteinander verschweißt. Damit sei der erste, 1224 Kilometer lange Trassenstrang komplett fertiggestellt, sagte Ebert. Vom zweiten Zwillingsstrang seien bereits mehr als 230 Kilometer verlegt worden.

Zeitweise bis zu 200 Bauarbeiter seien am Lubminer Ufer im Einsatz gewesen, seit Mitte April 2010 sei die erste Spundwand für einen 550 Meter langen Anlande-Damm in den Sand gerammt worden, sagt Gallus. Etwa die Hälfte von ihnen, Vermessungsexperten, Bagger- und Kranführer, Lkw-Fahrer und Konservierer, kam aus der Region. "Diese Baustelle war in ihrer Dimension eine Nummer für sich", sagt der 36-jährige Ostfriese, der auch schon an Bord eines der drei Verlegeschiffe Verantwortung getragen hatte. "Wir hatten hier viele, ganz besondere technologische und logistische Herausforderungen zu meistern!"

Mit der Inbetriebnahme der Ostseepipeline, durch deren zwei Stränge ab Ende 2012 zusammen jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland fließen sollen, wird Mecklenburg-Vorpommern zu einem wichtigen Energietransitland. Von Lubmin aus wird das Gas über die OPAL nach Süd- und über die inzwischen ebenfalls in Bau befindliche Nordeuropäische Erdgasleitung (NEL) nach Westeuropa weitergeleitet. Zudem planen mehrere Unternehmen im Nordosten den Bau unterirdischer Gasspeicher, mit deren Kapazitäten Bedarfsspitzen, etwa im kalten Winter, abgedeckt werden sollen.

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