Schwerbehindertenausweise : Endlich waschmaschinentauglich

Sozialministerin  Birgit Hesse    und  der    Direktor  des Landesamtes  für   Gesundheit  und  Soziales, Dr. Heiko  Will,  zeigen  den   neuen  und  den  alten Schwerbehindertenausweis.
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Sozialministerin Birgit Hesse und der Direktor des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, Dr. Heiko Will, zeigen den neuen und den alten Schwerbehindertenausweis.

Schwerbehinderte im Land bekommen neue Ausweise

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26. März 2014, 14:53 Uhr

Plastik statt Papier, handlich statt Monstrum: Seit gestern werden in Mecklenburg-Vorpommern Schwerbehindertenausweise im Scheckkartenformat ausgegeben. Sie passen in die Geldbörse, und „sie sind endlich waschmaschinentauglich“, hob Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) bei der Übergabe der ersten Ausweise in Schwerin hervor.

Bundesweit werden nach und nach die alten Papierdokumente durch die kleinen Kärtchen abgelöst – „niemand muss also Angst haben, dass sein Ausweis außerhalb unseres Landes nicht anerkannt wird“, betonte der Direktor des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, Heiko Will. Selbst im Ausland könne eine Schwerbehinderung jetzt nachgewiesen werden, denn der Ausweis enthalte auch einen Aufdruck in englischer Sprache. Damit Blinde und stark Sehbehinderte den Schwerbehindertenausweis von anderen Scheckkarten unterscheiden können, erhalten sie ihn mit einer speziellen Prägung in der Brailleschrift.

Neun Monate lang hätte die Vorbereitung auf die Umstellung im Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) an den Standorten in Rostock, Schwerin, Stralsund und Neubrandenburg gedauert, so die Ministerin. „Erst seit Juni 2013 war ja klar, dass das Land für die Angelegenheiten nach dem Schwerbehindertenrecht zuständig bleibt und diese Aufgabe nicht an die Landkreise übergeht.“ Die Kosten für die Umstellung, 45 000 Euro , hielten sich in Grenzen, erklärt Heiko Will, in zwei Jahren hätten sie sich amortisiert.

Jährlich sollen dem Landesamt zufolge etwa 50 000 der neuen Ausweise ausgegeben werden. Ein gesonderter Antrag sei nicht erforderlich, so Will. Die Ausweise im Papierformat gelten weiter. Sei aber eine Neuausstellung notwendig, würden ab jetzt nur noch die neuen Scheckkarten verschickt.

Der Anteil der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, die mit einem Handicap leben müssen, wird unterdessen immer größer. Ende Februar waren 331 143 Menschen mit einer Behinderung registriert, ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. 212 679 von ihnen (13,5 Prozent der Bevölkerung) sind schwerbehindert. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag die Zahl der Behinderten im Land noch bei gut 191 000, die der Schwerbehinderten bei knapp 145 000. Fundierte Erklärungen für den enormen Anstieg gebe es (noch) nicht, so Will. In Sachsen-Anhalt, wo die Altersstruktur der hierzulande ähnele, läge der Anteil der Schwerbehinderten zum Beispiel unter zehn Prozent. Nur im Saarland gebe es ähnlich viele Schwerbehinderte wie hier.

Wer die Feststellung einer (Schwer-)Behinderung beantragt, muss momentan laut Will mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsfrist von 3,7 Monaten rechnen.. 18 Prozent aller Antragsteller legen gegen den Bescheid des Lagus Widerspruch ein.

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