Nothafen Darßer Ort : Eine unendliche Geschichte

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Die Hoffnungen auf den Hafenneubau auf dem Darß geplatzt / Einigung ist kaum in Sicht

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27. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Seit Jahren gibt es Streit um den Nothafen Darßer Ort auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Der beschauliche Hafen ist Liegeplatz des Seenotrettungskreuzers „Theo Fischer“, von hier aus dauert es nur eine halbe Stunde bis zur vielbefahrenen Kadetrinne. Doch das drängende Problem ist die Lage des Hafens mitten in der Kernzone des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Das schließt eine öffentliche Nutzung eigentlich aus. Zudem muss die Zufahrt regelmäßig vom Sand befreit werden, Konflikte mit Umweltschützern sind programmiert. Die einzige Lösung wäre ein Hafenneubau - doch auch da zeichnet sich nichts ab.

Nun könnte zumindest ein wenig Bewegung in die Angelegenheit kommen. 14 Darßgemeinden wollen mit dem Landkreis Vorpommern-Rügen einen Zweckverband gründen, auch die Hansestadt Stralsund wolle mitmachen. Am 6. Januar könnte es soweit sein. Doch der Leiter der Stabsstelle Regionalentwicklung im Landratsamt, Matthias Horn, warnt vor überzogenen Erwartungen. „Erstes Ziel muss es sein, die Region zu einigen.“ Diese Äußerung zeigt, dass in der Region viele Akteure viele unterschiedliche Interessen haben.

Ob Hafenneubau oder andere Infrastruktur-Maßnahmen: Auf dessen Gemarkung die Investition steht, der habe die Kosten - die ganze Region dagegen einen Vorteil. „Diesen Ausgleich zwischen Kosten und Nutzen bekommen wir nur über einen Zweckverband hin“, betont Horn.

Dass mit dem Hafen selbst Gewinne erwirtschaftet werden, sei kaum realistisch. Jede Gemeinde, auf deren Gemarkung der Hafen realisiert wird, müsse wissen, dass sie nicht auf den Kosten sitzen bleibt. Dabei hatten Mitte 2012 schon Hoffnungen gekeimt, dass es mit dem Bau eines etwa 30 Millionen Euro teuren Inselhafens vor Zingst klappen könnte. Doch die Landesregierung lehnte das Projekt aus finanziellen Gründen ab. Aus damaliger Sicht wurde nach Meinung von Landrat Ralf Drescher eine Riesenchance vertan. Er wollte Schwerin allerdings nicht die Schuld in die Schuhe schieben. Wenn die Region nicht in der Lage ist, sich zu einigen und die überregionale Bedeutung eines Hafens zu erkennen, sei die Ablehnung aus Schwerin nicht verwunderlich.

„Wir sind nicht einen Zentimeter weiter, null“, beklagt der Zingster Bürgermeister Andreas Kuhn (CDU). Es müsse ein Wunder geschehen, wenn in naher Zukunft ein Darß-Hafen gebaut werde.

Standortplanung, Baufinanzierung, Gewährleistung des Unterhalts, politische Mehrheiten für das Projekt - alles offene Fragen. „Da ist nicht viel da“, bedauert Kuhn, der sich trotzdem selbst als „gedämpft hoffnungsvoll“ bezeichnet. „Man soll ja nie aufgeben.“

Erste Aufgabe des Zweckverbands ist es laut Horn, alle ins Boot zu holen. Dann müsse der volkswirtschaftliche Nutzen des Hafenprojekts bewertet werden. Ohne einen absehbaren Nutzen gebe auch keiner Geld.

Gleichzeitig werde die Landesregierung eine Machbarkeitsstudie für einen Ersatzhafen zur Anlandung des Seenotrettungskreuzers beauftragen, hieß es aus dem Verkehrsministerium. Mehrere Standorte im betroffenen Küstenstreifen würden geprüft.

Die Ergebnisse könnten im Frühsommer vorliegen. Das Ministerium baut auch hier großen Erwartungen gleich vor: Eventuell ergebe das Gutachten, dass bei naturschutzfachlichen Untersuchungen mehrere Vegetationsperioden betrachtet werden müssten.

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