Ein Hotelzimmer über den Wellen

<strong>Die Pfahlhäuser in Lauterbach</strong> sind auf dem Wasser stehende Hotelzimmer. <foto>Dajana Richter</foto>
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Die Pfahlhäuser in Lauterbach sind auf dem Wasser stehende Hotelzimmer. Dajana Richter

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21. Juni 2012, 11:49 Uhr

Putbus | Zwei Stege schlängeln sich vom Ufer hinaus aufs Wasser. An ihnen reihen sich auf hohen Pfählen kleine holzbeplankte Häuser aneinander. Diese ungewöhnliche Ferienhaus-Architektur wurde nicht irgendwo in der Südsee errichtet, sondern auf Rügen, genauer gesagt in Lauterbach auf dem Greifswalder Bodden. Die Bauten gehören zur Wasserferienwelt "im-jaich". Zum Tag der Architekur können Interessierte am Sonnabend die Häuser genauer in Augenschein nehmen.

Eine Pfahlhaussuite misst rund 40 Quadratmeter. Diese verteilen sich auf ein großzügig geschnittenes Zimmer mit einer Deckenhöhe von bis zu fünf Metern, einem Bad und einer Terrasse. Drei Seiten des Hauses sind relativ geschlossen, schirmen ihre Bewohner vor neugierigen Blicken ab und sorgen so für genügend Intimität. Die vierte Seite besteht aus einer riesigen Glasfront, an die auch die Terrasse ansetzt. Diese Transparenz sorgt für ausreichend Helligkeit und gibt dem Raum eine gewisse Weite. Der Blick auf den Greifswalder Bodden verspricht Urlaubsstimmung pur. Highlight eines jeden Hauses: die eigene Badeplattform unterhalb der Terrasse.

"Wir haben für die Fassaden der Häuser unterschiedliche, gedeckte Farbtöne gewählt, um sie besser in den Naturraum einzubinden", erklärt Architekt Axel Drebing. "Deshalb wählten wir auch ganz bewusst eine schlichte Optik, um die Natürlichkeit zu unterstreichen." Zum Naturaspekt zählen auch die Grasdachfelder aus Kräutern und Trockengewächsen, die je nach Jahreszeit in den unterschiedlichsten Farbnuancen leuchten. Sie verstärken zudem die Wärmedämmung der Häuser.

Während sich die 14 Häuser äußerlich in das Landschaftsbild einfügen, wurde bei der Inneneinrichtung auf Exotik gesetzt: tiefbraune Holzmöbel aus Indonesien und als farblicher Blickfang eine handgemalte chinesische Tapete neben dem Bett. Hinter drei Schranktüren vermutet der Besucher zunächst Platz für Kleidung. Doch stattdessen verbirgt sich im Inneren eine kleine Einbauküche. Da die Häuser beheizt sind, kann der Besucher hier zu jeder Jahreszeit die Seele baumeln lassen.

Es ist nicht nur ein Urlaubsdomizil in der Natur, sondern auch ein Projekt, das den Umweltschutz im Blick hat. Das wird an der klimafreundlichen Energieversorgung deutlich. Denn neben Solarthermieanlage und Blockheizkraftwerk wurde ein Nahwärmenetz verlegt, an das die komplette Ferienanlage angeschlossen ist. "Damit läuft fast die gesamte Marina CO2-neutral", gibt Geschäftsführer Till Jaich Auskunft.

Schon im Jahr 2000, im Rahmen der Gesamterweiterung der Marina, entstanden die ersten Ideen für eine Errichtung von Pfahlhäusern. "Wir waren auf der Suche nach einem zukunftsfähigen Konzept und neuen Alternativen zu den schwimmenden Ferienhäusern, die es hier bereits gab", so Jaich. "Es ging um eine gewisse Exklusivität." Dabei ließen sich Bauherr und Architekt von Urlaubsressorts im Südpazifik inspirieren. "Wir wollten das Südseeparadies transformieren zu Südseeträumen an der Ostsee", erklärt der Geschäftsführer.

Von den ersten konkreten Plänen bis zum Baustart verging jedoch viel Zeit. "Etwa acht Jahre brauchten wir, bis wir alle Genehmigungen zusammenhatten", erinnert sich Jaich. "Denn mit dem Bauen auf Wasser schufen wir in dieser Form einen Präzedenzfall und wurden zunächst von Behörde zu Behörde weitergereicht." Doch 2010 konnte der Bau mit dem Ausbaggern des Hafenbeckens beginnen, und es wurden die ersten Pfähle gerammt. Die Holzrahmenkonstruktionen der Häuser bauten sie nacheinander an Land in einer Werfthalle zusammen, um sie dann an den Kai zu transportieren und mittels Schwimmkran auf die Pfahlfundamente zu setzen.

Im Frühling 2011 konnte die erste Suite vermietet werden, im August war auch das letzte Haus fertig. Insgesamt hat Till Jaich knapp eine Million Euro in das Pfahlhaus-Projekt investiert.

Besichtigung &amp; Führung: Sa, 11-12 Uhr

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