Ein Griff nach Spaten und Sternen

Große Freude bei den Offiziellen:  MV-Ministerpräsident Erwin Sellering  und der  Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Jan Mücke dpa
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Große Freude bei den Offiziellen: MV-Ministerpräsident Erwin Sellering und der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Jan Mücke dpa

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02. November 2012, 09:38 Uhr

Ludwigslust | Wer derzeit auf der Autobahn 14 auf Höhe Schwerin Richtung Wismar unterwegs ist, glaubt sich vom deutschen Steuerzahler persönlich beschenkt - eine Privatautobahn ganz für einen alleine. Das soll nun anders werden: Mit dem traditionellen Spatenstich wurde gestern der Baubeginn am nächsten 16 Kilometer langen Bauabschnitt gefeiert, der vom geplanten Autobahnkreuz Schwerin bis zur B 5 bei Grabow reicht. "Mecklenburg-Vorpommern ist auch ein starker Logistikstandort. Er verbindet die Metropolregionen Hamburg und Mitteldeutschland und ist ein Bindeglied zwischen Ostsee und Adria", sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) vor zahlreichen Gästen am Autobahndreieck Schwerin zwischen Ludwigslust und Neustadt-Glewe.

Die A 14 sei notwendig, um den Standort Mecklenburg-Vorpommern in allen Belangen zu stärken - die Häfen, die Logistikwirtschaft, die Ansiedlung von verarbeitendem Gewerbe und auch der Tourismus würden profitieren. Das sieht der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Jan Mücke, ähnlich: "Insbesondere der Seehafen Wismar ist über die A 14 besser angebunden. Viele Arbeitsplätze in den neuen Bundesländern werden so gesichert."

Wie das Verkehrsministerium in Schwerin mitteilte, wird der 140 Millionen Euro teure Abschnitt vom Sommer 2015 an befahrbar sein. Im Jahr 2020 dann soll die Lücke zwischen Schwerin und Magdeburg geschlossen und die Schnellstraße vom sächsischen Nossen bis nach Wismar fertig sein. Inzwischen werden rund 1,25 Milliarden Euro veranschlagt, fast doppelt so viel wie anfangs geplant. Auf dem 16,2 Kilometer langen Teilstück werden laut Verkehrsministerium Mecklenburg-Vorpommern unter anderem zwölf Brücken über Strecken der Deutschen Bahn, über Bundes- und Landesstraßen sowie eine Kreisstraße errichtet. Zwei Anschlussstellen nördlich und südlich von Ludwigslust werden gebaut, das Autobahndreieck Schwerin wird zum Autobahnkreuz ausgebaut. Beidseitig der neuen Autobahn wird je ein Parkplatz mit Toilettenanlage entstehen. Auf dem Plan stehen ferner 26 Schilderbrücken. Zusätzlich zur Autobahn werden noch über 16 Kilometer Verbindungswege, Wirtschaftswege und Zufahrten gebaut.

Der Bau der insgesamt 155 Kilometer langen Trasse von Magdeburg bis Schwerin war immer wieder kritisiert worden. So hält die Umweltorganisation BUND den Lückenschluss wegen absehbar geringer Auslastung für überflüssig und warnt vor den Folgen für die Natur. Mehrere sensible Naturräume werden durchquert, darunter die für den Vogelzug wichtige Prignitz und das Elbtal. Die Kritik nahm Ministerpräsident Sellering gestern denn auch auf: "Jeder Autobahnbau ist natürlich ein Eingriff in die Natur. Es geht uns auch immer darum." Beispielsweise würden drei Mal mehr Flächen neu bewaldet als für den Bau abgeholzt werden mussten.

Vorteile erhofft sich die Politik aber nicht nur für die Industrie oder die Logistikbranche, sondern auch für den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. "Viele Menschen warten darauf, dass es endlich weitergeht. Dazu gehören auch viele Urlauber. Wir wollen die Erfolgsgeschichte im Tourismus fortschreiben. Dazu ist es auch nötig, dass die Gäste staufrei zu uns kommen können. Die A 14 wird die bestehenden Autobahnen spürbar entlasten", versprach der Ministerpräsident. Und Staatssekretär Mücke aus Berlin ergänzte: "Als gebürtiger Sachse komme ich sehr gerne an die Ostseeküste - wie alle Sachsen. Das war schon immer so. Insofern ist es mir auch ein persönliches Anliegen." Er hoffe, dass man noch dieses Jahr Baurecht für den nächsten Bauabschnitt 6 erhalte. Das Gesamtprojekt sei auch im Interesse der "Anlieger vor Ort: Die Städte in der Region werden vom Durchgangsverkehr entlastet. Ich erinnere nur an die Belastungen auf der Bundesstraße 106."

Der Parlamentarische Staatssekretär hatte indes nicht nur positive Nachrichten für Mecklenburg-Vorpommern im Gepäck - wenngleich freundlich verpackt. "Mecklenburg-Vorpommern ist einsame Spitze bei der Umsetzung aller vordringlichen Vorhaben im Bundesverkehrswegeplan. 63 Prozent hat das Land schon umgesetzt. Sachsen beispielsweise nur etwa 58 Prozent." Und westliche Bundesländer noch viel weniger, folgte der doch etwas "vergiftete Pfeil" des Staatssekretärs: Deshalb auch müsse nun umgesteuert werden und die Infrastruktur in den alten Bundesländern vorrangig erneuert werden. Der Lückenschluss der Autobahn 14 bleibe indes "eine der wichtigsten Maßnahmen, die wir im deutschen Autobahnneubau umsetzen", sagte Mücke. Dem kann die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Schwerin wohl nur beipflichten: "Die IHK hat mehr als zwei Jahrzehnte für den Bau der Autobahn A 14 gekämpft. Nicht nur die Unternehmen unserer Region, sondern auch viele Bürger haben von Anfang an den Wert dieser Fernstraße richtig eingeschätzt", so der amtierende Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach. Mit dieser Autobahn verbänden sich gute Chancen und berechtigte Erwartungen für neue Entwicklungsimpulse für die Wirtschaft. Damit seien auch neue Arbeitsplätze durch Unternehmensinvestitionen in der Region zu erwarten und somit eine bessere Lebensqualität für die Bürger in MV.

Viel Lob der Anwesenden also für den Bau, der die Lücke schließen soll. Den Griff nach den Sternen illustrierte schließlich auch eines der Eröffnungsstücke der eigens zum Spatenstich engagierten Kapelle: der Star-Wars-Soundtrack.


Chronologie der Autobahn A14

1992 Bau der zweiten Richtungsfahrbahn zwischen dem Autobahnkreuz A 241/A 24 und Schwerin auf Grundlage der Planungen aus DDR-Zeit.

1992 Der Lückenschluss der A241 zwischen Schwerin und Wismar wird in den so genannten „vordringlicher Bedarf“ eingeordnet.

1993 Untersuchungen zur Trassenauswahl zwischen Schwerin und Wismar.

1994/1995 Das Raumordnungsverfahren für den Abschnitt zwischen B 321 und B 104 wird durchgeführt.

Anfang 1996 Das Raumordnungsverfahren für den Südabschnitt bis B 104 (1.BA) wird abgeschlossen und Planfeststellungsverfahren eingeleitet.

05/1997 Für den Südabschnitt zwischen B 321 und B 104 (11 km lang) wird der Planfeststellungsbeschluss getroffen.

11. 8. 1997 Baubeginn für die A 241, 1. Bauabschnitt zwischen B 321 und B 104.

28. 6.1998 Das Wirtschaftsministerium erklärt, dass die A 241 zwischen Schwerin und Wismar bis 2005 komplett befahrbar sein soll.

22.12.1998 Nach Bekanntgabe erheblicher Verzögerungen zur Fertigstellung des Lückenschlusses an der A 241 initiiert die IHK zu Schwerin die „Volksinitiative Pro A 241“

1999 Die Volksinitiative sammelt in zwei Monaten 23 767 Unterschriften für den beschleunigten Bau der A 241.

20.12.2000 Verkehrsfreigabe des ersten Bauabschnittes der A 241 zwischen der B 321 und der B 104.

24.08.2006 Verkehrsfreigabe des 3. Bauabschnittes zwischen dem Kreuz A 20 bei Wismar und Jesendorf, Umbenennung in A 14

21. Dezember 2009 Verkehrsfreigabe des II. Bauabschnitts zwischen Cambs und Jesendorf

08.03.2010 Baurecht für einen Abschnitt von 7,5 km Länge bei Colbitz im Bördekreis (Sachsen Anhalt)

30.11.2011Spatenstich bei Colbitz, Baubeginn der 155 km langen Nordverlängerung

(Quelle: IHK Schwerin)

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