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Ein ganzes Jahr voller Romantik

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erstellt am 21.Feb.2013 | 09:41 Uhr

Greifswald | Caspar David Friedrich gab jüngeren Künstlern gern den Rat, sie mögen doch mit den eigenen Pfunden wuchern. Genau das will nun eine landesweite Initiative versuchen und unter dem bestechend schlichten, dennoch raffiniert-vieldeutigen Motto "Natürlich romantisch" mit einem der gewichtigsten Pfunde Mecklenburg-Vorpommerns wuchern - der Romantik.

Die Idee ist eigentlich so naheliegend, dass man sich fragen muss, warum nicht schon vorher jemand darauf gekommen ist. Umso mehr sind die beiden Damen zu preisen, die in einer kreativen Stunde, vielleicht auf einem Spaziergang zu den Rügener Kreidefelsen oder beim Blick von hoch droben auf die weite Ostsee, das weitgehend ungenutzte Potenzial dieses Themas erkannten und nach und nach weitere Partner ins Boot holten. Eva Maria Buchholz, Geschäftsführerin des Rostocker Hins-torff Verlages, und Dr. Birte Frenssen, die Direktorin des Pommerschen Landesmuseums Greifswald, - um diese beiden Ideengeberinnen handelt es sich - konnten mit dem Landestourismusverband und dem Landesmarketing auch gleich die beiden Institutionen gewinnen, denen der Ruf des Landes und seine Bekanntheit natürlich sehr am Herzen liegen müssen.

"C.D.F. ist eine Marke, mit der man werben kann"

Auch wenn die Landeskinder davon überzeugt sind, in einem der schönsten deutschen Bundesländer zu leben, das doch jeder kennen müsste, für Stuttgarter oder Nürnberger steht das Schweriner Schloss auch schon mal an der Ostsee. Die deutsche Romantik in der bildenden Kunst und ihre bekanntesten Vertreter um Caspar David Friedrich gehören dagegen zum kulturellen Gedächtnis fast aller Deutschen. Die Ausstellung "Geburt der Romantik" 2010 in Greifswald oder die gerade beendete Schau "Schwarze Romantik" in Frankfurt/M. waren Publikumserfolge. "C.D.F.", sagte gestern im Pommerschen Landesmuseum der Chef des Landesmarketings, Peter Kranz-Glatigny, "ist eine Marke, mit der man werben kann". Leicht werben kann, denn was die Romantiker inspirierte, gibt es noch immer: die Klosterruine in Eldena, die Kreidefelsen, die Hühnengräber und Opfersteine auf Rügen, die Städte Greifswald oder Neubrandenburg.

Eröffnet wird das Romantik-Jahr am 5. September 2013, wenn Caspar David Friedrichs 239. Geburtstag gefeiert wird. Angemessen mit der Präsentation eines prächtigen Bildbandes aus dem Hinstorff-Verlag. Birte Frenssen, Direktorin des Pommerschen Landesmuseums und wohl die Romantik-Expertin im Land, gibt als Autorin gemeinsam mit dem renommierten Landschaftsfotografen Thomas Grundner aus Heiligendamm ein Buch heraus, das auch der Kampagne den Titel lieferte. Vielleicht war es auch umgekehrt - "Natürlich romantisch".

Von Neubrandenburg über Rügen und Schwerin

Dabei folgt Frenssen in ihren Texten den Spuren Caspar David Friedrichs zu bekannten und weniger bekannten Orten zwischen Kap Arkona und Greifswald und geht seinen Freundschafts- und Arbeitsbanden zu anderen Künstlern der Romantik nach, wie zu Philipp Otto Runge aus Wolgast, Georg Friedrich Kersting aus Güstrow oder zu den in der Region reisenden Malern Johan Christian Dahl aus Norwegen oder Carl Gustav Carus aus Leipzig. Den 100 Abbildungen romantischer Gemälde und Zeichnungen stellt Grundner aktuelle Fotografien zur Seite, die in den Kunstlandschaften Caspar David Friedrichs entstanden sind.

Diese Fotografien werden auch als Wanderausstellung für das Land Mecklenburg-Vorpommern werben. Nur einer von vielen Programmpunkten, die bis zum 5. September 2014, dem 240. Geburtstag Friedrichs, von Neubrandenburg über Rügen, Greifswald, Wolgast, Zingst oder Schwerin Eingang finden werden in einen Veranstaltungskalender, der für weitere Initiativen zum Thema offen ist. So sie kulturhistorisch mit der Romantik liebäugeln. Candlelight-Diner oder ein kuscheliges Wochenende im Romantikhotel sind da eher nicht gemeint.

Wer nun im Romantik-Jahr 2013/14 auf eine große Ausstellung mit Werken von Friedrich & Co. hofft, muss enttäuscht werden. Erstens fehlt dafür das Geld. Die Initiative "Natürlich romantisch" muss vorerst ohne ein Budget auskommen. Und zweitens verleihen Museen nur noch sehr selten Meisterwerke der Romantik. Dr. Birte Frenssen hat für ihr Museum erst für 2024 wieder ein großes Romantik-Projekt im Blick.

Immerhin plant die Kunstsammlung Neubrandenburg für Ende 2014 eine Sonderausstellung über C.D. Friedrich und seine Beziehungen zu Neubrandenburg. Seine Eltern kamen bekanntlich aus der Stadt am Tollensesee.

Nur das Staatliche Museum Schwerin zeigt ab 14. Februar 2014 die ambitionierte Ausstellung "Fluxus made in USA. Die Revolution der Romantiker". Werke der berühmten norddeutschen Romantiker wie Friedrich, Runge und Kersting werden dann auf Arbeiten großer Avantgarde-Künstler wie Nam June Paik oder John Cage treffen.

Und wer weiß, vielleicht bleibt ja auch die Idee einer Romantik-Route quer durchs Land kein romantischer Traum?

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