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"Eier aus MV sind absolut in Ordnung"

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erstellt am 05.Jan.2011 | 08:07 Uhr

Eier und Schweinefleisch aus Mecklenburg-Vorpommern sind sicher, meint Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Torsten Roth sprach mit ihm.

Erst Eier, jetzt Schweinefleisch, bei welchen Lebensmitteln muss noch mit Dioxinvergiftungen gerechnet werden?

Backhaus: Nach bisherigem Erkenntnisstand ist MV nur in der Schweinehaltung betroffen, Geflügelbetriebe nicht. Nach jetzigem Stand schließe ich aus, dass außer in die sechs Betriebe kein anderes Futter ins Land geliefert wurde.

Ist Fleisch aus den verseuchten Betrieben auf den Mittagstisch gelangt?

Ich gehe davon aus, dass kein Fleisch in den Handel gelangt ist. Die Unternehmen sind gesperrt worden.

Wie stark ist die Belastung?

Nach den derzeitigen Informationen liegt das nach Mecklenburg-Vorpommern gelieferte dioxinbelastete Futter unter den zulässigen Grenzwerten. Sollte sich das bestätigen, werden wir überprüfen, wann die Betriebe freigegeben werden können.

Kann der Verbraucher also beruhigt in sein Schweineschnitzel beißen?

Ja. Wir können auf jeden Fall Entwarnung bei Geflügel geben. Die Verbraucher sollten im Handel nachfragen, wo die Eier herkommen. Alle mit einer 13 gekennzeichneten Eier stammen aus MV. Die sind nach heutigem Kenntnisstand absolut in Ordnung, auch Bio-Eier mit der Kennzeichnung 0.

Der Fall erinnert an die ersten BSE-Fälle in Deutschland. Wieder tritt unmittelbar vor der Grünen Woche ein Lebensmittelskandal unbekannten Ausmaßes auf. Gibt es weitere Fälle in MV?

Wenn am 28. Dezember die Warnmeldungen erfolgt sind, erwarte ich, dass wir nun endlich informiert werden, ob gegebenenfalls noch andere Futterchargen mit diesen technischen Fetten nach MV gelangt sind. Wir haben 2009 in Mecklenburg-Vorpommern 404 Kontrollen bei Futtermittelherstellern gemacht. Bei insgesamt 646 genommenen Proben und 5000 Einzeluntersuchungen gab es keine Anhaltspunkte auf Dioxin. Auch 2010 wurden 67 Futtermittelproben gezogen und auf Dioxin oder dioxinähnliche Stoffe wie PCB untersucht - in keiner Probe gab es eine Überschreitung der Grenzwerte.

Der Fall ist seit Tagen bekannt. Warum dauert es so lange, bis die Lieferungen nach MV entdeckt wurden?

Das System funktioniert. Dafür kann ich mich in Mecklenburg-Vorpommern verbürgen. Aber: Allein in MV haben wir zwölf Futtermittelhersteller, die 498 000 Tonnen herstellen. In anderen Bundesländern sind es deutlich mehr. Es gibt Tausende Betriebe, die beliefert werden. Das zu überprüfen, das braucht seine Zeit. Wir müssen prüfen, wie es passieren konnte, dass technische Fette in Futtermittel und damit in die Lebensmittelkette gelangen konnten. Sollte es da eine gesetzliche Lücke geben, muss sie unverzüglich geschlossen werden.

Alle beteuern, Lebensmittel sind sicher. Nur: Ein Skandal jagt den nächsten. Wie steht es um die Sicherheit?

In diesem Fall wurde wieder kriminelle Energie aufgebracht, um Profite zu machen. Ich erwarte, dass Schleswig-Holstein das aufklärt. Denn wenn es so ist, dass seit dem 11. November die technischen Fette eingesetzt worden sind, dann ist das eine Straftat. Es dürfen nur Futtermittel in Umlauf gebracht werden, die Lebensmittelqualität besitzen. Das, was an Kontrollen machbar ist, machen wir. Aber ich habe die dringende Bitte an die Kreise und Städte, das Personal in diesem Bereich nicht weiter zu reduzieren.

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