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Gesundheitsminister bleibt unter Druck : EHEC, die Sprossen und die Krise

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Sprossen aus Niedersachsen sind offensichtlich eine Ursache für den schweren Ausbruch der EHEC-Seuche in Deutschland. Die Zahl der Todesfälle infolge einer EHEC-Infektion stieg am Wochenende auf 21.

Hamburg/Hannover | Sprossen aus Niedersachsen ist offensichtlich eine Ursache für den schweren Ausbruch der EHEC-Seuche in Deutschland. Die Ware stammt aus einem inzwischen geschlossenen Betrieb in Bienenbüttel im Kreis Uelzen, wie das niedersächsische Landwirtschaftsministerium gestern mitteilte. Unklar blieb, ob noch EHEC-verseuchte Ware im Handel ist: 18 Sprossenmischungen seien verdächtig. Einige der Sprossensamen stammten aus dem Ausland; Länder wurden nicht genannt.

Es gebe zwar noch keinen definitiven Beweis. "Die Indizienlage ist jedoch so eindeutig, dass das Ministerium empfiehlt, derzeit auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten." Mit gesicherten Erkenntnissen sei an diesem Montag zu rechnen, sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU). Die Sprossen seien direkt oder über Zwischenhändler geliefert worden. Die Behörden machten Abnehmer in Klein Meckelsen im Kreis Rotenburg (Niedersachsen), Lübeck, im Kreis Lüneburg und Bochum aus.

Die Zahl der Todesfälle infolge einer EHEC-Infektion stieg am Wochenende nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) auf 21. Bundesweit sind inzwischen 1526 EHEC-Fälle bekannt, bei 627 Patienten wurde das gefährliche hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) diagnostiziert.

Kliniken in Norddeutschland arbeiten angesichts der EHEC-Fälle am Rande ihrer Möglichkeiten. Das sagte gestern Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). In der Versorgung gebe es Engpässe. Fehlende Kapazitäten etwa in Hamburg und Bremen könnten bisher von umliegenden Kliniken bereitgestellt werden.

Angesichts wachsender Kritik an Instituten, Behörden und Politik treffen sich in der kommenden Woche Bundes- und Landesminister. Vertreten sind unter anderen Bahr, Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sowie die EHEC-betroffen Länder. EU-Gesundheitskommissar John Dalli bot an, Experten nach Deutschland zu schicken. Außerdem soll eine EHEC-Internetplattform rasch auf die Beine gestellt werden, über die Behörden gezielt Informationen austauschen können. Unter anderem sollen zudem Hinweise auf Behandlungsformen vom RKI ins Englische übersetzt und den EU-Staaten bereitgestellt werden.

Der EHEC-Ausbruch hat es kurzfristig auch auf die Agenda des EU-Gesundheitsministertreffens an diesem Montag in Luxemburg geschafft. Entscheidungen über konkrete Hilfen für die betroffenen Landwirte stehen bei den Beratungen aber nicht an, sagte der Sprecher von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos.

Für die Hamburger Gesundheitsbehörden droht unterdessen ein juristisches Nachspiel der Gurken-Warnung: Der erste spanische Obst- und Gemüsehändler will möglichst bald vor Gericht ziehen, wie Rechtsanwältin Sabine Pellens gestern ankündigte. Sie vertritt die Firma Frunet, einen großen Öko-Produzenten und Händler in der Provinz Málaga.

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erstellt am 05.Jun.2011 | 08:10 Uhr

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