Dümmer als die Polizei erlaubt

Orientierungslos: Mit 2,12 Promille fand ein Stralsunder nicht mehr aus dem Kreisverkehr
Orientierungslos: Mit 2,12 Promille fand ein Stralsunder nicht mehr aus dem Kreisverkehr

Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern musste sich auch 2008 auf einiges gefasst machen. Da waren Kriminelle im Kampf gegen ihren übermächtigen Feind, der eigenen Dummheit, hoffnungslos überfordert. Andere wurden Geisterfahrer, weil sie ihrem Navi bedingungslos hörig waren.

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30. Dezember 2008, 11:40 Uhr

Rostock/Schwerin | Das ist selbst "Q", dem legendären Technik- Tüftler früherer James-Bond-Filme, nicht eingefallen. In Bergen auf Rügen bauten Jugendliche eine "Kartoffelkanone". Mit Hilfe einer Haarspray-Dose und eines Rohrs wollten sie die Knollen durch die Gegend pfeffern. Doch bevor die Vorrichtung richtig funktionierte, wurde sie von der Polizei beschlagnahmt. Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz waren die Folge.

K.o.-Schlag mit Soßenkelle
Derlei Ungesetzlichkeiten hat sich eine Frau aus Stuer (Müritzkreis) nicht schuldig gemacht, obwohl auch sie bei der "Waffenwahl" sehr kreativ war. Mit einer Soßenkelle setzte sie ihren Freund nach einem Streit außer Gefecht. Gegen die 49-Jährige, die zur Tatzeit 3,3 Promille Alkohol im Blut hatte, ermittelten die Behörden wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung.

Mit Blumenkübeln bombardierte eine Urlauberin auf Rügen das Auto ihres Ex-Freundes. Der war, so die Polizei, von dem besonderen "Blumengruß" in Windschutzscheibe und Seitenfenster nicht angetan.

Flucht endet in Klärgrube
Fast in Bond-Manier durchbrach ein 20-jähriger betrunkener Autofahrer in Parchim eine Polizeikontrolle. Doch was dem Geheimagenten im Dienste seiner Majestät nie vergönnt war: Der junge Mann fuhr Trabi - und wurde dennoch gestoppt.

Anders als gedacht, endete für drei junge Männer auch eine wilde Hatz im gestohlenen Auto zwischen Rostock und Bad Doberan. Auf der Flucht vor der Polizei ließen sie das Fahrzeug stehen und rannten zu Fuß weiter - geradewegs in eine Klärgrube. Nicht nur dass sie von der Polizei gefasst wurden, dürfte ihnen gestunken haben.

Von Wildschweinen gestellt
Ungewöhnllich endete auch die Verfolgungsjagd eines 18-Jährigen bei Schönberg (nordwestmecklenburg), der seine Flucht zu Fuß in einem Wald fortsetzte. Eine Wildschweinrotte, die ihm plötzlich gegenüber stand, beendete die Flucht.

Den Wunsch, einmal in einem Auto mit Bond durch die Gegend zu rauschen, erfüllte sich in Neubrandenburg ein 24-Jähriger. Er stahl in einem Kino die 1,80 Meter große Pappausgabe von "007" und packte sie auf den Rücksitz. Eine zivile Polizeistreife beendete die Entführung ihres "Kollegen".

Gefangen im Möbelmarkt
Zur Befreiung einer Rentnerin wurde die Polizei in einen Möbelmarkt in Lübz (Kreis Parchim) gerufen. Die 72-Jährige war auf einem Sofa eingeschlafen und erst erwacht, als der Markt schon geschlossen war. Die Frau war ohne Mobiltelefon, fand jedoch ein Telefon im Markt und alarmierte die Polizei über Notruf.

Auf ähnliche Weise ließ sich ein Pärchen in Schwerin aus ungewollt langer Zweisamkeit befreien. Laut Polizei hatten es sich die beiden auf der Aussichtsplattform des Fernsehturms gemütlich gemacht, um in knapp 100 Metern Höhe den Sonnenuntergang zu genießen. Sie waren dann aber vom Personal des Turm-Restaurants vergessen worden. Erst nach Mitternacht hätten beide in einem der Nebenräumen ein Telefon gefunden und die Beamten alarmiert.

Geisterfahrt dank Navi
So hilfreich moderne Kommunikationsgeräte auch sind, sie können mitunter auch hilflos machen. Wie eine Autofahrerin, die nach langer Fahrt ihr Hotel nicht fand. Konnte sie auch nicht. Denn bei der Eingabe des Zielortes in ihr Navigationsgerät war ihr ein kleiner Schreibfehler unterlaufen. Statt in Puttgarden auf der Insel Fehmarn landete sie in Putgarten auf Rügen - 380 Kilometer weiter östlich.

Weil er die Empfehlung seines Navigationsgerätes zu wörtlich nahm, wurde ein 71-jähriger Mann auf der Autobahn 14 bei Schwerin sogar zum Geisterfahrer. Nach Angaben der Polizei drehte der Mann auf dem Weg nach Boltenhagen um, nachdem sein "Navi" ihn aufgefordert hatte: "Bei der nächsten Möglichkeit: Bitte wenden." Andere Verkehrsteilnehmer bemerkten den Falschfahrer und informierten die Polizei, die den Mann nach 17 Kilometern - folgenloser - "Geistertour" aus dem Verkehr zog.

Mit dem Rad nach Nürnberg
Dass auch Radfahrer auf Abwege kommen können, demonstrierte ein 43-jähriger Mann aus Polen, der auf der Autobahn 20 vom Anschluss Neubrandenburg-Ost etwa 15 Kilometer bis zur Abfahrt Friedland radelte. Dort wurde er von der Polizei gestoppt, die auch über das Ziel des Mannes nur so staunte: Nürnberg.

Endlosschleife im Kreisverkehr
Der Mann soll aber total nüchtern gewesen sein. Im Gegensatz zu einem Autofahrer, der in einem Kreisverkehr in Stralsund jegliche Orientierung verlor und nur noch Kreise drehte. Passanten riefen die Polizei, die den Alkoholtester kreisen ließ und 2,12 Promille bei dem Fahrer feststellte. Viel, aber nichts im Vergleich zu einem anderen Mann, der in Stralsund von der Polizei aufgelesen wurde. Bei ihm wurden rekordverdächtige 7,67 Promille ermittelt. Messfehler oder einen Defekt am Testgerät schloss die Polizei aus. Anders als die spektakulären Erfindungen von "Q" aus den Bond-Filmen müssen solche Gerätschaften auch im Polizei-Alltag funktionieren.

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