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Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl : Diese Frau fordert Gauck heraus

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Nach langem Hin und Her hat die Linke eine eigene Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl: Die als Nazi-Jägerin bekannte Beate Klarsfeld.

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2012 | 09:32 Uhr

Berlin | Der Kölner Politik-Professor Christoph Butterwegge stoppte das Kandidaten-Karussell der Linkspartei für die Bundespräsidentenwahl am Sonntagabend auf die rheinische Art. "Karneval ist vorbei", verkündete der 61-Jährige nur wenige Stunden vor der entscheidenden Sitzung des Parteivorstands und zog sich damit aus dem Rennen zurück.

Butterwegge machte damit nach einer tagelangen Hängepartie den Weg für die als Nazi-Jägerin bekannte Beate Klarsfeld frei, die einst Kurt Georg Kiesinger wegen seiner NS-Vergangenheit ohrfeigte und so weltberühmt wurde. Der Dritten im Bunde, Luc Jochimsen, wurden von Anfang an keine ernsthaften Chancen eingeräumt.

Butterwegge war nicht der einzige, dem die Kandidatensuche bei der Linken wie die Prinzenkür bei einem Karnevalsverein vorkam. Dabei standen die Chancen zunächst gar nicht so schlecht, mit einer schnellen Entscheidung für eine Alternative zu Joachim Gauck das angeschlagene Image der Linken aufzupolieren.

Beate Klarsfeld war schon am vorletzten Wochenende eher zufällig in das Rennen um die Kandidatur gestartet. "Wenn ich mir eine Bundespräsidentin wünschen dürfte, dann wäre es eine Frau wie Beate Klarsfeld", hatte Linke-Chefin Gesine Lötzsch auf einem Parteitag in Brandenburg gesagt. Damit wollte sie vor allem ihrem Unmut darüber Luft machen, dass Klarsfeld seit Jahren das Bundesverdienstkreuz verwehrt wird.

Der Satz entwickelte aber eine gewisse Eigendynamik. Durch einen Zeitungsartikel erfuhr Klarsfeld von der Lötzsch-Äußerung, meldete sich prompt telefonisch bei der Linken-Chefin und erklärte sich zu einer Kandidatur bereit. Anschließend gab die 73-Jährige reihenweise Interviews, die sich so lasen, als wäre sie längst gekürt. Nicht nur die PR in eigener Sache sorgte in der Linken für Irritationen. Auch die offene Ankündigung Klarsfelds, als Kandidatin keine Parteipositionen vertreten zu wollen, rief die Bedenkenträger auf den Plan. Die uneingeschränkte Solidarität der Deutsch-Französin zu Israel, und dass ihr Sohn Vertrauter des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ist, taten ihr übriges. Das alles führte dazu, dass Butterwegge als Alternative zu Klarsfeld ins Spiel kam: Ein knallharter Hartz-IV-Gegner. Dadurch wurde die Kandidatensuche aber so weit verkompliziert, dass am vergangenen Donnerstag eine Einigung im ersten Anlauf scheiterte und die Linke wieder einmal als heillos zerstrittener Haufen dastand. Die Parteichefs Lötzsch und Klaus Ernst taten sich gestern mit Erklärungsversuchen für das Kandidaten-Chaos schwer. "Wir sind keine Durchstellpartei", meinte Ernst. Die Linke habe den Anspruch, eine Debatte über solch wichtige Fragen zuzulassen. Hauptsache sei, dass jetzt "ganz, ganz, ganz große Einmütigkeit" herrsche. "Es gab heute keine Gegenargumente zu Frau Klarsfeld mehr."

Auf Umwegen hat die Linke jedenfalls das erreicht, was sie ursprünglich wollte: eine Kandidatin, die auch im Gauck-Lager gut ankommen könnte. "Ich hoffe, dass ich jetzt auch bei der CDU und der CSU einige Stimmen bekommen kann", sagte Klarsfeld selbst.

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