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Die Spur führt in den Nordkaukasus

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erstellt am 24.Jan.2011 | 08:12 Uhr

Moskau | Die Passagiere der Air-Berlin-Maschine AB 8352 aus Berlin Tegel hatten Glück. Nur wenige Minuten bevor ihr Flieger auf dem Rollfeld des größten russischen Flughafen Domodedowo aufsetzte, explodierte eine Bombe in der Ankunftshalle. Im russischen Internet-Blogdienst Lifejournal überschlugen sich gestern kurz nach halb fünf Uhr am Nachmittag die Meldungen. "Ich habe endlich unseren Fahrer erreicht. Er liegt von einem Schrapnell getroffen in einer Blutlache am Boden", schrieb ein Moskauer Geschäftsmann. Der Fahrer wollte einen Passagier aus Deutschland abholen. "Offenbar ist die Bombe direkt neben ihm explodiert."

Wie schon bei dem vorherigen verherrenden Terroranschlag in Moskau im März 2009, als zwei Selbstmordattentäterinnen sich in der Metro in die Luft sprengten und 40 Menschen mit in den Tod rissen, führt die Spur der Ermittler auch dieses Mal in den Nordkaukasus. Dort kämpfen islamistische Extremisten schon seit mehreren Jahren für die Unabhängigkeit von Russland. Die Art und Organisation des Anschlages weise in Richtung der Kaukasusrepubliken Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien, hieß es gestern aus Ermittlerkreisen. Ein Kopf, der am Ort des Anschlags gefunden wurde, soll dem Attentäter gehören.

Die russischen Behörden schrieben noch am Abend drei Verdächtige zur Fahndung aus. Russische Medien berichteten, Sicherheitsexperten hätten bereits im Vorfeld Hinweise auf einen möglichen Anschlag auf einen Moskauer Flughafen gehabt. Bei einer Durchsuchung in der russischen Stadt Selenograd in der Nacht zum Montag seien Fahnder auf Indizien gestoßen. Die drei Gesuchten sollen sich im Moskauer Umland aufhalten und an der Organisation des Attentats beteiligt gewesen sein. Nach dem Anschlag wurde die Moskauer Miliz nun in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, Polizisten patrouillieren vermehrt durch Straßen und Metrozüge.

Der russische Präsident Dmitrij Medwedew sagte gestern seine geplante Reise zum Weltwirtschaftsforum in Davos ab. Er berief stattdessen eine Sondersitzung mit dem russischen Verkehrsminister ein. Gemeinsam mit dem Innenministerium und dem russischen Geheimdienst solle nun die Sicherheit an allen russischen Flughäfen erhöht werden, so Medwedew kurz nach dem Anschlag.

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