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Die Spitzenpolitiker im Urteil der Wähler

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erstellt am 04.Mär.2011 | 07:22 Uhr

Schwerin | Das sind Werte, von denen ein Politiker nur träumen kann: Drei Viertel aller Wähler loben die Arbeit von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD)! Nur 14 Prozent sind mit ihm unzufrieden. Und das nach nur zwei Jahren Amtszeit. Dabei ist Sellering, der erst 1994 in die SPD eintrat, weder ein sozialdemokratisches noch ein Mecklenburger bzw. verpommersches Urgestein. Nein, er stammt aus Spockhövel in Westfalen und kam auch erst lange nach der Wende nach MV.

Kontrahent Lorenz Caffier (CDU), der Sellering bei den Landtagswahlen das Amt abnehmen möchte, dürfte ernüchtert sein. Immerhin hatte Caffier auf den eigenen Ost-Bonus gesetzt. Aber woher kommt diese Beliebtheit Sellerings? Offenbar haben dem Ministerpräsidenten seine Einlassungen zur DDR-Vergangenheit, seine Rückzugsforderungen der Bundeswehr aus Afghanistan und die Debatte um Offiziere im Unterricht nicht geschadet sondern geholfen.

"Ich verwahre mich dagegen, die DDR als totalen Unrechtsstaat zu verdammen, in dem es nicht das kleinste bisschen Gutes gab", sagte der SPD-Landeschef. Dafür - und überhaupt - erhält er von von 85 Prozent der über 60-Jährigen und von 86 Prozent der Linkswähler ein dickes Lob. Das ist eine größere Zustimmung als von SPD-Wählern!

Nächste Überraschung: Land wirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) kann nahtlos an seine Bestnoten aus vorherigen Umfragen vor vielen Jahren anknüpfen. Schon unter Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) stand Backhaus als ewiger Kronprinz immer auf Platz 2 des Politiker-Rankings unserer Zeitung. Als nunmehr dienstältester Minister hat er diesen Spitzenplatz verteidigen können. Grund: Backhaus verteidigt Bodenreform und EU-Subventionen. An seiner Amtsführung ist kaum zu kritteln. Aber an mancher seiner Eskarpaden. Deshalb ist er wohl auch nach wie vor umstritten. 27 Prozent der Bürger - so viel wie bei keinem andern Spitzenpolitiker - sind zugleich unzufrieden mit ihm.

Erst dann auf Platz 3 folgt der erste CDU-Minister - und es ist nicht Sellerings Herausforderer, CDU-Landeschef Lorenz Caffier. Dass Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) diese hohe Zustimmung erfährt, liegt wohl insbesondere an seiner unaufgeregten, natürlichen Art als Politiker. Dass er in seinem Ressort große Erfolge feiert, lässt sich angesichts von Werftenkrise im Westen des Landes, Subventionsskandalen - auch aus der Zeit seines Vorgängers - und im Umfragezeitraum wieder gestiegener Arbeitslosigkeit schwer nachweisen. Aber Seidel war schon immer ein beliebter Politiker.

Man kann der CDU nur empfehlen, auch bei einer möglichen Regierungsbeteiligung nach den Wahlen im September an ihrem Wirtschaftsminister festzuhalten. Dass Seidel ein Schwergewicht im Wahlkampf an der Seite des CDU-Spitzenkandidaten Caffier ist, daran zweifelt ohnehin niemand. Seidel bringt Punkte im Wahlkampf. Der anfängliche Skandal um zwei Staatssekretäre scheint inzwischen vergessen.

Großes Kino bietet seit Wochen auch Manuela Schwesig. Die SPD-Bundesvizevorsitzende hat bei den Hartz IV-Verhandlungen im Vermittlungsausschuss des Bundesrates als Gegenüber von Ursula von der Leyen (CDU) eine gute Figur gemacht, wenn das angesichts des Dauer-Hick-Hacks überhaupt ging. Und Manuela Schwesig ist, mal abgesehen von der Bundeskanzlerin, derzeit die bekannteste Politikerin aus MV in der Bundespolitik. Für jemand, der erst seit 2008 überhaupt Ministerin ist, hat die Schwerinerin eine Blitzkarriere gemacht - und sie ist dabei bescheiden geblieben. Um so verwunderlicher ist, das sie für 38 Prozent der Befragten ein unbeschriebens Blatt ist. Kann es sein, dass Schwesig bundesweit bekannter ist als in MV? Abgefragt wurden von den Bielefelder Meinungsforschern bei Emnid nur die Namen ohne Funktion und Partei. Da kam bei Schwesig offensichtlich bei vier von zehn Wählern ein Schulterzucken. Und das trotz ihres Engagements für neue Kita-millionen und, ja was eigentlich? Schwesig wird jedenfalls als Bundesministerin der Zukunft heiß gehandelt.

Erst dann auf Platz 5 der Liste der Minister und Fraktionsvorsitzenden der demokratischen Parteien im Landtag folgt der Spitzenmann der CDU, Lorenz Caffier. Ihm mag die ungeliebte Kreisreform negativ angerechnet werden. Auch auf anderen Gebieten hat Caffier viel angepackt. Das müsste eigentlich positiv zu Buche schlagen: Polizeireform, Kommunalwahlgesetz, Kommunalverfassung, er verfolgt das NPD-Verbot und hat das Landesbeamtengesetz geändert. Viel erreicht, wenig Lob eingefahren. Da geht noch was.

Wie schon beim direkten Vergleich der Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten folgt der Links-Oppositionschef Helmut Holter eng auf Caffier. Holter dürfte seinen Bekanntheitsgrad vor allem aus seinerZeit als Minister und Regierungsvize unter Rot-Rot ziehen.

Alle weiteren Position sind nicht der Rede wert. Kaum jemand kennt die Finanzministerin Heike Polzin (SPD), kaum jemand die Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) auch der FDP-Fraktionschef Michael Roolf, der CDU-Fraktionschef Harry Glawe und der SPD-Fraktionschef Norbert Nieszery sind No-Names. Verwunderlich: Selbst Bildungsminister Henry Tesch (CDU), der mit 11 000 Lehrern, 160 000 Schülern und 35 000 Studenten quasi die meisten Angestellten hat, ist viel zu unbekannt.


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