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Die kleine WM von Berlin-Kreuzberg

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erstellt am 01.Jul.2011 | 08:29 Uhr

Berlin | "Hey Ladies, kick your ball", klingt es aus den Boxen. Über dem Willy-Kressmann-Stadion in Berlin-Kreuzberg liegt ein vielsprachiges und vorwiegend weibliches Stimmengewirr. Fast zeitgleich mit dem Auftakt der Fußballweltmeisterschaft der Frauen startete dort am Montag die sogenannte kleine WM. Bei dem Frauen-Fußball-Kultur-Festival "Discover Football", es ist bereits das zweite, treffen sich noch bis morgen junge Frauen aus Ruanda, Togo, Frankreich, Kamerun, Indien, Brasilien, Israel, Jordanien und Palästina. Auch ein gemischtes Team aus Berlin und Brandenburg ist dabei. Wie bei der "großen" WM gibt es Sammelalben und einen offiziellen WM-Song. Aber "Discover Football" ist weit mehr als ein Turnier. "Es spielen Teams, die in ihren Heimatländern auf Widerstand stoßen, die sich sozial engagieren, für Frauenrechte einsetzen und Unterstützung brauchen", erklärt Mitorganisatorin Marlene Assmann. Da sind zum Beispiel die Mädchen vom Team Slum Soccer aus Indien: Es sind Kinder von Prostituierten, Drogenabhängigen und Obdachlosen - von Randgruppen, die im indischen Kastenwesen keinen Platz finden. Durch Fußball erfahren sie eine Anerkennung, die ihnen die Gesellschaft versagt.

Im Stadion treffen sie auf das Team des togolesischen Vereins C.A.F.E (Cercle d Aide Femme-Enfant). Dessen Mitglieder haben sich vor allem im Frauenrecht schulen lassen und bieten nun juristische Beratungen für ihre Landsleute an.

Start mit Enttäuschung

Die Geburtsstunde des Turniers war mit einer großen Enttäuschung verbunden: Die Frauen des Kreuzberger Vereins Al-Dersimspor, die im April 2006 gegen die iranische Nationalelf in Teheran angetreten waren, hatten für den Sommer 2007 ein Rückspiel geplant. Schon 2000 Eintrittskarten waren für das außergewöhnliche Turnier verkauft, als die iranischen Behörden einen Rückzieher machten und die Frauen nicht ausreisen ließen. "Technische Probleme", lautete die offizielle Begründung. Da beschlossen die im Verein "Fußball und Begegnung" organisierten Frauen, ein ganzes Turnier auf die Beine zu stellen. "So fällt nicht gleich alles ins Wasser, wenn einem Team die Ausreise verweigert wird", sagt Marlene Assmann.

Denn das kommt leider immer wieder vor. 2010 konnte die iranische Erstligamannschaft Tejarat Khane Jonoub nicht antreten, dieses Jahr hat die afghanische Nationalelf kurzfristig abgesagt, ohne offizielle Begründung.

Um auf die Probleme von Frauen aufmerksam zu machen, fördert das Festival unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten den Austausch zwischen den Kulturen: Die Teams berichten aus ihrer Heimat, Vertreter aus Wissenschaft, Sport, Politik und Gesellschaft diskutieren über Fußball und Frauenrechte. Außerdem gibt es Konzerte, Filme, ein Fußballcamp, Workshops und natürlich Public Viewing zur "großen" Weltmeisterschaft.

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