Die Erholungskiller

jzzrjiziztki
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jzzrjiziztki

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14. August 2009, 12:07 Uhr

Urlaubsplanung
"Es ist toll, was wir heute für Möglichkeiten haben - wo wir überall hinreisen können, welche Informationen wir bekommen, welche Erfahrungen wir sammeln können", schwärmt Prof. Mundle. Aber er warnt dennoch: "Urlaub muss immer eine gesunde Mischung aus Aktivität und Entspannung sein. Sonst ist es keine Erholung, sondern Stress."

Damit der Urlaub in diesem Sinne gelingt, sollte man sich vorher überlegen, was man selbst erleben will und was die Interessen der Kinder und des Partners sind. "Vor allem aber sollte man in sich hineinhören, was die eigenen Wünsche sind, was einem selbst gut tut", rät Prof. Mundle. Das heißt unter Umständen auch , sich einzugestehen, dass es zwar toll ist, dass die Nachbarn in Asien waren. Man selbst aber hat möglicherweise Probleme mit dem langen Flug, mit dem Temperaturwechsel oder der fremden Sprache.

"Viele Wünsche werden von außen an uns herangetragen", so der Psychotherapeut. "Was durch die Werbung, Medienberichte oder auch aus dem persönlichen Umfeld als nachahmenswert suggeriert wird, muss aber für den Einzelnen längst nicht immer passen." Wer also lieber im Schwarzwald wandern möchte als in New York zu shoppen, der sollte sich notfalls von den Nachbarn belächeln lassen. In fast jedem Fall wird er nach dem Urlaub deutlich erholter sein. "Denn das Wichtigste bei der Wahl von Urlaubsort und Urlaubsform ist es, seine Bedürfnisse ernst zu nehmen", betont Prof. Mundle.

Anreise
Urlaub beginnt nicht erst am Ferienort, sondern schon mit der Anreise dorthin. Früher war das ganz selbstverständlich. Goethe und seine Italienreise sind das beste Beispiel dafür - für ihn war der Weg das Ziel. "Heute neigen viele Menschen dazu, den Urlaub so zu strukturieren wie ihr Arbeitsleben", hat Prof. Mundle beobachtet. "Sie wollen immer schneller sein, immer mehr schaffen - und im Urlaub immer mehr erleben. Deshalb fahren sie sofort am ersten Urlaubstag los und kommen erst am allerletzten wieder. Oft gehen sie selbst nach Fernreisen sofort am nächsten Tag wieder arbeiten. Dabei verkennen sie, dass selbst passives Reisen im Flugzeug Stress darstellt."

Der Rat des Experten lautet deshalb, die Anreise so zu organisieren, dass sie selbst bereits der Entspannung dient. Praktisch heißt das, nicht sofort vom Schreibtisch weg ins Auto oder in den Flieger zu steigen, sondern erst mal einen Tag Pause zu machen, in Ruhe zu packen und die Route zu planen. Dabei kann es durchaus lohnen, die Anreise durch eine Zwischenübernachtung zwar zu verlängern, aber beispielsweise auf diese Art und Weise schon den Wunsch eines Familienmitglieds zu erfüllen und eine bislang unbekannte Stadt kennenzulernen oder eine bestimmte Ausstellung anzuschauen.

Die gefährlichen ersten Tage
Vor dem Urlaub hat man noch so viel wie möglich geregelt - und am Ziel angekommen, erwischt einen erst einmal ein Infekt. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern leider auch vorhersehbar. Denn es gehört zu den Eigenheiten des menschlichen Organismus, dass Überlastung ihn erst dann schädigt, wenn der Stress abfällt. Der hat nämlich zuvor das Immunsystem so weit geschwächt, dass es dem nächsten Infekt nichts mehr entgegenzusetzen hat. Im Urlaub selbst kann man dagegen nichts mehr machen, außer, sich ordentlich auszukurieren. Für den nächsten Urlaub sollte man sich aber dringend vornehmen, schon vorher ein paar Gänge runterzuschalten oder zumindest regelmäßige Erholungspausen im stressigen Alltag einzubauen.

Doch auch wer nicht krank wird, fühlt sich in den ersten Urlaubstagen häufig alles andere als ferienfit. "Das ist ganz normal", erklärt Prof. Mundle. "Unser Körper muss erst mal auf Urlaub umschalten. Da dürfen für ein paar Tage auch Erschöpfung oder Unzufriedenheit auftreten. Dauert dieser Zustand aber eine Woche oder länger, sollte man mit der Familie oder gegebenenfalls auch mit einem Arzt sprechen. Denn wenn man es im Urlaub nicht schafft, zur Ruhe zu kommen und ruhige Phasen eventuell sogar als quälend empfindet, ist das ein ernst zu nehmendes Warnsignal." Sich dann in Aktivitäten zu flüchten, macht alles nur noch schlimmer. Denn möglicherweise handelt sich um eine Burn-out-Erkrankung, um ein Ausgebranntsein, das ohne professionelle Hilfe nicht wieder verschwindet.

Eine, zwei oder drei Wochen?
Oft sind es betriebliche Erfordernisse, mindestens ebenso oft stehen finanzielle Zwänge dahinter: Längst nicht jeder kann so lange Urlaub machen, wie er es sich eigentlich wünschen würde.

Wer aber die Möglichkeit hat, sollte sich einmal im Jahr eine längere Auszeit gönnen - wie das im Übrigen auch im Bundesurlaubsgesetz festgeschrieben ist. Denn: "Entspannung beginnt im Regelfall zwar nach zwei, drei, maximal fünf Tagen", erläutert Prof. Mundle. "Um sich zu erholen, also die Reserven richtig wieder aufzufüllen, sind aber zwei, besser noch drei Wochen Urlaub nötig." Wobei Urlaub nicht mit Reise gleichgesetzt werden muss.

Ein Kurzurlaub ist also gut, um abzuschalten. Die "Batterien" füllt man aber nur in längeren Ferien wieder auf.

Handy, Laptop & Co.
Ständig erreichbar zu sein, ist dank moderner Medien heute fast überall auf der Welt kein Problem mehr. Im Urlaub ist es aber sehr wohl ein Problem. "Wer ständig erreichbar ist, setzt die Anspannung des Berufslebens im Urlaub fort", warnt Prof. Mundle. "Wenn Stress nicht mehr abgebaut wird, kann dies zum Burn-out-Syndrom führen." Schnelle Ermüdung, Lustlosigkeit, Schlafstörungen oder auch körperliche Beschwerden wie Rücken- und Kopfschmerzen sind erste Symp tome. Werden diese Warnzeichen nicht ernst genommen, können sich schwere körperliche Erkrankungen wie Bluthochdruck, ein Kreislaufkollaps oder ein Herzinfarkt entwickeln. Auch schwere seelische Störungen wie Depressionen oder Abhängigkeitserkrankungen treten im Gefolge des Burn-out-Syndroms auf.

Gefährdet ist übrigens nicht nur der Selbstständige oder Geschäftsmann, der glaubt, auch im Urlaub Telefonkonferenzen abhalten und Bestellungen aufnehmen und weiterleiten zu müssen. Auch derjenige, der ausschließlich zum Privatvergnügen quasi rund um die Uhr simst, telefoniert, MMS mit den aktuellsten Urlaubsbildern verschickt oder -jüngster Trend - twittert, was das Zeug hält, verpasst die große Chance, sich im Urlaub einmal auszuklinken und Stress abzubauen. Gleichzeitig, so Mundle, beraube sich ein "DauerOnliner" auch schöner Urlaubserfahrungen, wenn er mit den Gedanken noch zu Hause ist. "Urlaub bedeutet auch, einfach mal Ballast abzuwerfen, sich bewusst auf das Neue und Fremde einzulassen", so Psychotherapeut Mundle. Auszeiten seien für die seelische Gesundheit unerlässlich. "Widerstehen Sie deshalb der Versuchung, ins nächste Internet-Cafe zu stürmen oder den Laptop aufzuklappen", rät er. Statt dessen sollte man im Urlaub bewusst die Seele baumeln lassen. "Sagen Sie sich und anderen. ,Ich bin dann mal weg. Nutzen Sie den Urlaub, um achtsamer gegenüber sich selbst zu werden und Ihre innere Stimme wahrzunehmen."

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