Die Bahn schleicht

Schnell rein - vielleicht gibt es noch einen Platz in der Bahn.
Schnell rein - vielleicht gibt es noch einen Platz in der Bahn.

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27. Dezember 2010, 08:46 Uhr

Berlin/Hannover | Schon die erste Lautsprecherdurchsage im gestoppten ICE 942 klingt wie ein Offenbarungseid: "Im Moment habe ich noch keine Information wann es weitergeht, wie es weitergeht und wann wir wo ankommen", schallt es von der Decke in die Waggons. Dort ist es so gerammelt voll, dass Fahrgäste selbst im 1.-Klasse-Abteil auf dem Boden hocken oder sich im Gang die Beine in den Bauch stehen. Auslöser für die teils chaotischen Szenen: Ausgerechnet an Heiligabend legten vereiste Oberleitungen die wichtige Ost-West-Achse Berlin-Hannover für Stunden lahm. Am Morgen war die Strecke komplett gesperrt und auch danach krochen die Schnellzüge meist nur im Schneckentempo voran. "Man muss es nehmen, wie es kommt", sagt die 21-jährige Berliner Studentin Carina und lässt einen Mann über ihre Knie klettern. "Ich wollte extra früh von Berlin nach Braunschweig fahren. Das haben doch alle geraten." Nun ist es 11.00 Uhr und der Zug ist erst bei Stendal - und niemand weiß, wie lange der Zug noch bis Braunschweig braucht.

Ein Schaffner lässt sich während der ganzen Fahrt nicht blicken. Ein gutes Stück vor Hannover meldet sich der Zugchef per Lautsprecher erneut: "Leider liegen mir keine Informationen zu Anschlusszügen vor. Ich wünsche ein schönes Weihnachtsfest, auf Wiedersehen." In Hannover fährt der Zug schließlich mit knapp zwei Stunden Verspätung ein. Und der ICE 942 soll ja noch weiter, nach Köln. Der Lokführer schaut kurz aus dem Fenster. Ihm sei bange, er müsse mit dem Zug ja später wieder zurück nach Berlin. "Hoffentlich klappts."

Chaos auch auf den Flughäfen. Düsseldorf machte an Heiligabend erst am Mittag auf. Etwa ein Drittel der gut 330 Starts und Landungen wurde annulliert. Auf dem Flughafen Weeze am Niederrhein strich die Gesellschaft Ryanair sämtliche Flüge. Dagegen blieb die Lage am größten deutschen Flughafen in Frankfurt vergleichsweise ruhig: nur wenige Dutzend Ausfälle. Kein Vergleich zu Paris. Dort mussten tausende Gestrandete Heiligabend auf dem Flughafen feiern.

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